sucheln

von Detlef Guertler

Einen interessanten Neubewortungsvorschlag macht ein gewisser Matthias bei the-exit: sucheln statt googeln. Für Sachsen ist das wohl kein großer Unterschied, da in der dortigen Mundart googeln eher wie gucheln ausgesprochen wird, man also nur den Anfangsbuchstaben auswechseln müsste. Für Andersmundartige ist die aussprachliche Differenz doch etwas größer. Faszinierend finde ich an diesem Vorschlag nicht so sehr das Wort an sich, sondern eine sich dahinter eröffnende Perspektive: Wenn sich tatsächlich sucheln für “suchen im Internet” durchsetzen würde, könnte man in Analogie auch bei anderen Verben genauso verfahren, indem man einfach zwischen e und n ein l einschiebt. Aus recherchieren wird recherchiereln, aus telefonieren eben nicht skypen, voipen oder interfonieren, sondern telefoniereln, auf flirten wird flirteln, aus wetten wetteln, und wer statt sich im wahren Leben lieber bei Second Life im Internet rumtreibt, der lebelt eben. Und wenn Ikea dann Internet-Werbung schaltet, heißt die: “Wohnelst du noch oder lebelst du schon?”


10 Kommentare zu "sucheln"

  1. das klingt für mich nach dem Didelidu von Simspon-Nachbar Flanders =)

  2. „Sucheln“ klingt wie Suchen ins Diminutiv gesetzt – ein Suchen, das nur obenhin geschieht, nicht mit Ernsthaftigkeit. Die meisten Verben auf –eln zeigen Bewegung an, Bewegung auf kleinem Raum. Wer „wandelt“ macht eher kurze Schritte als lange, wer „rodelt“ fährt bloß Hügelchen herunter, wer „rödelt“, „prügelt“, „gründelt“, „wedelt“, „kegelt“, „hechelt“, rum“sudelt“ oder sich Luft zu“fächelt“, tut das alles mit Bewegungen, die nicht ausladend sind und sich immer wiederholen.. Daher tendiert die Endung –eln dahin, den Verben generell das Großräumig-Ernsthafte zu nehmen – ähnlich wie die Endung –erl im bayrisch-österreichischen Sprachraum das bei Substantiven tut („Hunderl“, „Schmankerl“, „Tascherl“). Wer „blödelt“, „schwindelt“, sich hin“flegelt“, „jodelt“ und sich „räkelt“, ist nicht ganz ernst zu nehmen – und so weiter. Eine Szene von „Schloß Gripsholm“ spielt im Zug, da heißt es: „Wir fuhren. Die Prinzessin schlief. Ich denkelte so vor mich hin.“ Man merkt gleich: dieses „Denkeln“ ist nicht eben ein Ringen um Erkenntnis, eher ein die Seele Baumeln lassen…
    „Googeln“ steht außerhalb dieses Sprachzusammenhangs. Es lässt sich auf ein englisches Kunstwort zurückführen (ein „Googol“ war in der Vorstellung des Mathematikers Milton Sirotta eine riesengroße Zahl), womöglich sogar auf einen Rechtschreibefehler, die Quellen sagen da Unterschiedliches. Wir können uns – verkindelt, wie wir sind – also bestimmt noch viele neue Verben auf –eln ausdenken. Die werden aber, meine ich, zumeist in die Sphäre des Kleinräumig-Unernsten fallen, so wie die Verben, die es schon gibt. Da das -eln für diese Markierung bereits vergeben ist, eignet es sich nicht zusätzlich als Markierung für Internet-Tätigkeiten, finde ich.

  3. Vielen Dank für diese überzeugende Argumentation. Allerdings gestehe ich, dass bei mir tatsächlich eine eher abwertend-verniedlichende Beimischung beabsichtigt war: Das Flirten im Internet halte ich tatsächlich für eine Nummer unernster als das Flirten von Angesicht zu Angesicht, ähnliches gilt für alle anderen Varianten von virtueller Lebensgestaltung. Aber das lässt sich wohl nicht durchhalten: Internet-Wetten beispielsweise sind keine Aktivitäten zweiter Klasse, wetteln führt deshalb in die Irre.

  4. Das sind ernstzunehmende Kritikpunkte am Wort “sucheln”.

    Könnte man denn eine andere Neubewortung vornehmen, die diesen Missstand behebt?

  5. Ich finde Gs Anregung spannend, und ich finde Ds Kritik beachtlich.

    Zunächst: Ich meine, daß “sucheln” mit der Kritik vereinbar ist. Die Internetsuche ist selten schweißtreibend, ausladend. Es ist “sucheln”, weil es schnell ist. Ich mag es!

    Die restlichen Vorschläge Gs fühlen sich schnell abwertend an, was ihre Verwendung natürlich nicht per se verbietet…

    Ich lass’ mir doch nix verbieteln!

  6. Niemand wird Ihnen etwas verbieteln, lieber Herr Schlüszler.

  7. Ich werfe mal – etwas spät, ich weiß – ein, dass es das Wort “menscheln” schon länger gibt. Und denke ich, durchaus etwas negativ-abwertend gemeint ist.

  8. In Sachsen wird “googlen” wahrscheinlich eher “guggln” ausgesprochen, was dem sächsischem “guggn” nahe kommt, was so viel wie “gucken” bedeutet.

  9. Pingback: das rockbüro

  10. Das Wort “sucheln” (mit kurzem u) gibt es doch schon lange. Sucheln = trinken.

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