Archive for November, 2006

30.11.2006 von Detlef Guertler
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Disskussion

von Detlef Guertler

Nein, kein Schreibfehler, sondern ein Vorschlag von Wortistik-Leser und Wortwart-Mitautor Wolfgang Wilhelm: “Disskussion f. ist eine Diskussion, die ausschließlich dazu da ist, einen anderen zu dissen”, schlägt er vor.

Damit ist der tiefere Sinn vieler Diskussionen tatsächlich genau beschrieben. Es geht darum, einen Sündenbock zu finden, jemand fertig zu machen, zu mobben, die anderen auszustechen etc. – nicht immer, aber immer öfter. Wilhelms Neuwort wird es zwar in der gesprochenen Sprache nicht leicht haben, sich von der traditionellen Diskussion abzuheben, aber im Schriftdeutsch hat es leider eine heftige Existenzberechtigung.

Und allen, die nicht wissen, was “dissen” sein soll, empfehlen wir den Eintrag bei Wikipedia.

29.11.2006 von Detlef Guertler
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gemütliche Austriazismen, H – N

von Detlef Guertler

Alle Wörter mit den Anfangsbuchstaben H bis N, die der Duden sowohl als Österreichisch (österr.) als auch als umgangssprachlich (ugs.) kennzeichnet:

Haberer
habern
hackeln
Hackler
Häfen
Hangerl
Hascherl
hatschen
Hatscher
Haxlbeißer
Hetz
hetzhalber
hopp!
Hundsveigerl
hussen
i-Tüpferl-Reiter
Kanari
Kaprizpolster
keppeln
Kiberer
kiefeln
kleinweis
Kluppe
Knopf (in der Bedeutung als Knoten)
Kramuri
Lacke
Lackel
Leinwand (in der Bedeutung als großartig)
Letzt
Mandl
marod
monocolor
Mugel
mugelig
na!
Naderer
Nigel
Nipf

28.11.2006 von Detlef Guertler
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Überwandlung

von Detlef Guertler

Ein Freud’scher Verschreiber bei der Online-FTD:
“Neckermann.de sei heute eines der führenden E-Commerce-Unternehmen in Deutschland und habe die Überwandlung vom reinem Kataloghändler zum Internetanbieter bereits vollzogen.”

Gemeint war wahrscheinlich die reine Wandlung ohne Über-. Aber wenn eine solche Wandlung zu hopplahopp, widersinnig oder gegen die Unternehmenskultur gerichtet ist, kann man durchaus auch von einer Überwandlung sprechen. So etwa beim Versuch von VW, aus der bieder-billigen spanischen Tochter Seat einen sportlichen Alfa-Romeo-Verschnitt zu machen, oder eben bei E-Neckermann.

28.11.2006 von Detlef Guertler
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Tildengruß

von Detlef Guertler

von Wolfgang Wilhelm:

Wenn ich beim Wortwart (der ist wohl für alles offen) einen neuen Wortvorschlag reinstelle (und das tue ich oft), beende ich den Beitrag (wie in der Wikipedia) immer mit einem Tildengruß. Ein Tildengruß sieht so aus: ~~~~

Dieser wandelt sich automatisch in das Datum (Voreinstellung) um und sorgt somit für eine zeitliche (oder wie auch immer geartete) Nachvollziehbarkeit und/oder Ordnung. Es verhält sich so ähnlich, als wenn man in Word »mfg« schreibt und sich diese Abkürzung in »Mit freundlichen Grüßen« umwandelt. Komisch, dass sich nach 500k deutscher Wikipedia-Lemmata immer noch kein Wort dazu gebildet hat.

Doch was noch nicht ist, kann ja noch werden. Jetzt stellt sich die Frage, ob man den Tildengruß nur für die Tilden im Speziellen oder sogar im Allgemeinen verwendet, was auch Grußstaben ( ;) ) ( weiter lesen

27.11.2006 von Detlef Guertler
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gemütliche Austriazismen, D – G

von Detlef Guertler

Alle Wörter mit den Anfangsbuchstaben D bis G, die der Duden sowohl als Österreichisch (österr.) als auch als umgangssprachlich (ugs.) kennzeichnet:

Dalk
dalken
dalkert
damisch
Depp
deppert
Dippel
drahn
Drahrer
drausbringen
drauskommen
drüberstreuen
Dummerl
Ezzes
fadisieren
Feitel
Feschak
Finanzer
Flankerl
Flinserl
Flitschert
Fotze (in der Bedeutung als Ohrfeige)
fotzen (ohrfeigen)
Fotzhobel
Fuzel
fuzeln
gar
Gatsch
geschert
Gescherte
Gfrast
Gfrett
Gfrieß
gifteln
Giftler
Giftlerin
Glumpert
Goder
Goderl
Graffel
grapsen
Grätzel
gspaßig
Gspusi
Gupf
gustieren
gustiös
Gustostückerl
Gwirkst

26.11.2006 von Detlef Guertler
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entnüchtern

von Detlef Guertler

Mal wieder bei Sunny zum Grillen gewesen (die treuen Lesern noch von der Oberlippenblondine her bekannt sein wird). Was möchtest du trinken, fragt sie: Wasser, Cola, Wein? (Nein, Bier gibt’s bei Sunny nicht, auch nicht zum Grillen) Wasser, ich muss ja nachher noch fahren. – Nachher, sagt sie, und schüttet mir ein Glas Rotwein ein. Erst mal ein bisschen entnüchtern – oder willst du etwa gleich wieder weg?

