online/offline
von Detlef GuertlerJetzt wird’s aber schwierig, meine Damen und Herren von der Aktion Lebendiges Deutsch: Nicht nur ein Wort, sondern gleich ein Wortpaar soll diesen Monat gesucht werden, nämlich die Eindeutschung von online/offline. Und das, wo doch Ihre Vorreiter, die von sich selbst so genannten “Redlichen”, derzeit geführt von Reinhard Pfaffenberg, schon seit vielen Jahren die untoppbare Lösung dafür gefunden haben: anschnur/abschnur nämlich. Da befürchte ich einen erneuten Absturz in der Zahl der eingereichten Vorschläge, die nach Ihren Angaben bereits von 10.380 (für Brainstorming) über 3463 (für Fast Food) auf 1268 (für Event) absank, um sich zuletzt bei 1405 Vorschlägen (für No-Go-Area) auf niedrigem Niveau zu stabilisieren. Für on/offline dürfte die 1000er-Hürde schon zu hoch sein.
Aber Spaß beiseite: Aller (nämlich meiner) Voraussicht nach spielen beide Worte ziemlich bald schon keine Rolle mehr. Es gibt eine solche Vielzahl von Zugangswegen zu Informationen aller Art, dass eine solch einfache Unterscheidung keinen Sinn mehr machen wird. Spätestens wenn sich die Flatrate für den Handy-Datentransfer allgemein durchsetzt, ist online nämlich kein bewusst herbeigeführter Zustand mehr, sondern ein Dauerzustand, und damit nicht wirklich wortfähig. Man kann sich dann zwar bewusst offline schalten (Handy aus), aber dann wird man sich eher nicht “offline” nennen, sondern “nicht erreichbar”, vielleicht auch “privat”.
Vom Wortisten jedenfalls wird diesen Monat kein Vorschlag bei den lebendigen Deutschen eingereicht.
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ach sie werden [quote](..) keinen Sinn mehr machen (..)[/quote]
… wie war das noch mit Anglizismen? =)
Ansonsten kann ich Ihnen nur bedingt zustimmen. Zumindest unter jugendlichen wird “on” und “off” im Zusammenhang mit Instant-Messagern garantiert immer noch verwendet und weiter verwendet werden.. ums mal in den Zusammenhang zurücken “Komm mal on, dann reden wir da weiter” .. am Telefon.
Das mit den Anglizismen sehe ich überhaupt nicht eng. Ich bin ein großer Freund der deutschen Sprache, und weil ich sie so mag, möchte ich, dass sie so schön wie möglich ist. Wobei schön sowohl eine Frage der Ästhetik als auch der Verständlichkeit ist. Je schöner aus anderen Sprachen eingewanderte Wörter sind, desto lieber sind sie mir – aber viele, die mittelmäßige oder hässliche Wörter mit Migrationshintergrund verwenden, sind nur zu faul, um schönere deutschdeutsche Wörter zu suchen. Und faul war ich noch nie…
Online/offline bezieht sich auf den Zustand des Gerätes, nicht des Menschen, der das Gerät nutzt. Mancher ist immer offline, auch wenn sein Gerät online ist. In der deutschsprachigen Version eines amerikanischen Computerbetriebsystems wird der Verbindungsstatus, der anzeigt, ob Terminals, Drucker u.ä. mit dem Rechner verbunden sind, mit “angehängt” bzw. “abgehängt” übersetzt. In älteren Versionen hatte man für diese Zustände noch die englischen Begriffe “online/offline” belassen. Und der Zustand, dass der Server auf die Verbindungsaufnahme durch ein Terminal wartete, wurde mit “vary on pending” beschrieben. Ich habe laut gelacht, als in einer neuen Version des Betriebsystems dann diese “Zustandsbeschreibungen” eingedeutscht wurden und das vorgenannte “vary on pending” nun mit “Anhängen anstehend” übersetzt worden war.
> Mancher ist immer offline, auch wenn sein Gerät online ist.
Das nennt man neudeutsch Idlen
Ich glaube, Herr Guertler hat seinen Anglizismus nicht mal bemerkt …
Hallo Kaishakunin. Das klingt mir nach IT-Experte.
