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vonDetlef Guertler 08.11.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Vor nun bald 20 Jahren bürgerten sich mit freundlicher Unterstützung eines großen deutschen Nachrichtenmagazins die Wörter „barscheln“ und „Barschelei“ ein – als Kennzeichnung für illegale oder manipulative Angriffe auf den politischen Gegner. Spätestens seit dem kürzlichen Erscheinen des Buches „Der Doppelmord an Uwe Barschel“ von Wolfram Baentsch sind diese Wörter schlicht unbrauchbar geworden.

Unabhängig davon, ob Uwe Barschel tatsächlich die Lichtgestalt war, als die ihn Baentsch kennzeichnet (mit Sicherheit nicht), ist offensichtlich erwiesen, dass Barschel sich nicht selbst umgebracht hat, sondern von einem professionellen Killer ermordet wurde, und dass die Schandtaten, die Reiner Pfeiffer im Landtagswahlkampf von 1987 gegen die SPD und Björn Engholm angezettelt hatte, vielleicht ohne Wissen Barschels, auf jeden Fall aber mit Wissen der SPD durchgeführt wurden.

Folgt man der Argumentation von Baentsch müsste das Verb eigentlich ins Passiv transformiert werden: Ein Politiker, der von seinen Gegnern mit hoch professionellen Mitteln erst politisch und dann auch physisch getötet wird (wobei letzteres nicht einmal Baentsch der SPD anlastet, sondern einen oder mehrere Geheimdienste am Werk sieht), wäre dann „gebarschelt worden“. Besser ist es aber wahrscheinlich, alle Wortbildungen mit dem Namen von Uwe Barschel zu vermeiden. 

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https://blogs.taz.de/wortistik/2006/11/08/barscheln/

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kommentare

  • Trotz der Zweifel, die größer (gebausct… werden – im Abstand zu der Barschelei.

    „!Barscheln“ ist kein eindeutiger, beschreibender Begriff, was heißen könnte: sich umbringen in einer heiß gefüllten Badewanne – mit hohem Einsatz letaler Medikamente und enthemend-schmerzstillender Alkoholsubstanzen; und der genau erwartetbaren Absenkung des heiß eingefüllten Badewassers, das nach spätesetens drei Stunden die Körperwärme des sich selbst hilflos gestellten Menschen auf ein tödliches Minimum reduziert.

    Nun darf ad futurum „gebarschelt“ werden, solange die Ehre der Familie, das Selbstverständnis einer schwarzen Parteilandschaft und das Geld und die journalitisch-kriminalistische Interesse (s. Familie Barschel-Bismarck) reichen:

    Alle offiziellen Ermittlungen nach dem Todesfall erfolgten in der Schweiz und in Deutschland bestätigen die Selbsttötung. Das ist die wichtigste Erkenntnis in diesem Intrigenkampf: „Kabele“ (- aber „Liebe“ fehlt…)

    Erst später, teilweise 20 Jahre später, wurden mit familialen Interessen und Geldern wissenschaftlich krude Untersuchungen nach-angestellt, die zu unsinnigen, verwirrenden Nachuntersuchungen an Blutresten führten und Angaben erbrachten, die man nicht als „Ergebnisse“, sondern als Verfälschung anerkennen kann.
    Barschel ist vollgeladen mit vielen letalen Medikament und der Todesrezeptur der damaligen „Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben“ (einem euphemistisch benannten Verein für Todeskrankkandidaten, an deren Leiden oder Todeswunsch viel verdient wird. – Diese Anweisungen hat er über-genau verfolgt, ja doppel abgesichert sie sich „verpasst. Seinen langjährigen Missbrauch des Benzodiazepins „Tavor“ (gewohnheitsmäßig in dreifacher Normaldosis), hat es ich ihm nicht mehr möglich gemacht, normale, gefühlsmäßige Bindung zu Frau und Familie und Freunden aufrecht zu erhalten, sondern nur noch – wie im Tummelblick – ein Ziel zu verfolgen, die Vernichtung der Spuren seiner Politbetrugs oder Selbstvernichtung.
    Er hat öffentlich gelogen, mit größtem Showeffekt – und zur Selbstvernichtung zurückgezogen.

