Wörterwanderung

von Detlef Guertler

So heißt eine mir höchst fragwürdige Aktion des ebenso fragwürdigen “Deutschen Sprachrats“. Das Anliegen scheint auf den ersten Blick ehrenwert: “Deutsche Wörter finden sich in fast allen Sprachen der Welt wieder. Wir möchten diese Wörter mit Ihrer Hilfe sammeln und etwas über ihre Verwendung in anderen Sprachen lernen.” Fragwürdig an der Aktion ist auf den zweiten Blick zweierlei: Erstens kennt sie kaum einer, obwohl sie schon seit Anfang Juni laufen soll und Ende September schon wieder vorbei ist, was also wohl bedeutet, dass den Jungs und Mädels vom Deutschen Sprachrat das mit dem Marketing nicht wirklich in die Wiege gelegt wurde. Und zweitens darf man mit der Einreichung eines Germanismus aus anderer Sprache auch gleich alle seine Rechte daran abgeben, weil aus den Geschichten zu den Germanismen ein Buch werden soll, das bereits im November 2006 erscheinen soll. Damit bekommt das ganze vollends den Charakter eines putzigen “Wenn die Großmutter erzählt”-Projekts.
Und auch der Deutsche Sprachrat scheint eine reichlich merkwürdige Vereinigung zu sein. Seine letzte Presseerklärung stammt vom 23.9.2003, seine letzte Aktion vor der Wörterwanderung, die Suche nach dem “schönsten deutschen Wort” ist zwei Jahre her, er hängt postalisch und organisatorisch am Goethe-Institut, dessen Residency-Programm uns gerade übel aufgestoßen ist, und lässt sich vom Duden unterstützen. Er ist also wohl nicht Fisch noch Fleisch, ist ein bisschen gewollt, aber gar nicht gekonnt, und wird genauso wie das übergestülpte Bläh-Programm “Die Macht der Sprache” gnadenlos in die Hose gehen.
Für den eigentlichen Zweck, die Suche nach Germanismen in anderen Sprachen, ist Wikipedia eindeutig das geeignetere Medium – ganz ohne Steuergelder, und dennoch oder gerade deswegen mächtig effizient. Hier - und hier - und hier. Machense das mal nach, Limbach!


5 Kommentare zu "Wörterwanderung"

  1. Hm… Und soll nicht auch aus der “Wortistik” langfristig ein Buch werden? Wie steht es denn da mit den Rechten allfälliger Beiträgler?

  2. Alle Wortler, die nicht in einem Verein (einer Institution, einer Sprachgesellschaft, einer Kommission, einem Worttüffel-Furzerei) sitzen, wofür sie Ehren, Spesen, Honorare, Veröffentlichungschancen, öffentlichen Beifall, politisches Wohlwollen kriegen – meckern und krakelen und kreativieren über das, was da & dort und da-hinfort als Wort produziert oder onaniert wird –

    – ihre eigenen Ipsationen gehen “voll in die Hose”, wie o. zu lesen.

    Alle(s) wortet so vor sich hin, jetzt sogar mit Wortistik, na, dankestanke! – und BASTA! Mehr Aufmerksamkeit soll der hiesige Gürtler nicht kriegen.
    Sonst wird er noch so un -und unheil-verschämt wir Furz-Droste.

  3. Da, Herr Altmeyer, keiner der hier beitragenden ein Formular ausfüllen muss, mit dem er alle seine Rechte an mich, die taz oder den Deutschen Sprachrat abtritt, dürfen Sie davon ausgehen, dass mir an diesen Beiträgen keine Rechte zustehen. Wie das praktisch aussähe, wenn die Wortistik ein Buch würde, darf derzeit ruhig noch im conjunctivus irrealis bleiben. Sobald es einen Verlag gibt, der so etwas tatsächlich drucken möchte, reden wir da noch mal in der Möglichkeitsform drüber.

  4. Das Schöne am Wortschatz, werter Antoninus, ist seine gnadenlose Volkstümlichkeit. Ob ein Wortist zur ernannten oder zur selbsternannten Sprachelite gehört, ist vergleichsweise unerheblich – nur wenn seine Neubewortungen sich einbürgern (sic!), hat er der deutschen Sprache gedient. Aber wenn nicht, hat er es wenigstens versucht.

  5. Fürs Englische gibt es da einige Listen und Seiten:

    http://www.uni-trier.de/uni/fb2/anglistik/Projekte/stubbs/german.htm

    http://home.swiftdsl.com.au/~mbednarek/germanenglish.php

    Sehr gut gefällt mir auch “Erfundene englische Wörter im Deutschen” über Beamer, Basecap und Compagnie.
    http://www.humanlanguages.com/rlerfeng.htm

    Was mir persönlich nocht fehlt ist das russische, da hat man ja noch solche Perlen wie Feldscher, Maßstab, Feldwebel oder Wimpel übernommen. Auch wenn Wimpel in den dämlichen Medien gerne als Vympel transliteriert wird.

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