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vonDetlef Guertler 17.10.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Doch, sowas gibt’s. Zwar bisher noch nicht als Wort (außer ganz vereinzelt, und dann nicht wirklich ernst gemeint), aber doch als Zustand. Eines der klassischen Mittel von Private-Equity-Fonds ist es ja, dem übernommenen Unternehmen die gesamten Kosten der Übernahme aufzubürden, womit es hinterher hoch verschuldet ist. Aber was war es vorher? Ganz offensichtlich unterschuldet. Ähnlich etwa bei Mobilcom, wo sich der Großaktionär Texas Pacific gerne eine Ausschüttung genehmigen lassen möchte, für die das Mobilcom sich massiv verschulden müsste. Aus Sicht des Großaktionärs leidet Mobilcom also an akuter Unterschuldung.
Auch im volkswirtschaftlichen Bereich gibt es dieses Phänomen. In Deutschland, Japan und China vor allem. Während die Leute in diesen Ameisen-Staaten nicht davon abzubringen sind, dass es besser ist, Vermögen als Schulden zu haben, wird das in Grillen-Staaten wie USA oder Spanien genau umgekehrt praktiziert. So dass die Amerikaner längst nicht mehr von ihrer Substanz zehren, sondern von unserer. Und wir können uns natürlich leicht ausrechnen, dass der Ami seine Schulden jemals zurückzahlen wird, aber anstatt deshalb jetzt auch Schulden auf Teufel komm raus zu machen, bleiben wir weiter unterschuldet und knapsen uns den Konsum ab, damit die anderen weiter prassen können.

Die Unterschuldung der neuen Bundesländer war dahingegen nur ein sehr vorübergehender Zustand.

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kommentare

  • […] das Wort ist nicht ganz neu – aber bislang wurde es nur von mir selbst verwendet, erstmals im Oktober 2006 in diesem Blog, zuletzt vergangenen Freitag in einer Kolumne für den MDR. Er […]

  • Mit diesem herrlich absurden Beitrag schaffen Sie es in meinen Feedreader für die Zukunft. Schön gemacht! 🙂

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