BILD schützt deutsche Wörter
von Detlef GuertlerDoch, es freut den Wortistiker, dass die Bild-Zeitung jetzt auch für die deutsche Sprache kämpft. Sie macht das zwar handwerklich nicht immer ganz korrekt (siehe zum Beispiel hier, hier und hier), aber im Weinberg des deutschen Wortschatzes ist jeder einfache Arbeiter herzlich willkommen, und das Himmelreich wurde ja insbesondere den geistig Armen versprochen.
Deshalb hier die vollständige Liste der 22 guten alten deutschen Wörter, die Bild gerne wiederbeleben möchte
anheischig machen
bass erstaunt sein
bräsig
dünken
flachsen
Flausen
Flegeljahre
Geck
Hain
hanebüchen
Heißsporn
hold
Humbug
Kokolores
Kurschatten
Laffe
Maulaffen feilhalten
Müßiggang
Schindluder treiben
Simpel
Wampe
zechen
Auffällig ist hier allerdings die klaffende Lücke zwischen den Wörtern 18 und 19. Kein Wort mit den Anfangsbuchstaben N, O, P, Q oder R hat Gnade vor den Augen der Bild-Redaktion gefunden? Vermutlich war es anders: Bild-Schreiber Paul C. Martin hat Bodo Mrozeks “Lexikon der bedrohten Wörter” sowohl von vorne als auch von hinten angeblättert – der Mittelteil blieb deshalb leider ungelesen.
Dem kann man ja abhelfen. Aus meiner eigenen Roten Liste der Deutschen Sprache könnte ich beispielsweise Narretei, Obdach, Pfeffersack und Rauschebart als bild-kompatibel empfehlen. Weitere sachdienliche Hinweise nimmt jeder Bild-Leserreporter gerne entgegen.
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-Schindluder treiben
Hmm, Schind kommt wohl vom toten Vieh (vgl. Schinderhannes) und Luder ist ein Stück Fleisch das Jäger auslegen, von daher kaum mehr aktuell.
-Maulaffen feil halten
Maulaffen gibt es nun wahrlich auch nicht mehr. Zurecht tot.
-Hain
Sind die nicht schon alle eingegangen?
-Müßiggang
Ist das nicht verfemt? Hat man nicht in der derzeitigen Gesell-Schafft ständig was zu tun, und sei es Extreme-Power-Napping und Group-Relaxing?
Naja, irgendwie ist die Liste nicht wirklich schützenswert, “mich dünkt”
und “holdes Weib” verwende ich manchmal, aber der Rest ist wirklich tot.
Viele dieser Worte sind doch beileibe noch nicht verschwunden und durchaus gebräuchlich. Wohl nicht notwendig in der Alltagssprache, aber zum Beispiel flachsen, Humbug, Kokolores, Wampe, zechen sind weit davon entfernt “aus der Mode” zu kommen.
Seiten mit dem Wort “hier” zu verlinken ist sowohl sprachlich als auch sonst nicht gerade klug. Denn das Verlinkte ist ja erstens nicht “hier” sondern “dort”. Und zweitens möchte ich doch gern direkt sehen, was mich erwartet, wenn ich der Verlinkung folgen soll. (Technische Hilfsmittel wie die Statuszeile des Browsers zeigen eine Adresse, sagen aber nichts über den Inhalt aus, weswegen sie als Erläuterung des “hier” nicht geeignet sind). Auf real existierenden Wegweisern steht nicht umsonst der Zielort und nicht “da entlang”. Für die Suchmaschinen ist es auch besser, wenn nicht immer alles mit “hier” beschrieben wird, sondern mit Wörtern, nach denen Menschen suchen (könnten).
Na klar! Wenn hier tatsächlich hier hieße, wäre es ja eben kein Link, der schließlich grundsätzlich auf etwas Fernes verweist. Ich nehme mir hiermit (und nicht: dortmit) vor, in Zukunft nicht mehr zu verhieren, sondern zu verdorten.
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