Überschnäppchen

Das Schnäppchen an sich ist schon ein Phänomen. Mitten in einer durch und durch ausländerisierten Sprachumwelt, dem Einzelhandel, verteidigt es seine unangefochtene Monopolstellung. Es gibt Sales und Smart-Shoppers, Fashion Victims und Convenience-Stores, und zwischendrin: das Schnäppchen. Deutsch, deutscher geht’s nicht, und weit und breit keine Konkurrenz in Sicht. Oder wussten Sie, dass Schnäppchen auf Englisch bargain heißt, auf Französisch occasion und auf Spanisch ganga? Und selbst wenn Sie es wüssten, hätten Sie jemals gehört, dass jemand das auf deutschen Einkaufsstraßen verwendet hätte. Zugegeben, ich kannte mal jemand, der sich in den Schlussverkauf in Worms gestürzt hatte und stolz mit einem „Okkasiönsche“ zurückkam, aber der sah auch schon so aus.

Das Wort ist so fantastisch, dass es nur selten mit Vorsilben versetzt dargeboten wird. Super- und Mega-Schnäppchen tauchen vereinzelt auf, aber eigentlich braucht das Schnäppchen seiner eigenen Stärke wegen keine draufsattelnden Vor-, sondern allenfalls detaillierende Nachsilben, wie etwa -markt, -jäger oder -fieber. Deshalb sehe ich es mit einer gewissen Reserviertheit, dass Obi seine Akkuschrauber und Toilettendeckel jetzt als „Überschnäppchen“ feilbietet. Ein bisschen sehr dick aufgetragen das ganze, und die wortliche Nähe zum Überschnappen ist auch keine gute Visitenkarte: Seit wann wären denn Schnäppchenjäger bescheuert?
Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Schnäppchen auch diesen Vereinnahmungsversuch unbeschadet überstehen. Aber um ihm dabei ein wenig behilflich zu sein, habe ich die gerade eben noch frei gewesene Adresse www.ueberschnaeppchen.de okkupiert und einer löblichen Bestimmung zugeführt. Kann ja nix schaden.

Kommentare (2)

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  1. Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Weiter so!

  2. Ich muss zugeben, die Nähe zum Überschnappen ist frappierend. Als ich nur die Überschrift auf der Startseite las, dachte ich ein Überschnäppchen wäre ein kleiner Ausraster oder so. Quasi der berühmte Schreikrampf bei dem sich ein Dreijähriger in Latzhose an der Aldikasse zu Boden wirft und mit seinen Fäustchen trommelt weil er eine Süßigkeit haben will.
    Das das was mit Schnäppchen zu tun haben will, fiel mir nicht im Traume ein.

    Wobei ich mich grade Frage warum es dazu keinen passenden Anglizismus gibt. Ist es das mangelnde Diminutivum im englischen? Das Schnäppchen verniedlicht ja Erworbernes und Preis, das geht dem englischen nun weitestgehend ab.

    Bargainy, bargainlet oder bargainkin klingt allessamt gleichbescheuert. Wäre doch also perfekt für einen buckligen Werbesklaven.