Idle ist also der Zustand “angehängt, jedoch nicht angestrengt”
Idle heißt eigentlich faul – so kam u.a. Billy Idol zu seinem Namen. Nachdem er auf einem Zeugnis als faul (idle) beurteilt wurde, wandelte er es in homonyme Idol ab.
In der IT bzw. der ETechnik ist es ein Zustand, in dem ein Prozessor nichts tut. In der Informatik bezieht es sich auf Prozesse die ebenfalls nichts tun – und zwar bewusst, nicht weil sie auf etwas warten.
Von dort hat es den Einzug in die Chatter-Sprache gefunden, in vielen Chatrooms hängen Leute mit Flatrate rum, die teilweise wochenlang nix sagen – also idlen. Scheint vor allem in den Gamer-Kanälen ein Problem zu sein. Das Wort ist aber auch offline zu hören, zumindest in Informatiker, ETechniker und Gamer-Kreisen
Zwei nette Stilblüten zum Gebrauch finden sich übrigens hier:
http://german-bash.org/13
http://german-bash.org/54861
Oh Mann!
Diese Stilblüten treiben mich in der Wortistensekte Arme.
Die deutsche Version von SuSE-Linux benutzt
* einhängen/eingehängt
* aushängen/ausgehängt
als Übersetzung für mounted/unmounted.
Damit wird bezeichnet, ob ein “Gerät” dem Betriebssystem zwecks Lese- und/oder Schreibzugriff verfügbar ist.
“Gerät” ist traditionell ein Massenspeicher, zum Beispiel eine Festplatte. Das Linux-Betriebssystem verwendet jedoch für andere Geräte einen identischen Zugriff – finde ich genial -, so daß auch der Betriebszustand etwa eines Lichtabtasters (Scanners) so bezeichnet wird.
Aus Sicht des Betriebssystems heißt eingehängt also: zum Datenaustausch bereit.
“Online” im oben verwendeten, menschelnden Sinne heißt, wenn ich das richtig verstehe, zum Datenaustausch bereit, und zwar technisch wie mental. Ich mag per Flachvertrag technisch dauereingehängt sein, geht mir indes die *mentale* Bereitschaft zum Datenaustausch ab, kann zwar von “Rumhängen” (idlen?) gesprochen werden, nicht aber von “Einhängen” oder “Aushängen”.
Ich finde, ein- und ausgehängt *ergibt einen* Sinn!
Sag ich doch, lauter IT-Experten.
Suse, lieber Suse, es raschelt das Stroh?? In wessen Köpfen?
Eingehängt hieß beim Telefon mal “aufgelegt” im Sinne von “Verbindung beendet.” Da sind Übersetzer am Werke, die die Vergangenheit von Wörtern nicht kennen und die translaten munter drauf los. Babylon lässt grüßen.
mounted = Adjektiv beritten – im Sinne von aufgesessen. (Langenscheidt) – aber wem nur?
Die Wörter aufgehängt und abgenommen haben viele Bedeutungen. Ich bin heut’ so albern aufgelegt.
kali nichta wünscht Polyphem.
- Unter Blinden ist der Einäugige ein König o:) -
P.S.: Ich weiß, was SuSe ist. Ich weiß sogar, wer Zuse war.
Gerät ist nicht unbedingt ein Massenspeicher, schließlich kann ein Rechner auch wunderbar ohne Massenseicher existieren.
Gerät ist mithin nur die Übersetzung von device, und da alle Geräte unter Unix nur Dateien sind, kann man in jedem Gerät rumpfuschen
Apropos Übersetzungen, ich habe noch ein Unix-Handbuch von 1986 und eine Robotron-Anleitung für WEGA (DDR-Unix), da wurde gnadenlos alles übersetzt.
Mount bedeutet aber auch einrichten, einhängen, befestigen, und wenn man das Dateisystem als Baum betrachtet, passt diese Bezeichnung mMn schon ganz gut.
es geht hier aber nicht um das Wortpaar eingehängt/ausgehängt im Sinne von mount/unmount sondern um *angehängt* und *abgehängt* im Sinne von on- und offline. Da wir, wenn wir online sind, völlig kontrollierbar sind, ist angeleint und abgeleint eine adäquate Rückübersetzung.