deutschdeutsch

Wenn Wortisten und andere Oberlehrer das Deutsch, das wir sprechen, von dem einen oder anderen Anglizismus befreien wollen, müsste man doch eigentlich das Deutsch, das dabei herauskommen soll, deutschdeutsch nennen, um es von dem heutigen Englischdeutschen zu unterscheiden. Meint jedenfalls ein Kommentar in der gestrigen Welt, der sich dafür ausspricht, unsere Sprache offen für Zuflüsse von außen zu halten: “So, wie Deutschland ein Ein- und Durchwanderungsland war und ist, so sind der Clown, der Flop, das Steak und die Party im Deutschen heimisch geworden. So, wie es einst die Ruhrpolen, dann die Türken waren und jetzt wieder die Polen sind, die zu uns einwandern, so waren früher Einwortungen aus dem Französischen en vogue, während heute die aus dem Englischen in sind. Morgen vielleicht die aus dem Chinesischen. Wie die menschlichen Einwanderer haben sich auch viele dieser Wörter ein bisschen an ihre neue Heimat angepasst: die englischen Cakes etwa, die Bahlsen Ende des 19. Jahrhunderts brachial und dankenswerterweise in Keks umbenannte, oder der französische Cheque, der zum Scheck wurde. Und banca rotta, die von den Gläubigern zertrümmerte Holzbank des italienischen Geldwechslers, hat sich zum Bankrott gemausert.”
Deutsch – eine multikulturelle Sprache, die nicht im eigenen Saft schmurgelt und nicht von sprachpäpstlichen Akademien rein und ältlich erhalten wird, sondern fröhlich und lebendig vor sich hin integriert. Damit dabei die Sprache aber nicht in völliger Beliebigkeit versinkt, braucht sie eine zum Selbstverständnis als Einwanderungssprache passende Leitkultur. Und an der basteln wir hier gerade. Ich hätte den Autor jenes Kommentars gerne eingeladen, sich an diesem Weblog zu beteiligen. Geht aber nicht, er ist nämlich schon von Anfang an dabei.

Kommentare (19)

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  5. Hab gerade auf SpOn den Artikel “Life by Gorgeous – Leben in Georgien” über englische Werbesprüche in Deutschland gelesen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,450681,00.html
    Das ist doch unglaublich: Die Center-Parcs-Parole “A State of Happiness” konnten nur 13% der Befragten korrekt übersetzen, den Jaguar-Spruch “Life by Gorgeous”sage und schreibe vernachlässigbare 8%!
    Machen diese Werbe-Hohlköpfe Ihre Werbung eigentlich ausschließlich für ihre Kollegen in der Werbebranche sowie die in Deutschland verschwindend geringe Zahl von Engländern und Amerikaner? Diese Ignoranz ist schon himmelschreiend!
    Ich frage mich, ob man diese galoppierende Blödheit nicht irgendwie boykottieren kann. Überall dort, wo mit englischen oder pseudo-englischen Werbesprüchen geworben wird, könnte man die derart beworbenen Produkte konsequent stehenlassen.
    Denn eins ist doch klar: Nur wenn der Umsatz eines solchen Blöd-Unternehmens nach einer dieser fremdsprachigen Werbekampagne spürbar abfällt, merken auch deren anglomane Führungskräfte, dass sich ihre Kundschaft nur widerwillig (wenn überhaupt) mit solch kryptischen Botschaften beschäftigt.
    Das mit dem Blödheits-Boykott ziehe ich übrigens schon länger konsequent durch. Wer macht mit?

