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vonDetlef Guertler 15.10.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Leser Marc Gerke ist auf einen unglaublichen Fall von Duden-Hochmut gestoßen. Wenn ich seine Angaben nicht soeben selber nachgeprüft hätte, würde ich es nicht glauben, dass der Duden tatsächlich nur die eine, mir völlig fremde Schreibweise von Schmand zulässt. Aber lesen Sie selbst, was Gerke mir schrieb:

„Das Wort „Schmant“ (= Sauerrahm, Sahne) wird laut Duden im Deutschen in 99% aller Fälle unkorrekt „Schmand“ geschrieben. [google-Verhältnis Schmant zu Schmand: 19.100 zu 519.000 Einträgen] = 96,5% zugunsten der
unkorrekten Schreibweise. Was für ein Grund kann also die Duden-Gralshüter dazu bewegen, auf der extrem unpopulären und nicht verbreiteten t-Schreibweise zu beharren? Die Ethymologie oder Sprachgeschichte? Diese Aspekte würden eher
dagegensprechen, da das Wort lt. Duden von mniederd. „smand“ abgeleitet ist.
Die Aussprache? Kann auch nicht sein, da das End-d im Deutschen sowieso immer wie /t/ ausgesprochen wird (Auslaut-Verhärtung) und diese Schreibweise also mit den deutschen Grammatikregeln voll und ganz konform gehen.
Außerdem gibt es keine geläufigen Plural- oder abgeleitete Adjektiv-Formen (schmantig o.ä.) oder sonstige Ableitungen, die zwingend die t-Schreibweise nahelegen würden. Der einzige plausible Grund scheint mir der zu sein, dass man so eine
(vermeintliche) sprachliche Überlegenheit gegenüber dem restlichen Volk demonstrieren kann und damit indirekt den Verkauf des Dudens fördert.
Da ist der demokratische Aspekt bei Wikipedia, (welcher in bestimmten Bereichen freilich nachteilig ist) doch deutlich weiter gediehen: Bei Wikipedia bildet Schmand den Haupteintrag und Schmant ist lediglich die Nebenvariante.“

Zitat Ende und klare Schlussfolgerung: Der Schmant muss entdudet werden. Immerhin gäbe es einen ästhetisch einleuchtenden Grund, wider alle Praxis am Schmant festzuhalten: Laut Wikipedia ist das Wort mit dem tschechischen Smetana (= saure Sahne) verwandt, und um diese Assoziation festzuhalten, bei der die Moldau so traulich dahinplätschert, passt das -t natürlich am besten.

Aber dann wäre es wesentlich konsequenter, den Schmand gleich ganz in Smetana umzutaufen. Wer wagt es?

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