Who shot wohlgestalt?
von Detlef GuertlerPlötzlich und für uns alle unerwartet hat im heißesten Juli seit Menschengedenken das doch so ansehnliche Wörtchen “wohlgestalt” sein Leben ausgehaucht. Im “Großen Wörterbuch der Deutschen Sprache”, Ausgabe letzter Hand, ist es noch als ” (geh. veraltend): wohlgestaltet” aufgeführt. Es ging ihm also da schon nicht gut, aber noch steckte Leben in seinen zarten Konsonanten, noch kämpfte es um seine Daseinsberechtigung im großen Biotop der Deutschen Sprache. Ach, hätten wir geahnt, dass herzlose Redakteure ihm ans Leben wollten, wir hätten es geherzt und geküsst, in jeder Kolumne, jeder Glosse, jeder Reportage ein wohlgestalt untergebracht, hätten Freunde, Nachbarn und Landsleute zur Rettungsaktion aufgerufen – wohlgestalt darf nicht sterben! Aber, ach!, zu spät, du rettest das Wort nicht mehr: Der Duden hat brutalstmöglich zugeschlagen. In der neuesten Ausgabe ist der Gesamteintrag auf zwei Wörter verkürzt: “wohl|ge|stalt (veraltet)”. Kein Hoffnungsschimmer, keine lebensverlängernden Maßnahmen, wohlgestalt liegt im Wachkoma und wann hätte man je gehört, dass es daraus noch eine Errettung gäbe? Es ruhe in Frieden. Möge sein Schicksal uns und allen weiter lebenden Wörtern eine Mahnung sein.
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Vielleicht sollten wir so Wort-Parks einrichten, wo Worte, ähnlich Tierparks, die sonst ausgestorben sind oder gerade aussterben, noch ein bisschen in artgerechter Haltung leben können.
*** schluchz ***