Hausbildung

„Find doch mal ne Eindeutschung für Home Schooling“, sagt meine Frau. „Brauchen wir nicht“, antworte ich. „Bei uns ist Home Schooling verboten, also können wir das getrost den Angelsachsen überlassen.“ – „Denkste. Das wird demnächst in Deutschland groß rauskommen, da ist es bestimmt besser, schon im Vorfeld das passende Wort zu finden.“

Also gut. Der etwas arg christlich wirkende Verein der Freunde des Home Schooling in Deutschland o.ä. meint, man könne sowohl Hausunterricht als auch Heimschule als auch „Schule zu Hause“ sagen, und erzählt im folgenden von der speziell für Grundschüler geeigneten Deutschen Fernschule. Wieso eigentlich Fernschule, wenn die Schule doch genau das Gegenteil von fern sein soll, nämlich im eigenen Heim? Auch die Fernuniversität ist doch wohl eher eine Heimuniversität, in der Heimstudenten in den eigenen vier Wänden lernen. Zumindest aus Nutzer- oder Kundensicht.

Und weil wir bereits seit einigen Jahren im Jahrhundert des lebenslangen Lernens stecken, und weil das alles noch mehr werden wird, und zwar vor allem zu Hause, und nicht auf irgendwelchen Campussen (oder Campi? oder Campus‘?), brauchen wir vermutlich nicht so sehr ein Wort für Home Schooling, sondern ein Wort für das Lernen zu Hause im allgemeinen. Hausbildung also. Für Schneckenforscher ist dieser Begriff zwar bereits anderweitig besetzt, aber auch nur für die. Allen anderen ist sofort einleuchtend, dass es sich hierbei um jegliche Form von Bildung, Aus- oder Weiterbildung handelt, die zu Hause stattfindet.

Kommentare (4)

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  1. Ist nicht Heimunterricht der Terminus der von den Beamten und Juristen in dem Fall der Hamburger Sektierer verwand wurde?

  2. „Bildung wie bei Muttern“ wäre doch auch ein ansprechender Begriff. Obwohl er „väterfeindlich“ ist …

  3. Hausbildung assoziert Bauchbildung,- Bebauchte waren es für eine Leserbriefschreiberin der TAZ, die mit ihren dicken Autos einen Korso bilden nur um wie blöde zu hupen.

    Lafontaine, ein Schreiber seichter Unterhaltungsromane, durfte sich, wegen der von Friedrich Wilhelm genehmigten Präbende, glücklich schätzen, er baut sich vor den Toren Halles eine dicke Villa, in der er wie Varnhagen berichtet, so behaglich lebt, daß er sich „zu faßartiger Beleibtheit“ ausmästen kann.
    HaHa-
    aus Günther de Bruyns „Das Leben des Jean Paul Friedrich Richters“

  4. Es ist wohl Zufall, dass Campus und Kampusch so ähnlich klingen. Hausbildung statt Ausbildung hat die tapfere Natascha Kampusch in den letzten Jahren auf schlimme Art erfahren müssen. Hausbildung statt Ausbildung führt leicht zu Einbildung. „Hinterm Wald“ aufzuwachsen schützt vielleicht vor falschen Freunden; aber damit aus Kindern starke Menschen werden können, benötigen sie die Liebe ihrer Erzieher und die Erfahrung, „was das Leben sei“. Ausbildung muss auch als Außen-Bildung stattfinden.