rilkig

Aus aktuellem meteorologischen Anlass gerade mal nachgeschaut. Das Verb „einregnen“ ist a) im Duden verzeichnet („es regnet sich ein“), und b) bei den von mir gerne frequentierten Wörterbüchern von leo.org weder ins Englische noch ins Französische noch ins Spanische übersetzt. Vielleicht sind andere Wörterbücher da besser, vielleicht aber handelt es sich tatsächlich um ein Wort, das außer uns keiner kennt und benutzt.
Es ist ja auch inhaltlich völliger Blödsinn: Wenn es regnet, regnet es, basta. Es kann zwar junge Hunde oder aus Eimern regnen, aber weder ein- noch aus-. Mental hingegen ist es völlig klar, dass die Deutschen das Einregnen kennen und kultivieren. Dieses im Angesicht des Unbehaglichen sich genau damit behaglich zu fühlen, dass es noch viel unbehaglicher werden wird, das pflegen wir gut und gerne, und das hat wohl niemand so gut auf den Punkt gebracht wie unser Nationaldichter Rainer Maria Rilke: Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr, wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren lass die Winde los, und immer so weiter. Wer sich von so etwas anrühren lässt, der lässt es auch sich einregnen. Voll rilkig, ey!
rilkig: sich im unbehaglichen irgendwie behaglich fühlend

Kommentare (2)

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  2. Ich persönlich finde “einregnen” ein sehr hübsches Wort, wenngleich es natürlich leicht depressive, destruktive Tendenzen zeigt. „Rilkig“ hingegen find ich absurd. Das ist kein Wort, war aber zum Glück auch nicht ernst gemeint.

    Es gibt aber im modernen deutschen Sprachgebrauch eine Menge absolut dummer Worte, oder besser gesagt Wortverfehlungen: zum Beispiel nervt mich nach all den Jahren immer noch, wenn Sportler und Journalisten von der „Olympiade“ reden und zu berichten glauben. Zu einer Olympiade zu fahren ist ein lustiges Unterfangen, denn die ist echt groß und irgendwie schwer zu fassen, bestenfalls vergleichbar mit: „in ein Zeitloch fallen.“ Von der Olympiade zu berichten ist ein beachtliches Vorhaben, denn es tut sich viel in vier Jahren. Die meisten Sportjournalisten wissen tatsächlich nicht, dass es sich dabei nicht um einen Wettbewerb, sondern um eine Zeiteinheit handelt, um die zeit zwischen zwei Olympischen Spielen. Ich wünsche mir immer wieder, es könnte ihnen endlich jemand erklären. Vielleicht haben sie da ja Verbindungen und können Klarheit schaffen.

    Ein ganz neues Ungetüm scheint mir das Wort „Autoren.“ Nein, nicht die Mehrzahl, nein, nein. Immer öfter höre ich in der Filmbranche davon, dass ein Produzent sich mit einem Autoren trifft, was mich immer sehr verwirrt. Handelt es sich dabei um eine gespaltene Persönlichkeit, um siamesische Zwillinge, um eine künstliche Intelligenz, oder einfach nur um totale Ignoranz gegenüber der deutschen Sprache? Selbst in Zeitungen habe ich schon von „einem Autoren“ gelesen. Ich fände Detlef Guertlers Meinung dazu interessant. Er ist doch einer. Oder Zwei?

    Dazu, dass er das Wort „einregnen“ in keiner anderen Sprache als der deutschen finden konnte, fällt mir nur ein: versucht es doch mal mit dem Wort „Schadenfreude.“ Das gibt es nämlich auch in keiner anderen Sprache. In den USA wird dafür das deutsche Wort verwendet. Was sagt das über uns aus?

    Thomas Morris