Nanobank

Noch weiß die Presse nicht, wie sich der diesjährige Friedensnobelpreisträger richtig schreibt: Mohammed oder Mohammad oder Muhammad, Junus oder Yunus, aber seine Gründung, die Grameen Bank aus Bangladesch, hat jeder richtig geschrieben. (Grameen selbst schreibt den Chef übrigens Muhammad Yunus) Nur: Wie erklärt man dem geneigten Publikum, das nicht, wie der Wortist, ein Bündel Hauptseminarscheine in Entwicklungsökonomie gesammelt hat, um was für ein Finanzinstitut es da geht? Es ist eine Bank, die Kleinstkredite an Kleinstunternehmen der armen Bangladeschis vergibt – also einen Kredit, um eine Ziege, eine Nähmaschine oder einen Getreidemörser zu kaufen, um damit Milch, Kleider oder Mehl zu produzieren. Und wie nennt man die?

In der guten alten Zeit hieß Grameen häufig Graswurzelbank. Das war politisch korrekt, wirkte aber nicht wie eine Bezeichnung für eine ernsthafte Bank, sondern für ein Entwicklungshilfeprojekt (worauf die Kritiker dieser Bank sie auch immer wieder reduzieren wollten). In der Fachwelt hat sich für derartige Kredite das Wort Mikrokredit durchgesetzt, das Geschäft mit ihnen heißt Mikrofinanz. Allerdings klingt Mikrobank zu sehr nach Mikrobe, um akzeptabel zu sein, und außerdem werden die Bezeichnungen Mikrokredite und Mikrofinanz auch für die Kreditvergabe an Kleinstunternehmen in den reichen Industriestaaten verwendet. Und wenn das Existenzgründerdarlehen für einen deutschen Arbeitslosen ein Mikrokredit ist, dann kann es sich beim tausendfach kleineren Kredit für eine arme Bäuerin in Bangladesch wohl nur um einen Nanokredit handeln. Und Nanobank ist als Begriff nicht nur für die Größenordnung der einzelnen Kredite der Grameen Bank angemessen, das Wort hat auch einen Hauch von Dynamik und Modernität, wie alles, was derzeit nanonisiert wird.

Sogar als Berufsbezeichnung klingt das geradezu flott: Was machen Sie denn so beruflich? Ich bin Nano-Banker. Oder würde Sie lieber sagen: Ich bin Mikrofinanzdienstleister?

Kommentare (11)

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  1. Zu der Benennung von Ländernamen hat Fr. Wischhöfer vom Auswärtigen Amt dankenswerterweise Stellung genommen:
    „Zu Ihrer Frage nach den von Ländernamen abgeleiteten Adjektiven: Es handelt sich keineswegs um eine plötzliche Änderung. Schon in der ersten Ausgabe des Länderverzeichnisses vom 1. März 1966 gibt es zum Eintrag „Irak“ die Anmerkung „als Staat ohne Artikel, z.B. ‚die Hauptstadt Iraks‘ oder ‚…von Irak'“. Entsprechende Anmerkungen findet man auch zu Iran, Libanon, Jemen, Kongo, Niger und Sudan. Auch hat man sich damals schon bemüht, nicht einfach die Personenbezeichnungen und Adjektive aus dem Englischen zu übernehmen, sondern sie anhand deutscher Wortbildungsmuster auszuwählen oder wenn nötig neu zu prägen. Das Wort „Togoer“ steht auch schon im Länderverzeichnis von 1966, genau wie die meisten anderen Bezeichnungen aus der Liste, die heutzutage im Internet veröffentlicht wird.“

  2. Nano-Bank, ja das Wort gefällt mir. Was passiert eigentlich, wenn eine mittelständische Nano-Bank zum Konzern wird? Heißt die dann Mega-Nano-Bank, also Milli-Bank? Wer es nicht mit den Aküs hat, der gucke mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Vors%C3%A4tze_f%C3%BCr_Ma%C3%9Feinheiten

    @Kaishakunin: Schon interessant, wie das vom eigentlichen Thema abgekommen ist. Aber wenn wir uns schon zwischen den Polen bewegen, dann sage ich Krakau, aber Katowice. Benachbart: Prag und Tschechien, aber Bratislava und Slowakei – einfach, weil’s besser klingt.

    Nicht nur, dass es soviele Namen über Deutschland gibt – auch viele deutsche Städte, haben im Polnischen eigene Namen. Ach ja die Ländernamen: In China sind wir das „Tugend-Land“ und Teutononen und Schwaben sind wir auch alle, irgendwo.