    Was also „barscheln“ heißt, ist ein „Verbarscheln“ – unklare Deliktfelder in unklaren Recherchen ermitteln; auf einem nut- und mitwllig und absichtlich in Unordnung gebrachtetn Tatort nachträglich Ver-Spurungen legen, sie noch verwischen – und darauf hoffen, dass aus fünf willkürlich verschiednen Partei. oder Polit- odr Länder- odr Geheimdienst-Richtungen sog Recherchen angestellt werden, die von der „politisch disqualifizierten“ Figur, dem Handlungsort und seinen einfachen Motiven wegführen – und eine Toten-Verklärung als familiär-genealogisches Spektakel.

    Genaueres in Details kann man hier nachlesen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Barschel

    Der Tod Chrstt am Kreu auf Golgotha war – wg. der Berichterstatter und Schreiber und Evvengelisten (vond enen keiner anwesnd war…) – einfacher zu übermittenl als von Pontius Pilatus genehmigte und von wenigen Hohepriestern inszenierte Abwehr-Hinrichtung gegen einen fortschrifttlich-rvolutionären Jeus von Nazareth, w e i l keine Kameras, k e i n e Zeugen mit kriminilistsichem Gerät -keine TV-Kameras undkeine Nachrichten-Agentueren anwesen waren.

    Je mehr Technik, je mehr Reporter, je mehr Interessen aus allen vier Windrichtungen des Besetzes, des Geldes und der Politiken – mit dem Wandelt ihrer Zucker- oder Zauderzungen – aufgeboten werden im Multimedialen – desto schaler und veriwrrender und lügnreicher die verkündeten Erträge und lauthalsen Ertrötungen, die man als Wahrheit und Aufklärung verbuchen können möchte.

  • Victor Ostrovsky’s Buch “Geheimakte Mossad – Warum das Buch gelogen ist.
    Weil Ostrovsky’s über Dinge fabuliert, bei denen er nicht dabei war, von denen er nichts wissen konnte, sei weil er an den Aktionen nicht beteiligt war (Angeblich hat ihm ein „Freund“ davon erzählt) Jemand der durch ein Buch das Leben angeblicher Freunde/Exkollegen gefährden würde, hat keine Freunde!
    Weil er bei einigen Operation noch nicht beim Mossad war und schon längst nicht mehr Teil des Mossads war.
    Ein guter Indikator für Lügen sind die angeblichen Worte die Barschel, Kohl und anderen in den Mund gelegt werden. Da versucht jemand den Eindruck zu erwecken er wäre immer dabei gewesen und hätte diese Worte gehört. Das ist ein eindeutiger Hinweis auf Wahnvorstellungen. Also Vorstellungen/Träume die für Real gehalten werden.
    Und vor allem, wären die Inhalte von Ostrovsky Buch echt, dann hätte er sich strafbar gemacht und wäre längst mehr oder weniger legal, gerichtet oder ermordet worden. Warum einen Politiker ermorden und bei einem unwichtigen Exagent eine Ausnahme machen? Der Mossad hat seine Effektivität, was das Auffinden von Personen angeht, schon unter Beweis gestellt.

  • Hi Traver. Ziemlich rechts in SH ist wohl ihre Heimat? Am Flüsschen Trave? Ist die Wahrheit (wenn es denn wahr ist) günstig für Deutschland, wenn der Ministerpräsident eines Bundesland vom Mossad ermordet wurde? Mein Barschelbild stammt von 1976, wie ich schon erwähnte. Wilstermarsch – Knüppel marsch. Ob dieser Stoltenzwerg versucht hat, den Barsch zu machen, oder ob er ermordet wurde, ist für mein Weltbild unbedeutend. Die großen Schweinereien, die täglich öffentlich in der Welt(politik) geschehen, reichen für mein gebrochenes Bild von der Welt vollkommen aus. Was da noch zusätzlich aus dem Dunkeln geholt wird, macht es nicht schlechter. Apropos „Bild“ und Gebrochenes. Da kann ich nur sagen, mein Liebermann (Max) „Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.“

