Klapparat

Die ganze Zeit hatte mich einer der Vorschläge der „Aktion Lebendiges Deutsch“ nicht losgelassen. Im Mai hatten die Aktionisten gemeint, der Laptop bzw. das Notebook könnten auch „Klapprechner“ heißen. Das klang so, na, altmodisch, dass ich ihm keine Chancen auf Durchsetzung einräumte. Aber trotzdem: Da war was dran. Denn dass es sich beim Laptop (das Wort Notebook sollten wir als kurzzeitig aufgeflammte Geschmacksverirrung lieber gleich der Vergessenheit anvertrauen) grundsätzlich um einen Computer zum Aufklappen handelt, ist richtig, und Klappen ist auch ein schönes Grundwort, und da müsste man doch was draus machen können. So ging die Gedankenkette vom Klapprechner (gähn) über den Klapper (brrr) zum Klapp. Den wollte ich heute mittag noch der Wortistik-Gemeinde vorschlagen, saß aber gerade im Zug, deshalb nicht vernetzt, was auch gut war, denn heute abend im Flugzeug (immer noch nicht vernetzt) hatte ich plötzlich das einzig wahre Neuwort für Laptop: Klapparat! Das ist fetzig genug, um auch von Menschen unter 55 gebraucht zu werden, und es trifft das Gerät, das da zu beschreiben ist, genau. Ich bin begeistert.

Kommentare (20)

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  1. Na jetzt hat sich ja das Wort Notebook wohl doch durchgesetzt oder irre ich mich da? (http://www.yourpainting.de/) Klapparat find ich persönlich nicht so gut. Klapprechner allerdings gefällt mir ziemlich gut 🙂

  2. Ein klappriges Klapparat klappert mit klapprigen Klapparaten.
    http://www.galleryy.net/

  3. Klapp als mündliche Kurzform von Klapprechner?

  4. Der professionelle Neologist Gunkl verwendet den Ausdruck „Reiserechner“. Gemahnt nicht so an die Anfänge der automatischen Kalkulation, aber weckt nomadische Assoziationen. Daher gehört meine Sympathie dem „Mobilrechner“.

  5. Mein ehemaliger Aktentaschenrechenmittel war eindeutig ein Lap-flop
    (und ich meine damit nicht das Geschwindigkeitsmaß für Prozessoren).

    Gruß aus dem Allgäu, W.Wilhelm

  6. @ polyphem: internat

  7. Wenn wir schon mit dem Klapparat am Hotspot gelandet sind, so könnten wir diesen „heißen Punkt“ doch auch gleich neubeworten?

  8. Vielen Dank für Ihre Erläuterung, lieber Herr Gürtler! Wahrscheinlich kommt Ihnen am „Klapprechner“ dasjenige altmodisch vor, was mir seriös erscheint, und wir haben es mit einer Geschmacksfrage zu tun, über die man nicht streiten kann. Andererseits ist um den „Klapparat“, finde ich, so’n Hauch von Ulk. Es handelt sich eben um ein Wortspiel. Sie selbst spüren ja die Nähe zum Kalauer. (Übrigens war auch der „Klappastorch“ gut!) Wenn Sie die Reihe Ihrer Beispiele mit „Klapparat“ durchprobieren, wird vielleicht deutlich, dass das Wort in kaum je in Verkaufskataloge finden dürfte. Mein Herz gehört aber weder dem Klapprechner, noch dem Klapparat, sondern Ihrem anderen Kind, dem „Klapp“! Das kommt zwar auch etwas verspielt daher, aber nicht so sehr, dass es sich nicht auch vor Zollbeamten oder bei Präsentationen bewähren könnte. Und ist unübertrefflich kurz!

  9. @ schlüszler: Ja, am 25.11.1996 taucht im Spiegel in einem Artikel über eine neue Generation von Taschencomputern das Wort Klapprechner auf. Die 50 Cent, die es kosten würden, den Beitrag aus dem Archiv abzurufen, spare ich mir allerdings, nicht etwa, weil ich den Spiegel boykottieren würde, solange Herr Matussek dort beschäftigt wird, sondern weil ich ja gar nicht den Klapprechner, sondern den Klapparat verbreiten will. (Den übrigens hat Gero von Randow 2004 in der Zeit einmal verwendet, um einen Spielzeugroboter zu beschreiben)

