Startegie

Tja, das hat man nun davon, wenn man mal nicht im eigenen Weblog, sondern für klassische Printmedien schreibt, wo man seine Texte zwar selbst schreiben, aber eben nicht selbst bearbeiten darf. Da steht dann plötzlich im Vorspann zur heutigen Welt-Kolumne: „Die Hedgefonds brauchen eine neue Startegie.“ Startegie ist ein relativ häufiger Schreibfehler; nicht nur, weil es beim schnellen 10-Finger-Schreiben schon mal passieren kann, dass man die Reihenfolge vertauscht (denn T liegt neben R und A neben S), sondern auch, weil man ziemlich häufig Wörter schreibt, die mit Star- beginnen, in erster Linie die Abwandlungen von Star und Start. Deshalb übersieht man beim Korrekturlesen diesen Buchstabendreher auch relativ häufig.

Aber selbst wenn es sich in diesem speziellen Fall eindeutig um einen Druckfehler handelt: Könnte nicht das Wort „Startegie“ ein, wenn nicht gar zwei Sprachlöcher füllen? Startegie könnte nämlich sowohl eine Strategie meinen, mit der jemand zum Star gemacht werden soll, als auch eine Strategie, mit der ein Start besonders gut gelingen soll.
Für die erste Variante wäre Verona Pooth-Feldbusch ein besonders gelungenes Beispiel: Ihre Kurz-Ehe mit Dieter Bohlen wäre demnach ein startegisches Meisterwerk. Auch das massenhafte Aufkaufen von Gracia-CDs durch ihren Produzenten zum Zwecke der Schlager-Grand-Prix-Qualifikation wäre in diesem Sinne eine startegische Aktion.

Startegien der zweiten Variante gibt es vornehmlich für Schul- und Studienabsolventen sowie für Existenzgründer. Alles, was dabei hilft, den Einstieg ins Berufs- oder Unternehmerdasein zu erleichtern, kann als startegisches Instrument gelten. Man könnte  damit endlich unterscheiden zwischen Lehrbüchern für Berufsstrategie (wie schleime ich mich nach oben?) und solchen für Berufsstartegie (wie beginne ich eine Schleimspur?).

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