  • Nanana, Traver, im Fall Barschel irgendetwas als „Wahrheit“ zu bezeichnen, ist denn doch sehr gewagt. Es gibt ein paar Plausibilitäten, einige Indizien, viele Behauptungen und ganz ganz viele Unwahrheiten.
    Dass trotz der unbestritten mysteriösen Umstände den Tod Uwe Barschels keine auch nur annähernd mit dem ebenfalls mysteriösen Kennedy-Mord vergleichbare Aura umgibt, liegt dabei vermutlich nicht so sehr an den konzertierten Aktionen von Geheimdiensten und Chefredakteuren, sondern an der Person Uwe Barschels. Er war ein unsympathischer, von Ehrgeiz zerfressener Rechtskonservativer; alle die Schweinereien, die ihm in die Schuhe geschoben wurden, waren ihm problemlos zuzutrauen.
    Dass er sie nicht begangen hat, macht ihn zwar zum Opfer, aber noch lange nicht zur Lichtgestalt. Und nur als solche würde er wie Kennedy in den Mythen der Moderne weiterleben.

  • Tja polyphem die Wahrheit ist nicht immer leicht zu ertragen schon gar nicht wenn dadurch sein eigenes Weltbild zu Bruch geht.

    „Wir Deutschen sollten die Wahrheit auch dann ertragen lernen, wenn sie für uns günstig ist.“
    (Clemens von Brentano)

    „Wenn den Deutschen noch so großes Unrecht angetan wird, findet sich immer ein obskurer deutscher Professor, der so lange an der Objektivität herumbastelt, bis er bewiesen hat, daß die Deutschen Unrecht getan haben.“
    (Madame de Stael)

    „Wir Deutschen sind mehrheitlich zu gutgläubig, um auch nur zu ahnen, was man mit uns treibt!“
    (Werner Nixdorf)

  • Björn Engholm war mit etwas Tabak zu kaufen. Vielleicht wäre das auch mit ein paar Glasperlen gegangen? Im Namen Barschel steckt das Wort Barsch, das wiederum zwei Bedeutungen haben kann. Von diesem Wort kann man auch noch das „B“ weg lassen und dann ist es halt dafür. Welch guter Mensch Herr Barschel war, hat er schon als Innenminister von SH im Zuge der Brokdorf-Demos in der Wilstermarsch 1976 bewiesen. Welche dunklen Mächte waren da in Genf am Werke? Große Weltverschwörung? Wohlmöglich eine jüdische? Und Mossad will uns beweisen, dass „der kleine Mann mit dem Chaplin-Schäuzer“ recht hatte? Ich glaub, ich bin im falschen taz-Blog.

  • Uwe Barschel, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, wurde am 10./11. Oktober 1987 vom israelischen Mossad ermordet. Barschel mußte sterben, weil er sich nicht kaufen ließ und damit drohte, die geheimen Militäroperationen der Israelis auf deutschem Boden sowie die Waffengeschäfte Israels in Zusammenarbeit mit dem deutschen Geheimdienst bekanntzumachen. Zuerst wurde Barschels Referent Pfeifer gekauft, der zusammen mit dem Mossad eine billige Verleumdungskampagne gegen Barschels Herausforderer Björn Engholm in Szene setzte. Die fadenscheinige Kampagne wurde von den Medien hochgespielt und Barschel in die Schuhe gescho-ben.
    Uwe Barschel mußte zurücktreten, drohte aber, er würde vor dem bereits angesetzten Untersuchungsausschuß alles sagen, was er wüßte. Während seines Urlaubs auf den kanarischen Insel wurde Barschel von Mossad-Mann „Ran“ angerufen, der ihm anbot, die Dokumente zu beschaffen, die ihn vor dem Untersuchungsausschuß rehabilitieren würden. Ran verabredete sich mit Barschel im Genfer Hotel Beau-Rivage. Der Mossad-Agent bot Barschel während der ersten Unterredung im Hotel erneut Geld an, wenn er vor dem Untersuchungsausschuß nicht aussagen würde. Uwe Barschel wies dieses Angebot entrüstet zurück und erklärte erneut, er werde auspacken. Damit hatte er sein eigenes Todesurteil gesprochen. Lesen Sie im folgenden aus Kapitel 25 von Victor Ostrovsky’s Buch „Geheimakte Mossad – Die schmutzigen Geschäfte des israelischen Geheimdienstes“ (Bertelsmann 1994) warum und wie Barschel ermordet wurde. Die Zahlen in Klammern entsprechen den Seitenzahlen im Buch:

    Aus Kapitel 25 (Geheimakte Mossad):

    Eine Stunde nach dem Barschel durch den präparierten Wein in Bewußtlosigkeit fiel, setzte hohes Fieber ein. Er wurde dann in das Eisbad gelegt. Der Schock rief starke Körperzuckungen hervor. Der plötzliche Temperaturwechsel im Verein mit der Wirkung der Medikamente erzeugte so etwas, was wie eine Herzattacke aus-sah. Nach ein paar Minuten stellte das Mossad-Team fest, daß er wirklich tot war.

    Ich kannte Ran noch von der Akademie her, ein pausbäckiger Bursche mit braunem Haar und grauen Augen. Seine Muttersprache war Deutsch, und er hatte sogar die rosigen Wangen und das blasse Aussehen, das so typisch für die Deutschen ist. Bevor er zum Mossad kam, war er Verantwortlicher für die El-Al-Sicherheit in Deutschland und Österreich, wo er mehrere Jahre verbrachte. Die Tatsache, daß er nicht in den Flugzeugen in direktem Kontakt mit den Passagieren arbeitete, ermöglichte ihm die Arbeit beim Mossad.

    Ich wußte über die Operation Hannibal durch meinen Job im dänischen Ressort Bescheid. Es war eine kombinierte Operation (286), bei der die Arbeit der Liaison und Geheimaktivitäten seitens der Melucha verknüpft waren. Bei der Kooperation waren drei Länder und ihre jeweiligen Geheimdienste beteiligt. Genauer gesagt, waren es die Geheimdienste, die kooperierten, und nicht die Länder.

    An sich war die Operation Hannibal ein Waffendeal zwischen Israel und Iran, wobei der deutsche Geheimdienst als Strohmann diente. Da der Iran dringend Ersatzteile für seine ramponierte Luftwaffe brauchte und Israel die Teile besaß, vor allem für die »Phantom F-4«, lag nahe, sie ihm zu verkaufen, zumal die Verlängerung des Iran-Irak-Krieges ein erklärtes Ziel des Mossad war. Dabei wurde auch nicht vergessen, bei dem Deal einen finanziellen Gewinn herauszuschlagen. Da der Iran und sein Ayatollah Khomeini nicht gerade begeistert waren, direkt mit Israel, das zu zerstören sie täglich schworen, Geschäfte zu machen, wurden die Deutschen als Zwischenhändler eingeschaltet. Der BND, der deutsche Bundesnachrichtendienst, wurde ausgesucht, um den Job zu machen, obwohl der Mossad die örtlichen Dienststellen des Verfassungsschutzes sowohl in Hamburg als auch in Kiel auf dem laufenden hielt. Eine Zusammenarbeit dieser Art mit dem BND war ziemlich neu; normalerweise ließ der Mossad bei seinen Operationen in Deutschland den BND im dunkeln.

    Im Mossad wurde der BND als unzuverlässig angesehen, weil der Mossad sicher war, daß die Stasi ihn stark infiltriert hatte. Außerdem stand er Helmut Kohl sehr nahe, der kein besonderer Freund des Mossad war. Bei der Operation Hannibal jedoch gab es einen Verbindungsmann für den BND, der rekrutiert worden war und der nebenbei noch schmutzige Geschäfte über den Ex-Mossad-Offizier Mike Harari mit dem Staatschef von Panama, General Manuel Noriega, machte.