  6. Um dieses Thema nicht mit dem vorausgehenden Beitrag (quälend viele Worte, um den Holzhammer “Deutschtümelei!” in die Runde zu werfen) enden zu lassen, möchte ich mich mit diesem (leider weitverbreiteten) Vorwurf kurz auseinandersetzen.
    Wie bereits mehrfach erwähnt, sprechen mehrere Millionen Deutsche nicht oder nur unzureichend Englisch (oder eine sonstige Fremdsprache). Das ist Fakt und lässt sich mit keinem anderen Argument einfach vom Tisch wischen. Es ist bes. dieser soziale Aspekt der Sprache, der m.E. die Bemühungen rechtfertigt, unverständliche Fremdwörter durch deutsche Wörter zu ersetzen.
    Warum wohl übersetzte Luther die Bibel ins Deutsche und warum erlaubte das II. Vatikanische Konzil nach zähem Ringen, Messen in deutscher Sprache abzuhalten?
    Dies geschah natürlich nicht aus deutschtümelnden Motiven, sondern in erster Linie aus der Einsicht, dass man einen größtmöglichen Anteil der Bevölkerung in der vorherrschenden Vulgärsprache (und nicht auf Lateinisch oder Altgriechisch) erreicht.
    Bei den Anglizismen haben wir bei gleichen Grundvoraussetzungen heute allerdings eine völlig andere Situation: Obwohl auch heute der Info-Elite ein zahlenmäßig deutlich überlegener “vulgo” gegenübersteht, wird der Mehrheit diesmal die mit Anglizismen durchsetzte Sprache einer elitären Minderheit übergestülpt, wobei die Allgemeinverständlichkeit immer mehr in den Hintergrund rückt.
    Zur Krönung werden diejenigen, die sich für eine größtmögliche Verständlichkeit der deutschen Sprache (also ein äußerst demokratischer Ansatz) einsetzen, als deutschtümelnde Sonderlinge hingestellt (oft genug mit einem Verweis auf die Nazis, die ja auch gegen das Undeutsche vorgegangen seien).
    Meine Gegenfrage in diesem Zusammenhang ist, wie weit wir die wohlwollende Akzeptanz der englischen Sprache treiben wollen. Ist es z.B. akzeptabel, wenn die Unterhaltungselektronik in Deutschland demnächst nur noch mit englischer Gebrauchsanweisung (Garantieerklärungen inklusive) ausgeliefert wird, wie letztens bei meinem DVD-Brenner geschehen?
    Ich finde das absolut inakzeptabel und nehme für meine Meinung dann eben auch gerne Holzhammer-schwingende Opponenten in Kauf…

  7. Neulich deutschten auf deutsch vier deutsche Deutschlinge deutschend, Sich überdeutschend am Deutsch, welcher der Deutscheste sei.

    Vier deutschnamig benannt: Deutsch, Deutscherig, Deutscherling, Deutschdich;

    Jetzt wettdeutschten sie, deutschend in grammatikalischer Deutschheit, Deutscheren Komparativ, deutschesten Superlativ.

    “Ich bin deutscher als deutsch.” “Ich deutscherer.” “Deutschester bin ich.” “Ich bin der Deutschereste, oder der Deutschestere.”

    Drauf durch Komparativ und Superlativ fortdeutschend,
    Deutschten sie auf bis zum – Deutschesteresteresten;
    Bis sie vor komparativisch- und superlativischer Deutschung
    Den Positiv von Deutsch hatten vergessen zuletzt.

