Großkollege

Und der nächste Vorschlag von Leser Christian Dombrowski, bei dem ich demnächst vor der Entscheidung stehen dürfte, ob ich ihn eher als Leser oder als Kollegen titulieren soll…
„Das Wort „Kollege“ macht alle gleich. Das ist schön und ehrenwert, aber spätestens dort problematisch, wo sich Hierarchien einfach nicht mehr ausknipsen lassen. Wenn der Chef zum Praktikanten „Herr Kollege“ sagt, klingt das herablassend. Und wenn der Praktikant zum Chef „Kollege“ sagt, klingt es anmaßend – sogar dann noch, wenn er ihn im Gespräch mit Dritten so bezeichnet. Klar, Luther und Goethe sind irgendwie Kollegen von uns. Wir machen uns schließlich alle um die deutsche Sprache Gedanken – oder nicht? Würden wir Goethe aber gesprächsweise einen „Kollegen“ nennen, wären wir in der Lage des anmaßenden Praktikanten. Ich schlage für solche Fälle das Wort „Großkollege“ vor. Nicht für die direkte Anrede, aber für das Gespräch mit Dritten. Das Wort zwinkert ein bisschen und tritt deshalb keinem zu nah. Wer sagt: „Grass ist mein Großkollege“, der duckt sich und streckt sich im selben Wort. Selbst Grass könnte keinen Anstoß daran nehmen; denn das Wort schmeichelt nach beiden Richtungen, nach oben wie nach unten.“

Kommentare (-2)

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  1. Kollege
    Oberkollege
    Hauptkollege
    Stabskollege
    Oberstabskollege

    Passt doch, und an die Hierarchie ist man ja gewöhnt 🙂

  2. Ein hübscher Neologismus. Da heute auch Bekannte, Büromitbenutzer oder Mitbewohner umstandslos als «Kollegen» bezeichnet werden, wäre eine dritte Stufe vielleicht auch noch sinnvoll. Wie wärs mit «Kollegenanwärter»? Oder «Gerngrosskollege»? 😉

  3. @Detlef Gürtler
    „Leser“ reicht völlig aus, lieber Großkollege!