Netznutzen

Gerade in der Wortwarte von heute die „Netznutzungspolitik“ entdeckt, eine in der Tat völlig neue -politik, und dabei vom wunderlieblichen Klang der Netznutzung verzaubert worden. So lecker und locker werden einem die tz’s sonst nie serviert. Da muss man doch mehr draus machen können – denn bislang ist die Netznutzung zwar als solche bekannt, wird aber vorwiegend in eher hässlichen Koppelwörtern verwendet, wie Netznutzungsentgelt und Netznutzungsmanagement. Sollte sich tatsächlich bei einem eventuellem Börsengang der Bahn das Schienennetz vom darauf rollenden Material trennen, gäbe es sicher vielerlei Anwendungsmöglichkeiten für die allesamt schönen Wörter Netznutzer (Bahn, Veolia etc.), Netznutzung (Eisenbahn fahren) und Netznutznießer (die noch zu gründende Schienennetz GmbH).
Aber so recht befriedigte mich das noch nicht. Gibt es nicht ein bereits häufig verwendetes Wort, das man durch eines dieser Doppel-tz’s ersetzen könnte. Und da fiel es mir ein: Natürlich – der Netzwerk-Effekt! Jenes doppelt dumme Wort, das erstens das englische network mit Netzwerk übersetzt, obwohl network einfach nur Netz heißt, und das im neutralen „Effekt“ schamhaft verbirgt, dass dieser Effekt grundsätzlich positiv ist: Der Teufel scheißt auf den dicksten Haufen, wer heut kein Ebay hat, baut sich keines mehr, und je mehr Schülerlinge den Windows Messenger nutzen, desto größer wird der Zwang für den Rest der Klasse, sich auch anzuschließen. Je dichter das Netz, desto größer der Nutzen also, und also spricht nichts dagegen und alles dafür, den Netzwerkeffekt in Netznutzen umzutaufen. Vereinzelt ist das bereits passiert, insbesondere bei Marcus Liehr, dessen Buch „Die Adoption von Kritische-Masse-Systemen“, das ich ansonsten nicht kenne, sich dadurch auszeichnet, dass es bereits im Inhaltsverzeichnis 13mal das Wort Netznutzen verwendet. Bravo, Herr Liehr!

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