    Bei dieser Operation wurden die Flugzeugteile (von Elektronikteilen für den Bordradar bis hin zu kompletten Motoren und zerlegten Flügeln) über Land transportiert, damit sie auch wirklich den Bestimmungsort erreichten beziehungsweise um die Herkunftsquelle zu verschleiern, falls sie vor der Auslieferung abgefangen wurden.

    Zuerst wurden die Teile im Hafen von Ashdod in speziellen Containern auf israelische Schiffe verladen. Die Container waren so konstruiert, daß sie direkt vom Schiff auf die wartenden LKWs (287) gehoben werden konnten und Teil des LKW wurden. Die Schiffe liefen verschiedene italienische Häfen an, wo der italienische Geheimdienst (SISMI) alle notwendigen Papiere beschaffte, die bezeugten, daß es sich um italienische Agrarprodukte handelte, die für Deutschland bestimmt waren. Zu diesem Zweck wurden auch die LKWs mit Werbetafeln italienischer Produkte versehen. Die Leute für diese Operation und die Fahrer wurden von den italienischen Verbündeten des Mossad gestellt, den rechtsgerichteten Anhängern eines Mannes namens Licio Gelli und seiner inzwischen verbotenen Geheimloge mit dem Namen Propaganda 2 und einer zweiten Gruppe, Gladio genannt (eine NATO-Gründung ähnlich der in Belgien).

    Die Fahrer brachten ihre Wagen in ein Lagerhallengebiet in Hamburg, wo sie von neuen Fahrern übernommen wurden, diesmal von Israelis. Der Mossad nannte diese Fahrer OMI, die Abkürzung von Oved Mekomy, was »ortsansässiger Arbeiter« heißt. Um ein OMI zu werden, muß man als Student auf eigene Kosten in das betreffende Land gekommen sein, und man muß wirklich ein Studium aufnehmen. Die Studenten wenden sich dann an die israelische Botschaft, um nach Arbeit zu fragen, und wenn der Mossad gerade Leute braucht, werden sie vom Shaback einem Sicherheitscheck unterworfen. Wenn alles in Ordnung ist, können sie eingestellt werden, um untergeordnete Tätigkeiten zu erledigen. Sie arbeiten als Fahrer oder werden als Bewohner von sicheren Häusern eingesetzt. Von Hamburg aus fuhren die LKWs zu einem ehemaligen Flughafen, zwanzig Minuten von Kiel entfernt. Ein Iraner, der in den USA studiert und seinen Flugzeugingenieur gemacht hatte, kam dann aus Kiel angereist und inspizierte die Ladung.

    Wurde die Lieferung für gut befunden, wurde die Hälfte des Geldes in bar auf dem Flughafen übergeben. Die zweite Hälfte wurde fällig, sobald die Lieferung im Iran angekommen war. Die ganze Operation wurde in Kooperation zwischen BND-Leuten auf mittlerer Ebene und dem Mossad-Verbindungsmann in Bonn durchgeführt.

    Zur Geschichte des Ganzen muß noch erwähnt werden, daß Helmut Kohl einer Kooperation mit dem Mossad zur Bekämpfung des Terrorismus einst zugestimmt hatte, weshalb die BND-Oberen (288) dem Mossad erlaubten, ihren Stationen im Ausland unter die Arme zu greifen, und es als große Freundschaftsgeste betrachteten, wenn der Mossad Seminare über Terrorismus abhielt (die den BND-Leuten als Gästen des israelischen Geheimdienstes in Israel kostenlos geboten wurden).

