Müll-Marktforschung

Nein, liebe Gemeinde, es geht nicht um das in weiten Kreisen verbreitete Vorurteil, Marktforschung könne man in die Tonne kloppen. Es geht um eine noch relativ neue Variante der Erhebung von Marktforschungsdaten – die Durchsuchung von Mülltonnen. Mittlerweile sind mir drei Beispiele hierfür zu Ohren gekommen:
– Das Mannheimer Marktforschungsunternehmen Seissmo hat ein Jahr lang in Mannheimer Müllsäcken gewühlt, um Informationen über die Verwendung von Markenprodukten in den Haushalten zu sammeln.
– Die deutsche Zigarettenindustrie gräbt seit zwei Jahren deutsche Müllkippen um, um Schätzwerte für den Anteil der nicht versteuerten Zigaretten am Gesamtrauchvolumen zu erhalten.
– Ikea Spanien hat in Vorbereitung des Neubaus einer Filiale in Malaga das Müllaufkommen der Region analysiert und dabei herausgefunden, dass in der Provinz Malaga etwa 40 Prozent mehr Menschen leben als offiziell gemeldet sind, und dass sie über ein hohes Markenbewusstsein verfügen.
Offensichtlich handelt es sich also um einen Trend, und ebenso offensichtlich brauchen wir deshalb ein neues Wort dafür. Die hoch anglizisierte Werbewelt wird hierfür wahrscheinlich einen englischen Begriff suchen – beispielsweise „waste mining“ als Ableitung von „data mining“. Auch Inwastigation klänge ebenso putzig wie kreativ. Da es sich jedoch wohl dauerhaft um einen Nischenmarkt der Marktforschung handelt, und zwar um einen, der nicht so sehr putzig und kreativ als vielmehr erdig und nutzwertig daherkommt, hat eine pragmatisch-deutsche Bewortung viel für sich. Ich plädiere für Müll-Marktforschung (mit Bindestrich, um sich von der Müllmarkt-Forschung abzuheben), bin aber für putzig-kreative deutsche Alternativen jederzeit offen.

Kommentare (5)

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  1. Leute leute ihr denke viel zu kompletziert….die frage ist doch,wie man am besten eine markforschung an geht…wie bekomme ich so schnell wie möglich info.(antwort) auf fragen…einfach denken…einfach denken….über Müll bekommen wir nicht immer die fragen die wir brauchen…ein forschung die bald für euch allen auf den markt kommen wird macht euch das leben viel leichter 😉

    email adresse ist nicht korekt..

  2. Also: „Müll“ geht ja gar nicht! Wer sagt von sich schon gerne, daß er Müll-Forscher sei?

    Da muß was Schickes her!

    Indirekte Konsumforschung?
    Sekundärprodukt-Vermarktungsanalyse?

  3. Alte Mistgruben sind ja heute das größte Glück der Archäologen. Dort wo die Römer ihre Abfälle hinwarfen, dort werden die größten Schätze entdeckt.

    Ich hoffe nur, Archäologen müssen nicht in 2000 Jahren sich durch unsere Müllkippen wühlen!

    Und noch ein kleiner manueller Trackback:
    http://blog.the-exit.net/article/641/muell-marktforschung

  4. die Erforschung des Hausmülls ist kein neuer Trend; sie wird schon betrieben, seit archäologisch seriös geforscht wird; in den 80er Jahren haben Soziologen durch die Erforschung des Hausmülls die Differenz zwischen angegebenem und tatsächlichem Bierkonsum eines Samples in den USA ergründet;
    frei nach dem Motto „du bist, was du wegwirfst“.

  5. Aus dem Familienkreis kommt der Vorschlag, statt Müll-Marktforschung doch lieber „Olchi-Methode“ zu sagen. Wortpaten sind die Olchis (www.olchi.de), grüne Wesen mit drei Hörhörnern, die auf Müllkippen leben und am liebsten fauliges, ätzendes, dreckiges Zeug essen. Doch, das hat was.