    Grüße aus dem Allgäu, W.Wilhelm

  3. Hmm, es gibt ja ab und an die Behauptung Slawe sei von Sklave abgeleitet, da die christliche Kirche in ihrer Unterdrücker-Tradition Slawen als Nicht-Christen gerne versklavten.
    Wobei diese These mehr als Umstritten ist.

    Das gotische slavan ist mir völlig unbekannt. Alles was ich zu Slawen weiß und was plausibel klingt ist die Herleitung von Sprechen oder Wort, slowo ist ja das Wort, slowar das Wörterbuch. Das würde auch auf Niemzy als Stumme passen. Evtl. ist ja das Slowo von den Goten übernommen worden? Die sind ja tlw. bis ans schwarze Meer gewandert.

  4. Viele Ethnien schmeicheln sich mit dem Namen, den sie sich selber geben – die Nachbarn werden dagegen gern herablassend benannt. Man bedenke nur, wie viele Völker sich mit ihrer Eigenbezeichnung schlichtweg „Menschen“ nennen. Dies ist der Fall bei den „Inuit“ (= Eskimo), den „Khoi Khoin“ (= Hottentotten; eigentlich sogar: „Menschen der Menschen“), den „Roma“ (= Zigeunern), den „Na-Uni“ (= Komantschen; eigentlich: „erste Menschen“), den „Ainu“ (in Japan), den „Kanaken“ (auf Hawaii), den „Nenzen“ (im Ural), den „Zulu“ den „Bantu“ den „Kikuyu“ (in Kenia), den „Malaien“ (eigentlich: „Orang Melayu“ = „umherschweifende Menschen“), den „Yamana“ und „Shelk’enan“ (= Jaghan und Ona auf Feuerland; eigentlich: „vernunftbegabte Wesen“), den „Orawelat“ (= Tschuktschen), den „Numang-Kake“ (= Mandan-Indianern), den „Odulpa“ (= Jukagieren in Nordost-Sibirien), den „Andamanen“ (= Oenge in Nordasien) und anderen. Die Bezeichnungen für die Nachbarvölker sind dann gewöhnlich weniger prestigiös; oft nehmen sie auf die fremdartige Sprache oder die (ebenfalls unverständlichen) Essensgewohnheiten der anderen Bezug: „Hottentotten“ = „Stotterer“ war die Bezeichnung der Kolonialherren für die Ureinwohner Südwestafrikas; „Eskimo“ = „Rohfleischfresser“ die der nordkanadischen –Indianerstämme für die benachbarten „Inuit“. So eben auch der slawische Ausdruck, der der Bezeichnung für einen „Deutschen“ zugrunde liegt („nemec“, „niemka“, „njemka“ im Tschechischen, Polnischen, Russischen): Er bedeutet tatsächlich soviel wie „stumm sein“ – und umgekehrt rührt das deutsche Wort „Slawe“ vom gotischen „slavan“ = „schweigen“ her. Die Slawen selbst nennen dagegen sich „slovene“ = „die Sprechenden“!
    Ähnlich auch pejorative Bezeichnungen wie „Makkaronifresser“, „krauts“, „froggies“ oder – wieder von sprachlicher Befremdung herrührend – Ausdrücke wie „Barbaren“, „Gringos“ oder „Kauderwelsch“ (= das in Chur – früher Kauer – gesprochene, unverständliche Welsch: Rätoromanisch!). Die brasilianischen Bakairi-Indianer kennen die Ausdrücke „kura“ und „kurapa“; „kura“ bedeutet „wir“ und zugleich „gut“, „kurapa“ dagegen „fremd“ und „schlecht“… „’S gibt Badische und Unsym-badische“, heißt es entsprechend in Baden.

  5. Das im slawischen verbreitete „niemzy“ (polnisch: Niemcy / russisch: Немцы) in all seinen Varianten heißt nach gängiger Lehrmeinung nichts anderes als „stumm“ oder „Leute mit denen man nicht reden kann“.

    Es gibt noch die Meinung der Begriff stamme vom Stamm der Nemeter, die lebten aber am Rhein und Kontakt mit den Slawen hatten eher Sachsen und Thüringer.

    Laut etymologischen Wörterbuch entstanden an den damaligen deutsch/polnischen bzw. deutsch/tschechischen Grenzgebieten, als Germanenstämme und Slawenstämme im selben Gebiet (Ostelbien) wohnten und die Slawen die Germanen nicht verstanden haben.
    Von dort dann in die anderen slawischen Sprachen übernommen, abgewandelt sogar ins Ungarische, obwohl meines Wissens nach die Finno-Ugrischen Sprachen „Saksa“ von Sachsen verwenden. Womit aber nicht das heutige Kur-Sachsen gemeint ist.