    Die BND-Bosse wußten allerdings nicht, daß diese Seminare, die der Mossad in der angenehmen Umgebung des Country Club abhielt, in Wirklichkeit gut geschmierte Rekrutierungs-Operationen waren, die dem Mossad Hunderte, wenn nicht Tausende von Staatsdienern aus den Vereinigten Staaten, wo sie vom Bnai Brith rekrutiert wurden, oder aus den Geheimdiensten Dänemarks, Schwedens und vieler anderer Länder Europas einbrachten.

    Im Geheimdienstbereich zählt vor allem die Fähigkeit zu beweisen, daß es einem gelungen ist, einen terroristischen Angriff abzuwehren. Mit dieser Verheißung manipulierte der Mossad die mittleren Chargen des BND zur Kooperation, indem man sie wissen ließ, daß ihre Bosse zwar einverstanden wären, aber die Operation nicht offiziell billigen könnten. Auch die Tatsache, daß der Mossad die rückhaltlose Unterstützung der örtlichen Dienststellen des Verfassungsschutzes hatte, war hilfreich, die BND-Leute zu überzeugen.

    Die Transporte gingen reibungslos vonstatten, und lange Zeit gab es keine Probleme. Von Deutschland fuhren die LKWs weiter nach Dänemark, wo sie unter den wachsamen Blicken des dänischen Geheimdienstes und ihres Verbindungsmannes zum Mossad, Paul Hensen Mozeh, auf dänische Schiffe verladen wurden. Von dort ging die Fracht in den Iran.

    Irgendwann fragten die Iraner ihren BND-Verbindungsmann, was man tun könnte, um iranische Piloten auszubilden, am liebsten außerhalb des Kriegsgebietes. Mit dieser Frage wandte sich der BND-Mann an den Mossad-Kontakt. Zuerst kam der Vorschlag auf den Tisch, das Training in Südamerika durchzuführen, entweder in Chile oder in Kolumbien, wo der Mossad sowohl die notwendigen Flugfelder als auch die Genehmigung für solche Operationen erhalten könnte. Aber die Nachbarschaft zu amerikanischen Aktivitäten in jener Hemisphäre ließ den Mossad umdenken.

    Nachdem der Mossad und der BND Experten der israelischen Luftwaffe zu Rate gezogen und von den Iranern weitere Informationen erhalten hatte, etwa über den Ausbildungsstand ihrer Piloten (289), entschloß man sich, daß der größte Teil der Ausbildung an Simulatoren und deshalb in Deutschland stattfinden könnte. Es wurde vorgeschlagen, daß derselbe Flugplatz mit seinen großen verlassenen Hangars, der für die Kontrolle der Ersatzteile benutzt wurde, auch dafür dienen könnte, die fünf Simulatoren mitsamt dem notwendigen Material aufzunehmen. Die Iraner mußten die Simulatoren kaufen und auch die gesamte Installation sowie alle sonstigen Ausgaben bezahlen und natürlich auch für das eigentliche Training finanziell aufkommen.

    Man kam zu dem Schluß, daß ein Team von zumindest zwanzig Israelis bereitstehen müßte, um die iranischen Piloten auszubilden und zu trainieren. Die Israelis sollten getrennt in Kiel und Hamburg leben, während die iranischen Piloten (die, wie die Deutschen fürchteten, Aufmerksamkeit wecken könnten) auf dem Flughafen untergebracht werden sollten.

    Der BND-Kontaktmann arbeitete jetzt direkt mit dem Mossad-Verbindungsmann in Bonn zusammen, der seine Informationen an die geheime Mossad-Station in der Bonner Botschaft weiterleitete. Die Deutschen sagten, daß zur Sicherheit und für den glatten Verlauf der Operation der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein in das Geheimnis eingeweiht werden müßte. Sein Name war Uwe Barschel, er zählte zu den engen Freunden von Helmut Kohl. Um sich seine Unterstützung zu sichern, kam man überein, daß der BND seinen Einfluß geltend machen würde, um Bundesgelder für eine krisengeschüttelte Kieler Werft lockerzumachen, wofür Barschel dann die Lorbeeren einheimsen könnte. Außerdem ging es um einen großen internationalen Flughafen in der Region. Und man versprach noch verschiedene andere Dinge, die weder für den Mossad noch für Ran von Interesse waren, der jetzt die Operation leitete.

