Sprachstelzerei

Weil’s so schön ist, gleich den ganzen Absatz, in dem surfguard in seinem Blog das wortistische Äquivalent zum Pfauen erfunden hat (und in dem es rein zufällig mal wieder um die Spiegel-Story „Rettet dem Deutsch“ und deren Autor Mathias Schreiber geht).
„Dass es Mathias Schreiber nicht um Verständlichkeit geht, wird kurz darauf endgültig offenbar. Da vergleicht er, um den Niedergang der Sprache zu illustrieren, 347-Wort-Sätze von Thomas Mann mit heutigen Zeitungstexten, die mit 5 bis 13 Worten pro Satz auskämen. Wir wollen hier mal vernachlässigen, dass das antiquierte Wortgewichse von Mann ohnehin nicht jedermanns Sache ist, und ich zum Beispiel den „Zauberberg“ nach 200 Seiten angeekelt zur Seite gelegt habe, als ich die selbstverliebte Sprachstelzerei nicht mehr ertragen konnte – obwohl ich der Lage bin, selbst einen Satz zu formulieren, der wie dieser hier mehr als 13 Worte hat. Nein, vor allem vergleicht Schreiber literarische Texte, deren Sinn Sprachspielerei und Geschichtenerzählung sind, mit Sätzen, die Information vermitteln sollen. Und denen ein Punkt mehr darum gut tut. Wenigstens meistens.“

Danke, surfguard. Das einzige Problem, das ich bei der Sprachstelzerei sehe, ist das Fehlen einer ordentlichen Verbform. Zur Stelze gibt es bislang nur das „auf Stelzen laufen“. Das an sich nahe liegende Verb „stelzieren“ existiert noch nicht. Aber „sprachstelzieren“ ist ebenso verständlich wie akzeptabel, und könnte mittelfristig auch der Grundform stelzieren den Weg in den Duden bahnen.

Kommentare (5)

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  1. Pingback: Wortreich | Die linguistische Monarchie » Blog Archive | Anglizismen-Alarm (II): Rettet dem Deutsch vor die Angelsachsen

  2. Mann, oh Mann. Dieses schwindsüchtige Gehuste im Zauberberg kann einem wohl auf die Nerven gehen; aber da muss man durch, auch wenn man am Schluss feststellt, dass es sich vielleicht doch nicht gelohnt hat, obwohl man ständig gehofft hat, dass noch was kommt. Ist der Satz lang genug? Wem das Lesen zu anstregend ist, der kann sich ja den Film des Vor-Lindenstraßen-Geißendörfer ansehen. Fazit: kein Lob für Zauberberg-Nicht-zu-Ende-Leser.

  3. Aye, stelzen ist das das Verb und sprachstelzen damit wohl korrekt.

  4. Es stelzt der Storch – und nicht nur der. Der Reiher tut es noch viel mehr. Sie stehen auf zwei Ständern und wenn sie langsam schlendern, dann nennen wir das – stelzen.

  5. Erstens mal danke für das Lob.

    Zweitens hat der Duden in vorauseilendem Gehorsam das Verb „stelzen“ (nicht „stelzieren“) sehr wohl schon aufgenommen! (Wie der Sprachwissenschaftler sagt: Ein Blick in den Duden erleichtert die Wortfindung.)

    Und selbst wenn ich drittens zur Kritik eines Artikels, der den bevorstehenden Untergang der deutschen Sprache beweint, mal ein neues Wort erfunden hätte, dann müsste das in der Tat im Sinne des Autors sein 😉