Nein, will ich natürlich nicht; schon gar nicht, wenn mir mit dem Wein zugleich ein mir bislang unbekanntes Wort kredenzt wird. Offensichtlich sind den Deutschen mehrere Wörter geläufig, die beschreiben, wie Betrunkene wieder nüchtern werden, ernüchtern und ausnüchtern beispielsweise. Der gegenteilige Vorgang, also das Beenden des nüchternen Zustandes, ist dagegen bislang wortfrei.

Das heißt: nicht ganz wortfrei, wie ich heimgekehrt feststelle: Im Grimmschen Wörterbuch der Deutschen Sprache taucht das Verb entnüchtern auf, und zwar mit gleich zwei entgegengesetzten… weiter lesen

25.11.2006 von Detlef Guertler
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gemütliche Austriazismen, A – C

von Detlef Guertler

Alle Wörter, die der Duden sowohl als Österreichisch (österr.) als auch als umgangssprachlich (ugs.) kennzeichnet (Anfangsbuchstaben A bis C):

abfieseln
abfretten
abpaschen
abwatschen
Adabei
allweil
Amtskappl
anessen
anpatzen
antauchen
antrinken
antun
Ass
aufgelegt
aufhussen
aufmascherln
aufpudeln
ausgehen
ausgemugelt
ausschoppen
äußerln
auswerkeln
ballestern
Bamperletsch
Baraber
barabern
Barterl
Bazi
benzen
betakeln
betroppezt
Bim
Binkel
Bissgurn
blad
Blitzgneißer
Blunze
Bockshörndl
Bosnigl
brandeln
bretteln
brodeln
Brodler
Buckelkraxe
Buckerl
Budel
Bummerl
bummvoll
Buschen
Busserl

und kein einziges Wort, das mit C anfängt…

25.11.2006 von Detlef Guertler
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vernutzt

von Detlef Guertler

von Christian Dombrowski:

„Das brennt auf den Nägeln.“ – „Ein Floh im Ohr.“ – „Ein Dorn im Auge.“

Drastische, plastische Bilder!  Doch wer nimmt sie noch wahr?

Viele Wörter, Sprichwörter und Redensarten sind durch den alltäglichen Gebrauch so vernutzt, dass kein Mensch mehr richtig hinhört. Indes: Man kann sie aufs neue zum Klingen bringen, indem man sie erweitert, konkretisiert, verkürzt, umdreht oder sonstwie verändert – also vielleicht sagt: „die Bäume nicht mehr sehen vor lauter Wald“, „mit kochend heißem Dank!“,  „eine Stechpalme im Auge“, „das Bad mit dem Kinde ausschütten“ (Karl Kraus), „blau und grün schlagen“, „stumm sein wie ein Fisch in der Tiefstsee“ – indem man findet, eine Pointe (oder ein psychologisches Theorem) sei „an den Schamhaaren herbeigezogen“,   indem man sagt „vernutzt“ statt „abgenutzt“ und weiter so!

vernutzt = abgenutzt, verbraucht, abgebraucht

25.11.2006 von Detlef Guertler
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Weihnachtspalme

von Detlef Guertler

Ein einziger guter Vorsatz ist noch übrig geblieben vom vergangenen Jahreswechsel: Nie wieder Nordmanntanne! Eigentlich wollten wir ja den “Verein zur Abhaltung historisch korrekter Weihnachtsfeiern e.V.” gründen, vielleicht schaffen wir das ja nächstes Jahr. Jedenfalls werden wir dieses Jahr schon mit gutem Beispiel vorangehen und die nordisch-heidnischen Zutaten zur Weihnachtsgeschichte aus der Wohnung verbannen.

Denn wenn überhaupt irgendein Baum an der Krippe in Bethlehem stand, dann ja wohl eher eine mediterrane Palme als eine Tundra-Tanne. Und wenn an dieser Weihnacht vor 2000 Jahren irgend etwas weiß war, dann die gekalkten Hauswände, aber ganz bestimmt kein Schnee. Und wenn jemand damals Geschenke brachte, dann ein bis drei Sternenkundige aus dem Süden, und kein Dickerchen vom Nordpol, das so aussieht wie der in der Bibel nicht vorgesehene Lastwagenfahrer Lou Prentice, der vor 75 Jahren dem Werbegrafiker Haddon Sundblom mit weißem Bart und rotem Mantel für die Weihnachtswerbung von Coca-Cola Modell saß. Und… weiter lesen

23.11.2006 von Detlef Guertler
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ohrengängig

von Detlef Guertler

Von Christian Dombrowski:

„Ohrengängig“ ist etwas, das bequem ins Ohr geht. „Wilhelm Busch mit seinem Talent zu ohrengängigen Reimen, wie wir sie auch im ‚Balduin Bählamm’ finden…“ – „Ein Schlager – trivial, aber ohrengängig…“ –  „Im fünften Satz der Klaviersonate in f-moll von Brahms taucht ein Thema auf, das ein wenig an das Deutschlandlied erinnert und sehr ohrengängig ist.“ Oder auch: „Schmeichelei war für ihn immer so wohltuend und ohrengängig, dass er sich oft wider besseres Wissen durch sie bestimmen ließ.“

ohrengängig = leicht ins Ohr gehend, angenehm zu hören