    Als ich den Mossad verließ, war das Training der Piloten voll im Gange. Außer den Simulatoren gab es noch einige umgebaute Cessnas, an denen die Piloten auf einem anderen Flugfeld, fünfundvierzig Minuten von Kiel entfernt, ausgebildet wurden. Ich kann mich noch gut entsinnen, wie Ran damals zum Star aufstieg.

    Ephraim erzählte mir, was danach passierte. Ihm zufolge (und ergänzenden Details, die zum Ärger von Eli von Uri beigesteuert (290) wurden, stellte Ran irgendwann im März 1987 fest, daß am Horizont Gewitterwolken auf zogen.

    Es gab im Mossad und bei den rechten Elementen in der Regierung zunehmende Unzufriedenheit über das Verhalten von Kanzler Helmut Kohl, der direkten israelischen Warnungen bezüglich seiner Beziehung zum österreichischen Politiker Kurt Waldheim, den man scheinbar als Nazi entlarvt hatte, trotzte. (Die »Entlarvung« war von einer Al-Einheit vorbereitet worden, die in das UNO-Gebäude an der Park Avenue in New York eingedrungen war und verschiedene belastende Dokumente, die anderen Akten entnommen worden waren, in die Akte von Waldheim – und einiger anderer Personen – geschmuggelt hatte. Die gefälschten Dokumente wurden dann von dem israelischen Botschafter bei der UNO Benjamin Netanyahu, »entdeckt«. Das war Teil einer Diffamierungskampagne gegen Waldheim, der den israelischen Aktivitäten im südlichen Libanon kritisch gegenüberstand.) Kohl wischte die israelischen Drohungen als Nonsens beiseite und verursachte damit Wutausbrüche in israelischen Geheimdienstkreisen, wo er als Klutz mit einem großen Maul und schlechter Kinderstube beschimpft wurde.

    Sorge bereitete der Mossad-Führung auch eine plötzliche politische Krise in Dänemark. Der dänische Geheimdienst bekam kalte Füße und bat darum, die Waffenlieferungen über Dänemark zeitweilig zu stoppen, bis man wüßte, wie sich die neue politische Situation im Land gestalten würde.

    Der BND fragte nun bei Uwe Barschel um Erlaubnis an, die Häfen in Schleswig-Holstein für die Überführung der Waffen in den Iran benutzen zu dürfen. Barschel lehnte ab. Der Mossad hatte es nicht für notwendig erachtet, Barschel deswegen anzugehen. Der BND wußte allerdings nicht, daß der Mossad sich schon die Kooperation des Verfassungsschutzes gesichert hatte. Deshalb kam es dazu, daß der BND an Barschel herantrat und ihm einiges mehr erzählte, als nötig war. Doch der BND hatte Barschels Festigkeit in dieser Angelegenheit falsch eingeschätzt. Als Barschel ablehnte, gerieten alle in Panik. Sie erkannten, daß Barschel für sie zu einer Bedrohung werden könnte, wenn er sich dazu entschließen würde, Helmut Kohl über all diese Vorgänge zu informieren.

    Es war sehr verführerisch, mehrere Fliegen mit einem Schlag (291) erledigen zu können: Der Mossad hätte das Sagen bei der Kontrolle des neuen Politikers und könnte den BND als Partner einführen. Man könnte einen Störenfried, nämlich Barschel, eliminieren, der zwar kooperierte, aber nicht aus den richtigen Gründen. Er war nicht wirklich gekauft, wie es der Mossad bei seinen Politikern gerne hatte, sondern er nutzte die Situation nach Kräften, um, wie er meinte, das Beste für seine Wählerschaft rauszuholen, und gleichzeitig sicherte er seine politische Basis ab. Seine Beseitigung würde auch ein Schlag für Helmut Kohl sein, der gerade eine Wahl gewonnen hatte und sich deshalb nun noch unangenehmer aufführen würde als in der Vergangenheit.