    @ Dombrowski: Ich gehe einfach die eine oder andere Gelegenheit durch, bei der man heute den Begriff Laptop verwendet, und ersetze das Wort durch Klapprechner.
    – Kontrolle am Flughafen: Is da’n Klapprechner drin? Auspacken!
    – Gespräch im ICE-Großraumwagen: Würde es Ihnen etwas ausmachen, den Ton Ihres Klapprechners leiser zu stellen?
    – Kurz vor der Präsentation: Ist auf diesem Klapprechner wirklich Powerpoint installiert?
    – Auf der Messe: Wieviel Terabyte hat die Festplatte Ihres neuen Klapprechners?
    – Auf Dienstreise: Am nächsten Hotspot lade ich mir die neuen Vertriebsdaten auf meinen Klapprechner.
    Schon diese fünf Beispiele belegen m.E. das flaue Gefühl, das beim Wort Klapprechner aufkommt. Es wirkt, na, gestelzt, gekünstelt. Das altertümliche kommt möglicherweise daher, dass sich bei Computern längst nicht mehr die Assoziation „Rechner“ aufdrängt. Die Software ist so vielfältig und dominant, dass eher die Werkzeug-Eigenschaft (der Computer als Arbeitsmittel) ins Auge fällt, und weniger die Funktionsweise des Innenlebens (das Rechnen, bzw. lauter Hin- und Herschaltungen zwischen 0 und 1).

  10. Frage an den Wortisten: Lieber Herr Gürtler, Sie schreiben, das Wort Klapprechner sei für Ihr Empfinden „altmodisch“ und „gähn“ (was doch heißen wird: so langweilig, dass man schier einschläft) – jedenfalls nicht fetzig genug für Menschen unter 55. Könnten Sie analysieren, was genau Sie an dem Wort stört? Auf mich, obgleich (deutlich) unter 55, wirkt es nämlich gar nicht altmodisch. Im Gegenteil: „Rechner“ hat sich als Äquivalent für „Computer“ in jüngerer Zeit eingebürgert, und für „klappen“ als Grundwort plädieren Sie selbst. Woran also liegt’s?

  11. Kann es sein, daß „Klapprechner“ erstmals vom Spiegel verwendet wurde?

  12. Und wenn der Klapparat kaputt ist, bringt der Klappastorch einen neuen.

  13. Ich wäre eher für den Klaptop

  14. @Jan: Wenn das Wort Laptop schlimm wäre, würde es ja nicht benutzt, sondern wäre längst schon ersetzt. Aber das Bessere ist der Feind des Guten, und ich behaupte, dass eine Bewortung dieses Geräts mit einem Begriff, der die Assoziation zum Klappen weckt, einfach besser ist. Allein schon, weil man daraus dann ganze Neuwortgruppen bilden kann. Systemabsturz am Laptop heißt dann Klappastrophe, der Kaffee, den man aus der Schnabeltasse trinkt, damit ja nix auf die Tastatur tropft, heißt Klappuccino, ein Laptop, dem im Zug oder im Café nicht der Ton abgestellt wurde, heißt Klappagei, eine schöne Frau am Laptop heißt Klappatra, und ein Wortist, der versucht, am Laptop Kalauer zu reißen, kann dann Klapparetist genannt werden. Versuch das alles mal mit dem Wort Laptop…

  15. schleppschrott,taschen-rechner,klappkasten
    ersteres wird für gewöhnlich auch richtig gedeutet

  16. Ich finde Klapparat durchaus sehr witzig. Warum nicht?

  17. Das einzig Wahre[tm]: Schlepptop

  18. „Klapp“ ist genial! „Klapparat“ auch sehr schön, vielleicht etwas neckisch? Beide Ausdrücke klingen familiär; aber eine Art Familienmitglied sind die meisten Klapps ja auch. „Klapprechner“ hätte möglicherweise den Vorzug, am ehesten standardsprachlich werden zu können. Jedenfalls Glückwunsch und viele Grüße von Klapp zu Klapp!

  19. Was ist denn eigentlich so schlimm am Laptop?
    Dann könnten wir natürlich immerhin den Klapparatschik an seinem Klapparat im Zug sehen?
    Aber das haut die unter 55-jährigen doch nicht wirklich vom hocker. Fetzig ist das nur für über 55-jährige.

  20. Ein comeback in Kurzform: Ich erinnere mich an den Klapparatismus, ein Ausdruck, der in den 50er bis 60er Jahren gern gebraucht wurde, etwa: Vermaledeiter Klapparatismus – wenn irgendein (mechanisches) Gerät nicht recht funktionieren wollte, Fotoapparat, Zelt usw..
    Mein persönlicher Favorit ist Lapatopo.