    Friedrich Rückert: Grammatische Deutschheit

  8. Das ist das große Problem, dass die bisherigen Pfleger/Normierer der deutschen Sprache mit den hohen Anforderungen der heutigen Zeit überfordert zu sein scheinen.
    – Da hätten wir zuerst den Duden, der den Anglizismen nichts Eigenes entgegenzusetzen hat, einerseits dem Sprachgebrauch meist hinterherhinkt, andererseits aber sprachliche Avantgarde sein will und sich dabei am Zeitgeist vergaloppiert. Schwer nachvollziehbar finde ich z.B., warum der Duden derart voreilig und ohne Not so ein Unword wie googeln aufnimmt – mir würde nie einfallen, so ein Verb mit integrierter Schleichwerbung zu benutzen. Schließlich lideln wir ja auch nicht, wenn wir zum Lidl gehen – “Die Kiste Bier hab ich eben gelidelt und danach das Gemüse geplusst” – Horror!
    Doch auch die Alternativen sind problematisch:
    – Wenn man sich die dilletantische Rechtschreibreform ansieht, kann man nicht ernsthaft wollen, dass sich die Politik in Sprachfragen einmischt. Wer einen so fundamentalen Eingriff in die deutsche Sprache derart inkohärent durchzuführt, hat sich auf diesem Gebiet ein für alle Mal diskreditiert.
    [Obwohl, die Politik könnte natürlich regulatorisch eingreifen und z.B. bewirken, dass jede rein englische Werbebotschaft übersetzt werden müsste, was den angenehmen Nebeneffekt hätte, dass die hochtrabenden Slogans in Ihrer inhaltlichen Nichtigkeit enttarnt werden würden.]
    – Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Flaggschiffe der ARD, Tagesschau und Tagesthemen, die ja die normative Kraft in der deutschen TV-Nachrichtensparte darstellen. Doch auch dort herrscht keine einheitliche Linie, was sich bes. bei der Aussprache von Fremdwörtern bemerkbar macht: Die eine Sprecherin spricht die Raumstation ISS auf englische Weise /Ai-es-es/ aus, der Kollege sagt /I-es-es/, Anne Will vermeldet die Naturkatastrophe aus “New Oooooooooooooooaaaalins”, Tom Buhrow dasselbe nüchtern aus “New Orleeeans” (auf der letzten Silbe betont). Hier würde vielleicht eine Journalismus-Stilfibel wie im spanischen Sprachraum das “Libro de estilo” der Zeitung “El País” weiterhelfen. Ich persönlich würde dabei immer für die deutschen (und weniger prätentiösen) Varianten (also /I-es-es/ und “New Orleeeans”) plädieren.
    – Schließlich und endlich die verbissene “anschnur”-Fraktion, die mit ihren Extremvorschlägen immer wieder Grund zur Heiterkeit bieten. Nüchtern betrachtet muss man einfach feststellen, dass die meisten ihrer Vorschläge zu umständlich und gezwungen erscheinen, als dass diese ernsthafte Alternativen zum Status Quo wären.
    Was also tun?
    Vielleicht kann ja die basisdemokratische Kraft des Internets weiterhelfen – eine Seite, auf der griffige, kreative und dabei praktikable Vorschläge zu den Duden-Lücken bereitgestellt werden. Vielleicht ein Gegen-Duden (oder dem Zeitgeist gemäß: Dooden). Gibt es sowas schon?
    Falls nicht, könnte der Wortistik-Blog ja vielleicht den Anfang machen mit einer Sammlung kreativer Wortneuschöpfungen und Alternativvorschläge, die man zum weiteren Gebrauch in einer Liste vereinen könnte…

  9. Jedem seine eigene Wirklichkeit, jedem seine eigene Sprache!

    Dass eine Sprache der Kommunikation dient, ist nur Theorie. Wen ich nicht verstehen will, den verstehe ich nicht, wen ich verstehen will, der braucht gar nichts zu sagen.

    So ähnlich kann man das in einigen Lehrbüchern für Fremdsprachen lesen.
    So ähnlich wird es im Ruhrgebiet praktiziert.
    So ähnlich funktioniert auch die Regierung in Berlin.

  10. Zitat: “[...]einst die Ruhrpolen, dann die Türken waren und jetzt wieder die Polen sind[...]”
    Mir fällt dazu folgender Artikel ein: http://www.welt.de/data/2002/09/10/444162.html Schade, dass auch hier die Zahl der Südslawen (vor allem Kroaten, wie meine Mama) im deutschen Sprachraum (also mit Österreich) nicht die Erwähnung findet, welche sie eigentlich verdient hätte.

    Ich genieße es, wenn den Polen zu irgendeiner Person oder Sache zig Verniedlichungs- und Koseformen einfallen; wiederum fällt es den Polen auf, dass gerade die polnischlernenden Deutschen mit der polnischen Sprache basteln und spielen (eine Ehre!). Und solange der Konzernsitz von Porsze und Mercedesky ;-) nicht in Polen liegt, werden es wohl wir sein (müssen), welche die technischen Wörter exportieren. Zumal wir in der Wortbildung viel Potential haben, ich erwähne nur mal das in diesem Blog beschriebene “Zahlungsmoralbarometer.”

    Schön, dass man in diesem Blog antworten kann. Schon alleine deshalb würde ich nicht behaupten, es sei die deutsche Version der Académie française. Und das ist auch gut so: man bleibt gegenüber einem Franzosen immer ein Nationalist zweiter Klasse…

    Ich werde emotional, ich beende diesen Kommentar. Aber falls ich dem Welt-Kolumnisten hiermit eine Nachricht hinterlassen kann (sein Lieblingswortist steht ihm näher als ich): Hvala! Dziękuję! Danke!

