Archive for Oktober, 2006

27.10.2006 von Detlef Guertler
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ärgeln

von Detlef Guertler

Ärgern ist ein reichlich barsches Wort. Wenn ich mich ärgere, kommt man mir besser nicht zu nahe, und wenn jemand mich ärgern will, sollte er das besser sein lassen. Wenn das mit dem Ärger nicht so schlimm, und das mit dem Ärgern nicht so bös gemeint ist, sprach man früher gern von foppen, necken oder aufziehen. Aber all das klingt heute, mit Verlaub, altbacken. Verwendet wird statt dessen eher „War doch nur Spaß, ey“ oder „Ich wollte dich doch nur ein bisschen ärgern.“ Beides überzeugt nicht: Spaß war es eben in den meisten Fällen nicht, sondern ein bewusstes „ein bisschen ärgern“, wofür wir uns aber eigentlich ein eigenes Wort leisten sollten. Ärgeln zum Beispiel: Das weiche „-ln“ schwächt das immer noch harte „ärge-“ augenzwinkernd ab. „Ich wollte dich doch nur ärgeln“ ist halb Schuldeingeständnis, und halb Friedensangebot. Eigentlich müsste danach auf der anderen Seite der Ärger verraucht sein – bzw.… weiter lesen

26.10.2006 von Detlef Guertler
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Gesäßpolitiker

von Detlef Guertler

von Christian Dombrowski

Gesäßpolitiker repräsentieren jenen Politikertyp, der Probleme eher aussitzt als löst. „Die Hunde bellen, die Krawane zieht weiter.“ „Was schert es die Eiche, wenn sich ein Schwein an ihr reibt?“

Man kennt den Schlag.

25.10.2006 von Detlef Guertler
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Oberdog

von Detlef Guertler

ist eine schöne, vom Zeitschriftenblog geprägte Bezeichnung für Thomas Niederste-Werbeck, den Chefredakteur der neuen Hundezeitschrift Dogs aus dem Hause Gruner+Jahr, dem führenden deutschen Verlagshaus, das kein Deutsch mehr kann. Nach “Expand Your Brand” und “Life Enriching Media” müssen jetzt also auch die Hunde damit leben, dass sie auf englisch angesprochen werden. Fehlt bloß noch, den Verlagsnamen in Gruner+Year umzubenennen. Die Verenglischung des Hundes ist übrigens besonders idiotisch, da die einzige Fachsprache, in der das Deutsche weltweit dominant ist, die der Hundedressur ist. Platz!, Sitz!, Fass! klingt eben in keiner Sprache auch nur annähernd so gut.

25.10.2006 von Detlef Guertler
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Lebensbegleitbuch

von Detlef Guertler

von Christian Dombrowski
Auf manche Bücher komme ich immer wieder zurück. Meine Lebensbegleitbücher – die sind unerschöpflich, lassen mich nicht los, bilden den Kernbestand meiner inneren und äußeren Bibliothek.

Überhaupt, finde ich, sollte man wesentliche Bücher alle acht oder zehn Jahre wiederlesen. Denn wer darf behaupten: „Im ‚Faust’ hab ich schon mit 14 geschmökert – also der ist durch.“?

„Du steigst nicht zweimal in dasselbe Buch.“

Sagt Heraklit.

Oder so ähnlich.

Gleich mal nachschlagen!

25.10.2006 von Detlef Guertler
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Technik im Touareg IV: Überrollwächter

von Detlef Guertler

Das lässt sich bestimmt einfach eindeutschen, dachte ich, als ich in der Vorstellung des neuen VW Touareg beim “Roll-Over-Sensor” angelangt war. Sofort war ich beim Überrollbügel, den all die Tourenwagen haben mussten, die ich als kleiner Junge immer bei den Renntagen auf dem Hockenheimring sehen konnte – und der auch dem ersten Golf Cabrio zum Beinamen Erdbeerkörbchen verholfen hatte. Tatsächlich ist der Roll-Over-Sensor auch so eine Art Überrollbügel auf modern, wie der Touareg-Pressetext zeigt:

“Im Bereich der passiven Sicherheit kommt ein neuer Roll-Over-Sensor zum Erfassen des Fahrzeugdrehwinkels und der Drehwinkelgeschwindigkeiten zum Einsatz. Er erfasst, ob das Fahrzeug in eine Überschlagsituation gerät. Die Daten des Sensors fließen zusammen mit den ermittelten Parametern der in jedem Volkswagen vorhandenen Beschleunigungssensoren in das Airbagsteuergerät ein. Wird dort über den Abgleich der Daten die Gefahr eines Überschlags errechnet, werden automatisch die Seiten- und Kopfthoraxairbags aktiviert, um das Verletzungsrisiko zu mindern.”

