Satzverstärker

Der Leser Kaishakunin hat in einer von mir bisher nicht berücksichtigten Quelle eine Wortschöpfung entdeckt, nämlich in einer vergangene Woche ausgestrahlten Folge von Spongebob Schwammkopf. Im folgenden Kaishakunins Beschreibung:

Spongebob brachte Müll weg und entdeckte ein Grafitto mit einem Wort, das er nicht kannte. Wenn er das Wort aussprach, wurde es von einem Zensurpfeifen überdeckt. Er frug nun seinen naiven Freund Patrick Seestern, was dies für ein Wort sei. Dieser erläuterte ihm, das sei ein sog. Satzverstärkungswort, das verwendet würde, um die Aussage eines Satzes zu verstärken. Also zogen beide los und verwandten das Wort in rauen Mengen, bis sie aufgeklärt wurden, dass es böse sei.

Ich denke es war wohl das berühmte Fuck gemeint und der recht bigotte Umgang damit in den US-Medien. Allerdings fand ich die Erläuterung von Patrick Seestern sehr passend, und Satzverstärkungswort gehört in den Duden. Es gibt dafür einen Anglizismus im Marketing, das sog. Buzzword. Das sind eigentlich sinnentleerte Phrasen, die Manager- oder Politikergeschwafel geistreich erscheinen lassen. Irgendein ein amerikanische Techie hat sich dazu mal ein Spiel ausgedacht – das sog. Buzzword-Bingo. Dort sind Buzzwords aufgelistet und man spielt nun normales Bingo. Wenn ein Buzzword fällt, streicht man es, hat man eine Reihe voll, hat man gewonnen. Weiterentwickelt wurde es zum Bullshit Bingo, wenn man ein Bingo hat, steht man auf und brüllt laut Bullshit. Damit kann man eine Vorstandspressekonferenz bestimmt auflockern 😉

Soweit Kaishakunin. Ich würde ihm mit einer kleinen Einschränkung folgen: Statt für Satzverstärkungswort plädiere ich für Satzverstärker. Zwar wird die Verstärkungsfunktion in der Regel von Wörtern übernommen – der derzeit beliebteste Satzverstärker in Vorstandsreden heißt wohl „nachhaltig“ – es können aber durchaus auch Gestik oder Mimik diese Rolle übernehmen, ein Victory-Zeichen beispielsweise oder, noch direkter, ein Leberhaken. Letzterer ist zwar in Vorstandssitzungen noch eher unüblich ist, aber das Bedürfnis nach Satzverstärkern besteht traditionell in allen Schichten und Kommunikationssituationen; um so erstaunlicher, dass dieses Wort bislang noch keine Aufnahme in den Sprachschatz gefunden hat.

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