    Gruß aus dem Allgäu, W.Wilhelm

  11. Hier haben wir einen wunderschönen Beweis von Mehrdeutigkeit in der deutschen Sprache, werter thomas morris. Da empfiehlt der sprachgewaltige Detlef Guertler den Verantwortichen von z.B. Stinnes Logistics (warum heißen die nur so?), sie mögen doch bitte der Sprache Gewalt antun. Sprachgewalt. Ist das nun Humor oder ist es nur witzig? Gewaltig im Sinne von riesig, kompetent o.ä. hat ja eine andere Bedeutung als Gewalt im Sinne von Zwang. Diese lehne ich weiterhin ab. Der Versuch, etwas durchzusetzen muss in unserer Demokratie weiterhin gewaltlos betrieben werden. Gewalt geht nur vom Staate aus. (s. Rechtschreibreform) :-)

  12. Aber wie kriegt man das hin mit dem Eindeutschen von Fremdwörtern? Für den Spanier ist der Container ganz klar ein contenedor (auch wenn das genauso klingt wie “con tenedor”, also “mit Gabel”), warum ist er bei uns kein Kontehner oder Kontäner, ganz zu schweigen von Großkiste oder Normbehälter, wie man ihn ja auch nennen könnte? Der Keks heißt nur Keks, weil Bahlsen irgendwann Ende des 19. Jahrhunderts aus den bis dahin verkauften “Leibniz Cakes” den “Leibniz Keks” gemacht hat – brutale Sprachgewalt des Marktführers. Vielleicht sollten wir mal bei der Post oder bei Stinnes Logistics anregen, ähnliche Sprachgewalt auszuüben…

  13. Vor allem verkennen die Werbefutzies einen entscheidenen Punkt: Englisch wirkt nicht auf Deutsche.

    Neuropsychologen und Linguisten haben längst nachgewiesen, das Menschen auf ihre Muttersprache viel eher und intensiver reagieren als auf irgend eine andere. Und das ist nun wahrlich nicht weiter verwunderlich.

    Wer also auf englisch wirbt zeigt nur daß ihm die Kundschaft offenbar scheiß-egal ist.

  14. In Spanien futtert man ja auch Nuteja ;-)

    Aber andererseits, ins Bureau geht hier auch keiner mehr. Also so abwegig ist der Kompjuter da auch nicht.

  15. Bleibt das Problem, dass die englischen Begriffe und Botschaften von einem großen Teil der Bevölkerung (mit Sicherheit etliche Millionen Menschen) schlicht und einfach nicht verstanden werden, da kann das Englische noch so lyrisch oder sexy daherkommen.
    Wir sollten uns meines Erachtens ein Beispiel an den Spaniern nehmen, wo die Fremdwörter, wenn es für sie denn keine spanische Übersetzung finden, überwiegend auf die spanische Weise einverleibt werden, so dass z.B. Marlene Dietrich /Marlen Djetritsch/ ausgesprochen wird. Das mag man als Deutscher im ersten Moment als ignorant belächeln, hat aber den immensen Vorteil, dass kein Spanier, vom Akademiker bis zum Maurer, Probleme mit Verständnis und Aussprache solcher Wörter hat.
    Für mich sollte die praktische und soziale Komponente der deutschen Sprache, dass sie also für einen größtmöglichen Teil verständlich bleibt und nicht als Mittel zur bewussten (oder bestenfalls unbewussten) Ausgrenzung missbraucht wird, eine viel höhere Priorität haben als der Klang oder die Coolness.
    Man sollte sich mal in einen Menschen mit allenfalls rudimentären Englisch-Kenntnissen hineinversetzen, der in einem DVD-Laden kaum noch die Titel der DVDs oder Video-Spiele versteht oder, was noch schlimmer ist, am Bahnhof den Sinn der Hinweisschilder wie “Counter” oder “Service-Point” nur noch erahnen kann.
    Selbst für Leute mit guten Englischkenntnissen ist es schwierig, Schritt zu halten mit der Springflut an Anglizismen in der Schriftsprache (z.B. folgende Anglizismen aus der Zeitschrift TV-Spielfilm: Gadgets, Box Office, Outtakes, Featurettes …)
    Natürlich wäre es wünschenswert, wenn alle Deutschen bilingual oder multilingual wären, dann könnte man Fremdwörter ohne Bedenken einfließen lassen (oder sich gleich in bestimmten Situationen in versch. Fremdsprachen unterhalten: beim Essen auf Französisch oder Italienisch, im Büro auf Englisch etc.), aber die Wirklichkeit sieht nun mal völlig anders aus.