Was aber eigentlich… weiter lesen

24.10.2006 von Detlef Guertler
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Bloggerschule

von Detlef Guertler

Hä? Bloggerschule? So was soll’s geben? Doch doch, meint Christian Schütte von der Financial Times Deutschland, der meldete, dass im Iran in der heiligen Stadt Ghom die erste Bloggerschule für Kleriker und Theologiestudenten eröffnet wurde. Da dieses Wort laut Google bislang praktisch inexistent war, müsste es sich ja tatsächlich um die erste Schule dieser Art handeln, und Christian Schütte weiß es exklusiv.

Natürlich nicht, denn die FTD-Story beruft sich auf eine Meldung im Guardian. Diese wiederum ist jetzt schon knapp zwei Wochen alt, und schildert den Sachverhalt etwas anders: “Courses run by the newly-established office of religious weblog expansion have begun in the holy city of Qom.” Also doch nichts mit den zwölf Jahren bis zum Bloggerabitur – “courses” zum Bloggenlernen bietet inzwischen wahrscheinlich auch schon die Familienbildungsstätte Husum an.

Aber wenn das Wort jetzt schon mal in der Welt ist, können wir ja mal drüber nachdenken,… weiter lesen

24.10.2006 von Detlef Guertler
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auslächeln

von Detlef Guertler

Auslächeln (schreibt Christian Dombrowski) ist Lächeln mit Nachsicht, mit Güte, mit Verstehen – aber doch mit einem kleinen Vorbehalt. Das Wort ist spätestens seit den Tagen Tucholskys in der Welt. Beispiel: In dem am 6. 4. 1926 in der „Weltbühne“ veröffentlichten Beitrag „Gruß nach vorn“ wendet Tucholsky sich an einen möglichen Leser im Jahr 1985 und schreibt: „Ich bin wohl zu klein; meine Zeit steht mir bis zum Halse, kaum gucke ich mit dem Kopf ein bisschen über den Zeitpegel… da, ich wusste es: du lächelst mich aus.“

Doch, „auslächeln“ ist hübsch – warum hat der Duden das noch nicht gemerkt?

23.10.2006 von Detlef Guertler
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durchzicken

von Detlef Guertler

Besprechung mit Frauke, meiner Art-Direktorin, über die nächste Ausgabe. “Das da geht beim Kunden bestimmt nicht durch”, meine ich, und zeige auf das Bild auf Seite 28. “So ein ähnliches Motiv haben die bei der letzten Ausgabe doch auch schon abgeschossen.” Frauke ist das egal. “Das Bild passt zum Thema, das Foto ist großartig. Das zick’ ich jetzt durch.”

Recht hat sie. Und da sie nicht die einzige ist, die so etwas macht, ist es höchst verwunderlich, dass das Wort “durchzicken” bislang noch nicht in den allgemeinen Wortschatz Einzug gefunden hat.

23.10.2006 von Detlef Guertler
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Teleskoperscheinung

von Detlef Guertler

von Christian Dombrowski:
Vor einiger Zeit bin ich Henning Scherf begegnet, dem früheren Bremer Bürgermeister. Er muss über zwei Meter groß sein und ist bei all seiner Höhe verblüffend schlank. Eine Teleskoperscheinung! Der Ausdruck drängt sich einfach auf – ein Wort, wie geschaffen für alle überlangen, schmalen Menschen.

Da ist freundlicher Spott in dem Wort, doch kommt es nicht so ruppig daher wie etwa das „lange Elend“ oder das „lange Gestell“, die sich ebenfalls anbieten. Weil sich mit einem Teleskop immer die Idee des Auseinandergezogenseins verbindet, ist das Bild auf fröhliche Weise bizarr. Vor Teleskoperscheinungen steht man in der typischen Körperhaltung des Sternenkuckers: Kopf in den Nacken, Blick zum Himmel… Übrigens ein seltener Fall, dass ein Ausdruck gut ist, eben weil er lang ist. Te-le-skop-er-schei-nung – ist superlang, passt!

22.10.2006 von Detlef Guertler
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Denkloch

von Detlef Guertler

Diesmal ein Vorschlag von Christian Dombrowski, dem ich nicht folge, sondern eine Alternative entgegensetze. Aber lesen Sie erst sein PRO:
“Für Hölderlin war das Schreiben „mühsam“, Brentano nannte es eine „Hundearbeit“ und Luther, beim Übersetzen des Alten Testaments, klagte einmal: „Wie ein groß und verdrießlich Werk ist es, die hebräischen Schreiber zu zwingen, deutsch zu reden! Ist uns wohl oft begegnet, dass wir 14 Tage, drei, vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt, haben’s dennoch zuweilen nicht funden.“

Wie nennt man diesen Zustand? Für die allzu verbreitete englische Floskel „writer´s block“ hätten wir im Deutschen „Schreibhemmung“, „Schreibblockade“  – beide Ausdrücke finden sich erstaunlicherweise NICHT im Duden… Doch wie steht es mit der kleinen Schwester der Schreibhemmung – mit dem vorübergehenden Nichtweiterwissen, dem Graben nach Gedanken und Formulierungen, wie das (behaupte ich mal!) jeder kennt, der nur einmal einen Hausaufsatz zu schreiben hatte? Für solch eine momentane Verlegenheit… weiter lesen