27.09.2006 von Detlef Guertler
Die Kosmetikindustrie ist zwar ohnehin bekannt für ihre hemmungslose Anglifizierung (außer 3-Wetter-Taft natürlich), aber der neueste Streich von Nivea schlägt doch echt dem Fass die Krone ins Gesicht: “NIVEA VISAGE DNAge ist eine hochwirksame Anti-Aging-Pflege, die direkt im Zellkern wirkt.” Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Erst der klassische, dem Lateinischen entlehnte Markenname (von nix, nivis: Schnee), dann die französische Visage für die Oberproduktgruppe (Gesichtsschmiere vermutlich), und schließlich die höchst artifizielle, verkünstelte Kopplung einer englischen Abkürzung (DNA) mit einem englischen Wort (Age), zu der man automatisch erst einmal in Anlehnung an die Wisaasch “Denaasch” sagen möchte, aber Die-Enn-Äidsch sagen muss. Wi!-der!-lich!!
Ja, früher, damals, als noch Tankstellen boykottiert wurden, nur weil Greenpeace sich verrechnet hatte, da hätte man für solche Vergewaltigung der deutschen Sprache nicht nur Nivea Visage DNAge boykottiert, sondern die ganze Nivea-Palette und den Rest des Beiersdorf-Konzerns gleich mit. Und wenn die Eigentümerfamilie Herz… weiter lesen
27.09.2006 von Detlef Guertler
Alle Welt optimiert. Die Geschwindigkeit eines Browsers, die Prozessabläufe einer Fabrik, die Steuerquote, das Image, die Außendarstellung, den Cash Flow, die Performance, das Preis-Leistungs-Verhältnis, kurz: jegliche Art von Aufwand und Ertrag und alle ihre Verhältnisse werden immer weiter verbessert.
Aber niemand pessimiert. Niemand versucht, etwas immer schlechter zu machen. Zumindest gibt es keiner zu, weshalb dieses Wort, das sich ganz einfach als Umkehrung zur Optimierung bilden lässt, praktisch inexistent ist. Dabei weiß doch jeder Manufactum-Kunde, dass genau das Gegenteil der Fall ist, denn wie heißt doch das geflügelte Motto des Unternehmens: “Es gibt nichts Gutes, das nicht irgend jemand ein bißchen schlechter und ein bißchen billiger machen könnte” (John Ruskin).
Also könnten wir, als fortschrittliche, konstruktiv kritische Mitglieder von Konsum-, Dienstleistungs-, Wissens- und vielen anderen Gesellschaften, die Wörter pessimieren und Pessimierung doch hervorragend verwenden, um all die Fälle zu beschreiben, in denen das mit der Optimierung eben nicht… weiter lesen