    Interessant ist im Rusischen aber das wie „Njemzy“ in „Germania“ wohnen.

    Eine Übersicht gibt es hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_in_anderen_Sprachen

  6. @Kaishakunin: Wo werden die Deutschen denn „Stumme“ genannt?

  7. Also die offiziellen Bezeichnungen für Länder, deren Einwohner und Adjektive sind in der o.g. Liste vom AA angegeben. Wonach die sich richten ist mir schleierhaft. Zum Teil natürlich historisch gewachsen, zum Teil neue Kreationen. Und dann natürlich alles schön Politisch Korrekt.

    Was mich immer stört ist dieses Beharren auf „Tschechien“. Tschechei sei böse[tm], weil von den Nazis benutzt. Die haben aber auch Frankreich und England den Krieg erkläft, und die nennen wir nicht Frankien und Englien. Zumal es damals sowieso nicht gegen die Tschechei sondern gegen die Tschechoslowakische Republik (ČSR) ging. Von daher ist meiner Meinung nach das PK-gequatsche eh Blödsinn.

    Wolf Schneider schrieb in „Deutsch fürs Leben.“ das es einem Land oder Volk eh egal sein kann wie es in einem anderen Land genannt wird. Und das passt ja nun wirklich nirgends besser als auf uns Deutsche/Allemannen/Germanen/Sachsen/Stumme usw. usf. Ich glaube kein Land der Welt hat soviel unterschiedliche Bezeichnungen im Ausland wie wir.

    Der Artikelschwund breitet sich karzinom in der Medienlandschaft aus. Wahrscheinlich wiel viele „Medien“ nur noch Agenturmeldungen wiedergeben oder von anderen abschreiben.

  8. Pingback: Sprechtakel

  9. Genau zu diesem von Kaishakunin aufgeworfenen Thema schwirrte mir schon länger die Frage im Hinterkopf herum, wonach sich eigentlich die „korrekten“ deutschen Bezeichnungen der einzelnen Staaten bzw. der zugehörigen Adjektive richten und ob auch diese Bezeichnungen bestimmten Modeerscheinungen unterliegen.
    Das kam mir letztens in den Sinn, als ich das erste Mal – und seitdem immer wieder – die Begriff „togoisch“/“Togoer“ und „taiwanisch“ las und hörte, wo es vorher, so lang ich denken konnte, „togolesisch“/“Togolese“ bzw. „taiwanesisch“ hieß.
    Sind diese drei ersetzten Wörter „togolesisch“, „Togolese“ und „taiwanesisch“ im Laufe der Zeit von irgendwem als politisch unkorrekt eingestuft worden oder wie kommt es zu einem solchen Wechsel über Nacht?
    Werden wir uns selbst dann irgendwann „Deutschländer“ statt „Deutsche“ nennen müssen, wenn es dem Duden oder dem AA angebracht erscheint? [Der Begriff „Deutschländer“ kursiert m.W. heute sogar schon unter Türken für die Deutschtürken].
    Des weiteren: Warum liest man in letzter Zeit immer öfter (anstelle der verbreiteten maskulinen Form „aus dem Irak“) die Form ohne Artikel „aus Irak“, wie auch die Liste des Auswärtigen Amtes empfiehlt?
    Bei den USA scheint mir die Entwicklung genau andersherum verlaufen zu sein: In älteren Quellen etwa aus den 50er/60er Jahren trifft man überwiegend die Form ohne Artikel an („aus USA“), in heutigen Texten dagegen fast immer mit femininem Artikel „aus den USA“. Im letzten Fall ist der fem. Plural-Artikel für die USA, stellvertretend für „die Vereinigten Staaten“, nachvollziehbar und logisch, beim Irak dagegen ist es mir schleierhaft, wie ein Land einfach sein Geschlecht verlieren kann (vielleicht eine Folge des letzten Irak-Kriegs?)…

  10. Huch, da ist mir doch glatt ein Denglizismus unterlaufen. Bangladeshi ist englisch, Bangladescher ist deutsch, und Bangladeschi weder noch, sondern Denglisch. Wobei Google in deutschsprachigen Seiten alle drei Bezeichnungen in etwa gleich oft findet. Danke für den Hinweis.

  11. Bangladeschis?

    Tut es eigentlich Not auf die korrekte deutsche Bezeichnung zu verzichten?

    http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Infoservice/Terminologie/Staatennamen.pdf