Technik im Touareg II: Radamat

Eine der verkehrssicherndsten Techniken seit Erfindung des Airbags will VW in die nächste Ausgabe des Touareg einbauen, die im Oktober in den Handel kommen wird, (und der wir bis dahin noch ein paar Neuworte mit auf den Weg geben müssen, damit der geneigte Kunde auch versteht, was VW ihm da verkaufen will), und im Wortlaut der VW-Presserklärung heißt diese Technik „Adaptive Cruise Control (ACC) mit neuer Follow-to-Stop-Funktion“, was wohl so ziemlich die blödsinnigste anzunehmende Benamsung (BAB) ist. Und das nicht nur, weil die Abkürzung ACC bereits für den Anti-Husten-Wirkstoff Acetylcystein und damit für einige Hundert Medikamente eingeführt ist.

Lesen wir lieber mal zu, was damit gemeint ist: „Die radarbasierte Distanzregelung bremst und beschleunigt den Wagen je nach Verkehrslage in einem zuvor definierten Geschwindigkeitsbereich auomatisch. Das jetzt im neuen Touareg eingesetzte System bremst den Wagen erstmals bis zum Stillstand ab.“ Es ist also kein Tempomat (der seine Geschwindigkeit nicht variiert) und auch kein Abstandsmelder (der ja auch eher beim Einparken als beim Fahren verwendet wird), sondern? Wie nennt man diese Technik, die das Autofahren fast so sicher machen kann wie sonst nur in Science-Fiction-Filmen?

Benennungsversuche gibt es in Hülle und Fülle. Allein die Wortwarte verzeichnet in ihrer Sammlung neuer Auto-Wörter unter anderem: Abstandshaltesystem, Abstandsradarwarner, Abstandsregelsystem, Abstandsregeltempomat, Abstandsregler-Tempomat, Abstands-Tempomat, Abstandswahrer, und danach habe ich aufgehört, weiter zu suchen. VW selbst hatte vor einem Jahr schon mal die automatische Distanzregulierung (ADR) vorgeschlagen und in den Passat auch eingebaut.
Es handelt sich hingegen definitiv nicht um eine Radarbremse, wie Wortistik-Leser Wilhelm aus dem Allgäu vorgeschlagen hat, da diese „Adaptive Cruise Control (ACC) mit neuer Follow-to-Stop-Funktion“ ja nicht nur bremsen, sondern auch beschleunigen soll. Sie will den Verkehr am Fließen halten, die Radarbremse hingegen will ein Auto stoppen, bevor es knallt.

Also geht es nicht nur technisch, sondern auch wortistisch darum, die Radar-Technik mit dem Tempomaten zu fusionieren. Der naheliegende Begriff Radar-Tempomat wird denn auch gelegentlich bereits verwendet, ist aber für mein Gefühl etwas zu lang (obwohl natürlich viel kürzer als „Adaptive Cruise Control mit Follow-to-Stop-Funktion“) und führt auch auf eine falsche Fährte, da die Geschwindigkeit ja eben NICHT konstant gehalten werden soll.

Mein Vorschlag deshalb: Radamat. Macht klar, dass es sich um irgend etwas mit Radar und mit Automatik handelt, ist in keiner Weise anderweitig belegt und ist hinreichend kurz, um in Verkaufsgesprächen („Wenn Sie mir bei dem Preis noch einen Radamaten dazupacken, kauf ich den Touareg“) oder beim Protzen („meiner ist nicht nur größer als deiner, meiner hat auch Radamat“) verwendet werden zu können. Machen Sie das mal mit „Adaptive Cruise Control mit Follow-to-Stop-Funktion“!

Kommentare (2)

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  1. also der radamat klingt mir zu sehr nach etwas, das am rad dran ist. bei den autos mit dem stern heißt diese lustige tempo-verändern-abstand-beibehalten-geschichte distronic (vermutlich distanz-electronik oder so). wie wärs mit radaRmat? spricht sich n bisschen schlechter, aber das rad ist (für mich) ab :o)

    übrigens @ polyphem: ich weiß nicht, ob sie so ein „mitdenkendes“ fahrzeug schon mal ausführlicher testen konnten. ich für mein teil konnte – und hab es sehr genossen. im täglichen leben bin ich mit einem „elefantenrollschuh“ (fiat seicento, 45 ps) unterwegs, der wirklich nur fährt. letzten sommer hatte ich jedoch einige tage eine s-klasse-limousine sozusagen zum spielen. phantastisch! spektakulär!! wow!!! und gerade die distronic habe ich auf der autobahn sehr genossen.
    was nicht heißt, dass ich jetzt aus dem fenster schauend und den weißen wölkchen hinterherträumend das auto quasi allein habe fahren lassen – mitnichten. der sicherheitsfuß war _immer_ dicht an der bremse, und auch sonst habe ich meine fahrerischen entscheidungen allein getroffen.
    klar nimmt einem so ein ding einige entscheidungen ab – aber es ist eine kann-regelung, kein muss. die man nicht mal einschalten muss. man kann so ein edel-spielzeug ganz wunderbar auch selber schalten und die nützlichen helferlein alle sanft schlummern lassen … aber ehrlich: schön ist es schon – selbst so banale sachen wie eine regelbare sitzheizung können aus den abzureißenden 200 km autobahn eine sehr angenehme erfahrung machen.
    nebenbei bemerkt denke ich, dass wahrscheinlich diese helferlein in einigen jahren auch in den meisten autos drin sein werden – ebenso wie heute schon synchronisierte getriebe und später automatikgetriebe. die ja vor etlichen bis einigen jahren mit gelegentlich ebenso vernichtenden urteilen bedacht wurden.

  2. Menschliches Versagen wird ausgeschlossen. Wer idiotensichere Fahrzeuge baut, bekommt dann auch solche Fahrer. Gibt es bei diesem ganzen elektronischen Gebremse auch schon einen Begriff für die „Spaßbremse“, die für viele „Normal-Verbraucher“ im Tank eingebaut ist? Die wird beim Touareg vermutlich nicht benötigt, da bei den Fahrern solcher Geräte sicherlich alle super ist – oder ist es Diesel?