http://blogs.taz.de/wortistik/files/2018/01/Bildschirmfoto-2018-01-17-um-19.11.19.png

vonDetlef Guertler 27.10.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

Mehr über diesen Blog

Ärgern ist ein reichlich barsches Wort. Wenn ich mich ärgere, kommt man mir besser nicht zu nahe, und wenn jemand mich ärgern will, sollte er das besser sein lassen. Wenn das mit dem Ärger nicht so schlimm, und das mit dem Ärgern nicht so bös gemeint ist, sprach man früher gern von foppen, necken oder aufziehen. Aber all das klingt heute, mit Verlaub, altbacken. Verwendet wird statt dessen eher „War doch nur Spaß, ey“ oder „Ich wollte dich doch nur ein bisschen ärgern.“ Beides überzeugt nicht: Spaß war es eben in den meisten Fällen nicht, sondern ein bewusstes „ein bisschen ärgern“, wofür wir uns aber eigentlich ein eigenes Wort leisten sollten. Ärgeln zum Beispiel: Das weiche „-ln“ schwächt das immer noch harte „ärge-“ augenzwinkernd ab. „Ich wollte dich doch nur ärgeln“ ist halb Schuldeingeständnis, und halb Friedensangebot. Eigentlich müsste danach auf der anderen Seite der Ärger verraucht sein – bzw. zu einem Ärgel zusammengeschmolzen.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/wortistik/2006/10/27/aergeln/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Ärgeln und Ärgel sind sehr hübsch! Heißt es eigentlich „der“ oder „das“ Ärgel? Ich finde, „das“ Ärgel – aber das ist eine Geschmacksfrage. Ihre Überlegungen zu „ärgeln“ erinnern mich an unsere Diskussion zu „sucheln“ am 29. August.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.