Oberlippenblondine
von Detlef Guertler“Hey, das schreibst du nicht”, rief Sunny. “Das ist meine Erfindung! Mein Urheberrecht!” – “Das weißt du doch gar nicht”, entgegnete ich. “Oder hast du geprüft, ob schon jemand anderes das Wort erfunden hat, bevor du es verwendet hast?” – “Nein, hab’ ich nicht. Es ist mir einfach ganz spontan eingefallen.”
“Also gut, Sunny, dann machen wir das so: Ich prüfe heute abend bei Google, ob es für “Oberlippenblondine” schon Treffer gibt. Wenn ja, schreibe ich einfach nur, dass mir auf einem Kindergeburtstag die Gastgeberin eine der noch erwarteten Mütter als aufgespritzte Oberlippenblodine beschrieben hatte. Dass sie genausogut hätte sagen können: “Die sieht aus wie Ute Ohoven, nur zehn Jahre jünger”, dass aber Oberlippenblondine dieselbe Assoziation hervorruft, und das völlig zurecht – schließlich handelt es sich ja um einen Kindergeburtstag in Marbella, da kommt so was schon mal vor.”
“Und was, lieber Detlef, machst du, wenn es sich tatsächlich um meine Erfindung handelt? Wenn Google keine Oberlippenblondine kennt?” – “Dann, liebe Sunny, werde ich genau die gleiche Geschichte schreiben, aber natürlich dein Urheberrecht respektieren, also deinen vollen Namen mit Adresse nennen, und vielleicht auch den Namen der betreffenden Mutter, oder ein Foto von ihr, damit auch nicht in Marbella wohnende Wortistik-Leser sich ein Bild davon machen können, wie eine Oberlippenblondine aussieht.”
“Ooch”, sagte Sunny, “ganz so konkret wollte ich es denn doch nicht haben. Ich würde vorschlagen, das mit den Namen, Adressen und Fotos lässt du bleiben. Und für meinen Namen suchst du dir auch besser ein Pseudonym aus.” – “Wie wär’s mit Sunny?”, schlug ich vor. “Sunny klingt gut”, sagte Sunny. “Einer Sunny nimmt man jederzeit ab, dass sie die Erfinderin des Wortes Oberlippenblondine ist.”
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Also ich assoziiere da nix mit den Ballonlippen einer aufgespritzten “Society-Lady”.
Das klingt für mich eher nach VoKuHiLa-OLiBa aus den tiefsten 80ern – sowas wie Rudi Völler als er von einem Holländer oder so angespuckt wurde.
@ Kaishakunin: Interessante Assoziation. Dann wäre eine Oberlippenblondine also eine Blondine, die auf Männer mit Oberlippenbart steht. Da wäre ich nie drauf gekommen – das kann aber tatsächlich daran liegen, dass der Ohoven-Typus bei mir in Marbella so weit verbreitet ist, bei Ihnen in xy aber offensichtlich nicht.
> Dann wäre eine Oberlippenblondine also eine Blondine,
> die auf Männer mit Oberlippenbart steht.
Nee, ich meinte eher einen Kerl, der einen blonden Oberlippenbart hat. Prollig aufgetakelte Tussen stiefeln hier zwar auch rum, aber die meisten schmeißen ihr Geld eher für Arschgeweih und zweistündige Solarienbesuche als für Ballonlippen raus.
Eben im Wortwart entdeckt: Das Blondierungsgespräch. http://www.wortwart.de/index.php/Blondierungsgespr%C3%A4che
Ach wie gut, dass auch ich dem Ohoven-Typus nicht so oft begegne – dafür halte ich mich eher in Kreisen auf, in denen man mit der Deutschen Grammatik auf Kriegsfuß stehen haben.
Vor ein paar Tagen, dachte ich, ich hätte das “Plusquamfutur” erfunden. Zumindest das Wort, als Reaktion, denn die Wortfolge “können geblieben werden” ist nicht meinem Kehlkopf entsprungen. Aber nein, da ging Einer schon weiter, gleich bis hin zum “Plusquamfutur Paktiv.” Sei es drum – im Wortwart hat’s dennoch seinen Platz gefunden: http://www.wortwart.de/index.php/Plusquamfutur
Gruß aus dem Allgäu, W.Wilhelm