Hörstück

Irgendwie scheint in diesem Jahr die Podcast-Welle über das Land geschwappt zu sein. Alles podcastet, und stört sich dabei weder daran, dass das Wort so podhässlich ist, noch daran, dass es inhaltlich völlig daneben ist. Podcast werden längst nicht nur über I-Pod gehört bzw. gesehen, und sie werden auch nicht wirklich gesendet, sondern es handelt sich schlicht um Ton- oder Bild-Dateien, die auf irgendwelchen Servern rumliegen und darauf warten, dass sie sich jemand runterholt. Zudem ist nicht mal klar, ob es sich beim Podcast um Ton und/oder Bild-Dateien handelt. Nee, liebe Freunde, sowas hat keine Zukunft; technisch vielleicht, aber wortistisch bestimmt nicht.

Beim „Abenteuer Leben“ beispielsweise, das sich vollmundig „Das Podcast-Edutainment-Portal“ nennt, wird trotz dieser äußerst anglifizierten Zeile der/die/das Podcast als „Hörsendung“ eingedeutscht. Das hat allerdings noch den Nachteil, dass wiederum eine Sendung suggeriert wird, was zwar im kommunikationstheoretischen Sinn stimmen mag (Eine Messitsch wird vom Sender an den Empfänger übermittelt), aber nicht in dem Sinn, den wir üblicherweise beim Wort Sendung im Sinn haben.

Deshalb plädiere ich für das schon seit zwei Jahrzehnten bekannte Wort Hörstück. Es wurde, wenn ich der Zeit glauben darf, im Jahr 1984 von dem Frankfurter Musiker Heiner Goebbels geprägt, der das Stück „Verkommenes Ufer“ von Heiner Müller vertonte, das aber nirgends aufgeführt, sondern nur als Soundtrack, als Hörstück eben, veröffentlicht wurde. Das „Stück“ im Hörstück kann ohne weiteres von der feuilletonistischen Bedeutung als theatralisches Dingsbums abgelöst werden, so wie ja auch ein Frühstück nicht im Theater aufgeführt wird. Ein Stück in diesem Sinne ist so ziemlich das gleiche wie eine Datei, so dass ein/eine Podcast als Hörstück wieder dort ankäme, wo er/sie/es hingehört: bei einer Datei zum Hören. Und so wie man ein Frühstück frühstücken kann, kann man ein Hörstück auch hörstücken.

Ob der/die/das Video-Podcast dann aber auch Sehstück genannt werden sollte?

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