Gammelbier

Gerade ein Oktoberfest-Fest in den Hügeln um Marbella gefeiert, mit Weißwürsten, Leberkäse, Brezeln, Radi, Händlmaier-Senf und Löwenbräu-Oktoberfestbier vom Fässchen, lecker.  Die Zecher-Runde geriet nur an einem Punkt in konfliktive Wallung: Werden beim Münchner Oktoberfest die abgeräumten Reste aus den Maßkrügen in die frisch gezapften Biere geschüttet oder weggekippt? Einigkeit herrschte, dass diese Form des Recyclings bestimmt verboten ist, Uneinigkeit herrschte, ob sich alle Wiesn-Wirte an das Verbot halten – und wie denn dieser Rest im Bierkrug heißt. Es ist, je nach Dialekt, schales oder dabes Bier, es wäre die Neige, wenn Maßkrüge eine Neige hätten, und es gibt bisher kein anerkanntes deutsches Wort dafür.

„Wie wär’s mit Gammelbier?“, schlug ich vor, und erntete einhellige Zustimmung. Nun kann es sein, dass die Zuhörerschaft in Marbella weder repräsentativ für den durchschnitssdeutschen Wortgeschmack noch für den ebensolchen Alkoholpegel war. Deshalb sei die Frage hier noch einmal gestellt. Gibt es einen allgemein gültigen Namen für das aus abgeräumten Resten zusammengeschüttete Bier? Und wenn nicht: Wie wär’s mit Gammelbier?

Kommentare (2)

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  1. Nicht schlecht, Herr Hechtbauer. Aber wer je in Skandinavien weilte, weiß, dass Gammel, gammel, gammal „Alt“ bedeutet. Altersheim heißt da wirklich Gammle-heijm. Bei Gammelfleisch wird einem die Gaman/Lust vermutlich vergehen. Nekrophile wollen wir nicht fragen. Ist Altbier nun Gammelbier ist? Die Einen sagen so, die Anderen sagen so. Fragen Sie mal Kölner zu dem Thema. Die niederrheinischen Biertrinker werden wohl nicht zustimmen.

  2. Noagerl, zammgschütt’te:

    Das was im Masskrug – und es heißt Mass, mit kurzem a wie in Knetmasse nicht mit langem wie in Traummaße – über bleibt (ja, über) nennt der Bayer „Noagerl“. Auch bei andern Getränken und in manchen Dialekträumen sogar bei Speiseresten heißt das so. Bestimmt ist hierfür die Neige im Sinne von „Getränkerest“ der Patron. Und natürlich haben auch Masskrüge sowas leider manchmal, zumindest wenn man Preißn damit hantieren lässt 😉

    Ob die Noagerl am Oktoberfest wirklich zammgschütt‘ werden, das steht in den Sternen, aber mir kam zu Ohren, dass so mancher Wiesnwirt aus einem Hektoliterfassl bis zu 120 Mass herausbringen lassen können soll.

    „Gammelbier“ sollte wegen des hochdeutschen Klangs und der doch noch einwandfreien Färbung der „zammgschüttn Noagerl“ aus meiner Sicht eher der Vergewaldmeisterung von Bier zur berüchtigten „Weißen mit Schuß“ vorbehalten sein.

    Der Gammel scheint übrigens letztlich sprachgeschichtlich auf das althochdeutsche „gaman“ – ‚Lust‘ zurückzugehen, womit sich der Kreis dann ja wohl schließt.

    Nix für Ungut,

    Andi Hechtbauer,
    Regensburg, Bayern