Workshop

Das ist doch endlich mal wieder eine nette Monatsaufgabe der Aktion Lebendiges Deutsch: eine Neubewortung für Workshop. Dieses inflationös in die Sprache eingesickerte Wort, das alles beschreiben soll, wo mindestens zwei Menschen zusammen kommen, um etwas irgendwie kreatives zu erarbeiten. Und da der Begriff mittlerweile so oft verwendet wird, hat er längst verdient, eingedeutscht zu werden.

Eigentlich könnte die Lösung ganz einfach sein: Das englische Wort workshop heißt auf deutsch Werkstatt, also ersetzen wir überall, wo wir in deutschen Texten einen Workshop sehen, ihn schlicht durch eine Werkstatt. Oder würde etwa jemand den Theater-Workshop nicht mehr anbieten bzw. nachfragen, wenn es sich um eine Theater-Werkstatt handelt? Wenn der Spanier einen Workshop macht, nennt er ihn „taller“, und was wohl heißt „taller“ auf deutsch? Klar, Werkstatt.
Allerdings gibt es da zwei kleine Probleme. Das eine, allgemeine, betrifft die offenbar den Deutschen eigene Furcht, ein Ding, das auf englisch thing heißt, heißt, einfach Ding zu nennen. Für den Engländer ist der Container, den wir Container nennen, einer von vielen Behältern, aber wir trauen uns nicht, ihn Behälter zu nennen. Womit wir ihn zwar einerseits zu einem ganz besonderen Behälter machen (gut), aber das vor allem aus mangelndem Sprachvertrauen (schlecht).

Das zweite, besondere, betrifft das Wort Werkstatt als solches. Der Engländer kennt nämlich viel mehr Wörter für Werkstatt als wir. So heißt eine Autowerkstatt garage und eine Reparaturwerkstatt repair shop, auch studio oder schlicht shop sind, je nach Anlass, korrekte Übersetzungen für das eine deutsche Wort Werkstatt. Während also der Deutsche bei „Werkstatt“ vor allem an sein Auto denkt, denkt der Engländer bei workshop eher an eine handwerkliche Werkstatt. Die logische Schlussfolgerung: Wir haben zu wenig Wörter für Werkstätten. Das spricht gegen die Eindeutschung des Workshops als Werkstatt, und für eine echte Neubewortung.

Dafür wiederum bieten sich zwei Wege an: eine Neubildung mit Werk- oder eine Neubildung mit -statt. Zu Weg Eins drängen sich mir drei Möglichkeiten auf: Werkei, Werkerei und Werkung. Die Werkerei klingt eindeutig am schönsten, suggeriert allerdings eine feste Einrichtung (wie Bäckerei und Schneiderei), was ein normaler Workshop gerade nicht ist. Deshalb ist hier die Werkung mein Favorit.

Und zu Weg Zwei: Machstatt, Schaffstatt, Tustatt. Nö, wirklich nicht. Also schicke ich die Werkung ins Rennen.

Kommentare (5)

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  1. Also, warum ist ein Workshop nicht ’ne Arbeitsgruppe oder ’ne Schaffensrunde oder ’n Kreativtreffen?

  2. und warum nicht einfach Arbeitstreffen?

  3. Collaborare hat aber eigentlich die negative Konotation des Kollaborateurs. Von daher glaube ich kaum das es sich durchsetzt.

  4. Anglizismenfrei, wenn auch über den Umweg des Lateinischen, erscheint mir Kollaboratorium ein schöner Ersatzbegriff.
    Zugegben: das Wort Arbeit steckt doppelt drin (collaborare=zusammenarbeiten und laboratorium=Forschungsstätte), aber zu einem Workshop gehören ja auch – wie oben schon angesprochen – immer mindestens zwei „Arbeiter“ 😉

  5. Ich habe auch mal über den Workshop nachgedacht. Im Sinne eines Vortrags habe ich an Praxis-Lehrgang oder praktische Vorführung gedacht.

    Ding und thing ist ja beides dasselbe, abgeleitet vom Thing. Und das „Ding“ bezeichnete urspr. nur eine Rechtssache, die vor dem Thing vorgetragen wurde.

    Ich denke wir haben nicht zu wenig Werkstätten. Im engl. gibt es Unmengen von Kombinationen mit workshop, also dealer’s workshop, plumber’s workshop, locksmith’s workshop usw. usf. Laut engl. Wikipedia ist der workshop nichts weiteres als „A workshop is a room or building which provides both the area and tools (or machinery) that may be required for the manufacture or repair of manufactured goods.“ Im deutschen auch nix anderes.

    Work kommt vom germ. Werk, was an sich eine Festungsanlage ist (Werke werden die ja heute noch genannt). Shop soll wohl mit Schuppen verwand sein. Von daher scheint Workshop und Werkstatt ja eigentlich das selbe zu sein.

    Von daher glaube ich nicht das wir zu wenig Werkstätten haben, denn hier geht man halt zum Schreiner, Tischler, Klempner oder sonstigen Handwerker und nicht _nur_ in die Tischler-Werkstatt oder Klempner-Werkstatt. Zumal ja heutzutage die Werkstatt eh obsolet ist, da ja insbes. auf dem Bau die Werk-Statt eine Werk-Mobil geworden ist.

    Hmm, ist dann nicht der Werkstatt-Wagen ein Oxymoron?