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vonDetlef Guertler 25.10.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Das lässt sich bestimmt einfach eindeutschen, dachte ich, als ich in der Vorstellung des neuen VW Touareg beim „Roll-Over-Sensor“ angelangt war. Sofort war ich beim Überrollbügel, den all die Tourenwagen haben mussten, die ich als kleiner Junge immer bei den Renntagen auf dem Hockenheimring sehen konnte – und der auch dem ersten Golf Cabrio zum Beinamen Erdbeerkörbchen verholfen hatte. Tatsächlich ist der Roll-Over-Sensor auch so eine Art Überrollbügel auf modern, wie der Touareg-Pressetext zeigt:

„Im Bereich der passiven Sicherheit kommt ein neuer Roll-Over-Sensor zum Erfassen des Fahrzeugdrehwinkels und der Drehwinkelgeschwindigkeiten zum Einsatz. Er erfasst, ob das Fahrzeug in eine Überschlagsituation gerät. Die Daten des Sensors fließen zusammen mit den ermittelten Parametern der in jedem Volkswagen vorhandenen Beschleunigungssensoren in das Airbagsteuergerät ein. Wird dort über den Abgleich der Daten die Gefahr eines Überschlags errechnet, werden automatisch die Seiten- und Kopfthoraxairbags aktiviert, um das Verletzungsrisiko zu mindern.“

Was aber eigentlich heißt, dass Roll-Over-Sensor nicht korrekt ist: Es geht um eine ganze Reihe von Meßgeräten, die erst im Bordcomputer so zusammengefügt werden, dass sie ein Alarmsignal auslösen. Also scheiden die direkten Übersetzungen Überrollsensor oder -fühler aus. Überrollschutz geht gleich doppelt nicht, weil das System nicht den Unfall verhindert, sondern nur seine Wirkung reduziert, und weil es so verstanden werden könnte, dass die Technik dafür sorgt, dass der Touareg keine Menschen mehr überrollt (was aber immer noch nicht erfunden ist).

Was sonst? Das zentrale Element ist doch, dass der Auto-Computer erkennt, dass der Wagen sich gerade überschlägt, und dann alles tut, um den Fahrer zu schützen. Deswegen ist wiederum Überrollrechner zu harmlos (weil der Schutz nicht erläutert wird). Deshalb: Überrollwächter. Der Wächter nämlich passt auf, und ergreift Schutzmaßnahmen. Da fühlt man sich doch gleich viel geborgener als bei einem Roll-Over-Sensor.

Die bisherigen Folgen:

Technik im Touareg I: Vorbremse
Technik im Touareg II: Radamat
Technik im Touareg III: Seitenauge

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kommentare

  • „Kopfthoraxairbags“ Das Wort geht ja mal gar nicht. Da hätten ruhig zwei Bindestriche zwischen gekonnt, Kopf-Thorax-Airbags lässt sich wesentlich besser lesen.

    Ich würde trotzdem für Überrollsensor votieren. Ein Wächter ist meist ein Gerät das etwas überwacht – genau wie ein Sensor. Der Sensor bleibt dann meist passiv oder schaltet irgendwas (z.B. das Alarmhorn oder so), während ein Wächter eigentlich immer aktiv eingreift. Und das macht der putzige Sensor ja nicht, er löst nur den Airbag aus, verhindert aber eben nicht den Überschlag mit allerlei technischen Mitteln.

    Ansonsten wäre evtl. Überschlag besser als Überroll, denn wie ja schon korrekt angemerkt kann ein Auto auf allen 4 Rädern einen anderen Verkekrsteilnehmer überrollen. Es kann sich aber auch überschlagen, und nicht nur überrollen.

    Von daher eher Sensor statt Wächter. Es sei denn wir haben eine DIN dafür, mal beim VDE, VDI und IEEE anfragen 😉

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