  16. Nicht rasen, coulibaly, englisch ist einfach die lyrischere Sprache. Sie ist sexy, knapp und doppeldeutig. Viele Worte haben zwei oder mehrere Bedeutungen. Da kann man so herrlich mit dichten. Das lockt besonders kreative Köpfe, wie die Wortschöpfer bei Fernsehsendern. Aber auch in den USA sind deutsche Worte in den englischsprachigen Alltag eingeflossen. So kann man manchmal hören: „I schlepped myself home.“ Ist doch auch nicht besser, oder? Anyway. We are loving it!

  17. Auch “von Gefühlen gepudert” soll vorgekommen sein.

  18. Ach, da ist doch Douglasens Sprüchlein noch harmlos. Sat Einsens “Powered by Emotion” wurde von vielen Befragten als “Kraft durch Freude” übersetzt.

  19. Der brasilianisch-bayrische Anarcho-Linguist Zé do Rock geht noch ein Schritt weiter und nennt sein von Anglizismen und allen weiteren Fremdwörtern (inkl. der alten lateinischen Lehnwörter) befreites Deutsch übrigens sarkastisch “Siegfriedisch”. (Dieser Autor ist in Streitfragen zur deutschen Sprache überhaupt sehr empfehlenswert – unübertroffen amüsant sein Buch zum sog. “Ultradoitsh”.)
    Die Gedankenlosigkeit, mit der der Verbreitung der Anglizismen gegenwärtig betrieben und hingenommen wird, finde ich ehrlich gesagt erschreckend und atemberaubend.
    Selbstverständlich haben immer schon Fremd- und Lehnwörter aus anderen Sprachen Einzug in die deutsche Sprache gehalten und diese bereichert, aber die momentane Situation ist kaum vergleichbar, da der heutige erosionsartige Ansehensverlust der deutschen Sprache beim eigenen Volk einen immer höheren Grad der Durchdringung der Sprache mit Anglizismen zur Folge hat.
    Das große Problem dabei ist, dass sich die gesprochene und, noch viel schlimmer, die Schriftsprache immer mehr vom Durchschnitts-Deutschen entfernt, so dass eine Mehrheit der Deutschen bestimmte Texte nur noch so halb versteht (s. das geniale legendäre Douglas-Marketing-Eigentor “Come in and find out”).
    Bis vor ca. 20 Jahren wurde fast jeder ausländische Film vom deutschen Verleih mit einem rein deutschen Titel versehen. Mittlerweile bekommen jedoch fast alle Filme nur noch einen englischen Titel, was bisweilen bizarre Blüten treibt: So wurde der spanische Film “Abre los ojos” (mit Penelope Cruz) in Deutschland unter dem englischen Titel “Open your eyes” vertrieben – schon ziemlich krank, einen spanischen Titel für die deutschen Kinos mit einem englischen zu übersetzen. Warum ist ein deutscher Titel “Öffne deine Augen” jenseits der Vorstellungskraft der Kino-Marketingfuzzis? Das macht mich rasend….
    Um die ganz praktischen, sozialen Auswirkungen dieser Anglizismen-Flut zu illustrieren, noch eine kleine Anekdote:
    Vor einigen Jahren kam der Film “American Pie” in die deutschen Kinos. Eine Bekannte mit spärlichen Englischkenntnissen sprach mich auf den Film an, den sie statt American /Pai/ fälschlicherweise American /Pi/ aussprach, also zu Deutsch etwa “Amerikanisches Pissen”.
    Man stelle sich vor, dies hätte sie in einer größeren Gesellschaft von sich gegeben – sie wäre als Ignorantin herzlich ausgelacht und arrogant belächelt worden. Diese Peinlichkeit wäre ihr bei einem deutschen Kino-Titel sicherlich erspart geblieben…