18.09.2006 von Detlef Guertler
Leser Marc Gerke hat mich freundlicherweise auf eine mir ansonsten eher fern liegende Publikation aufmerksam gemacht, den Kicker nämlich. Auf dessen Webseite hat er “eine sympathische Stilblüte gefunden, die mir schon öfter aufgefallen ist, die trotz ihrer momentanen Unkorrektheit ein dauerhaftes Duden-Asyl verdient hätte: Ein “richtig gutes Spiel” habe er von seiner Mannschaft gesehen, mit zwei Wehmutstropfen.”
Vielen Dank für diesen Hinweis, den ich gerne nutze, um einige grundsätzliche Erwägungen zur wortistischen Demokratietheorie anzuschließen. Natürlich ist der Wehmutstropfen an sich falsch, da nur der Wermutstropfen im Duden steht, und der seinen Ursprung daher hat, dass ein einziger Tropfen Wermut ein ansonsten süßes Getränk hoffnungslos verbittern kann. Aber andererseits ist der Wehmutstropfen gar kein schlechtes Wort: Ein ansonsten erfreuliches Gesamtbild wird durch einen Hauch Wehmut getrübt, und da Wehmut ziemlich nah am Wasser gebaut hat, passt auch der Tropfen ganz gut.
Und kann der Wehmutstropfen wirklich so falsch sein,… weiter lesen
18.09.2006 von Detlef Guertler
Es ist noch keinen Monat her, dass wir hier erstaunt feststellen durften, dass Müll nicht nur Müll ist, sondern auch Ausgangsmaterial für Marktforschung. Der damals vorgeschlagene Begriff waste-mining hat allerdings nicht das Gefallen der deutschen Entsorgungswirtschaft gefunden. Via FTD versucht sie es deshalb mit einem weit schickeren Anglizismus. Aber lesen Sie selbst: “Die oft belächelte feingliedrige Mülltrennung und die hohen Umweltstandards in Deutschland hätten dazu geführt, dass die deutschen Recycler heute weltweit führend seien. “Urban-mining” ist der Schlagbegriff für den Boom – die Stadt wird zur Miene.” Das mit der Miene stecken wir kurzerhand als klassischen redaktionellen Analphabetismus weg, und bleiben lieber beim Urban-mining. Aber auch nicht lang: Denn erstens ist es eine Vergewaltigung des Wortes Stadt, es begrifflich auf den dort produzierten Müll zu reduzieren. zweitens heißt die Mine üblicherweise nach dem Rohstoff, der dort gefördert wird, und drittens ist uns die Stadtmine nicht geheuer… weiter lesen