    Ran begann also Verbindungen zur Oppositionspartei zu knüpfen und kam in engen Kontakt mit einem ihrer Führer. Er fühlte ihm auf den Zahn, ob er, für den Fall, daß er die Wahl gewänne, zur Mitarbeit mit denen, die ihm geholfen hätten, bereit wäre und sich erkenntlich zeigen würde. Jenem Oppositionspolitiker wurde bedeutet, daß der BND hinter ihnen stehe und alles im besten Interesse Deutschlands geschehe. Die Antwort übertraf alle Erwartungen Rans: Der Oppositionspolitiker [Engholm], der keine Chance sah, die Wahl zu gewinnen, war zu jedem Versprechen bereit. Nachdem Ran diesen Politiker sicher in der Tasche hatte, was ihn eine neue Pfeife und etwas Tabak kostete, war es an der Zeit, Barschel aus der politischen Arena zu werfen.

    Yoel, ein Einsatzoffizier von der Bonner Station, wurde zu dieser Operation herangezogen. Ihm wurde die Aufgabe übertragen, als Kanadier mit deutschen Vorfahren aufzutreten, der sehr reich sei und nach Deutschland zurückkehren wolle. Bevor er den entscheidenden Schritt machte, plante dieser Kanadier angeblich, in Deutschland ein neues Unternehmen zu starten und mit dem politischen Establishment bekannt zu werden, damit er seine Firma optimal aufziehen und den größtmöglichen Vorteil aus seiner Rückkehr ziehen könnte. Ein politischer Apparatschik [Pfeifer] in Barschels Partei, der von Ran und Yoel den Spitznamen »Whistler« (englisch: »to whistle« = pfeifen) erhielt, wurde ihr Zielobjekt. Ran lieferte der Mossad-Liaison eine Liste mir allen Leuten, die mit Barschel zusammenarbeiteten und direkten Kontakt zu ihm hatten. Die Namen sollten durch die Polizeicomputer in Kiel und Hamburg gejagt werden, um herauszufinden, ob über irgendeinen von ihnen (293) etwas Nachteiliges bekannt war. Der Name von »Whistler« hatte einen dunklen Fleck. Es stellte sich heraus, daß er der Mißhandlung einer Hamburger Prostituierten beschuldigt worden war, aber da es jemandem gelang, den Zuhälter auszuzahlen, wurde die Akte ohne förmliche Anklage geschlossen.

    Yoel wurde »Whistler« durch einen Sayan vorgestellt, der »Whistler« laut seiner Mossad-Akte kannte. Nach einigen Schmeicheleien sagte Yoel zu »Whistler«, daß er nach Kanada zurückkehren müsse, und machte ihn mit Ran bekannt, der seinen Geschäftsberater in Deutschland mimte. Falls »Whistler« in seiner Abwesenheit irgend etwas benötige, könne er sich an Ran wenden, der autorisiert sei, ihm zu helfen.

    Einige Tage nach Yoels angeblicher Abreise rief Ran »Whistler« an und verabredete ein Treffen, in dessen Verlauf er ihm klarmachte, daß er »Whistlers« politische Richtung nicht schätze, sondern die Opposition unterstütze. Ran erklärte ihm außerdem, daß er verpflichtet sei, Yoels Interessen nach bestem Wissen zu vertreten, weshalb er auf eigene Faust eine kleine Untersuchung vorgenommen habe. Dabei sei er auf den Zwischenfall mit der Prostituierten gestoßen, was bedeute, daß »Whistlers « politische Karriere beendet sein dürfte, falls diese Tatsache an die Öffentlichkeit käme, und obendrein wären Yoels Investitionen auch verloren. Er schlug ihm dann vor, daß er ihm beim Sturz Barschels helfen solle. Ran war überrascht, mit welcher Begeisterung »Whistler« diesem Vorschlag zustimmte. »Whistler« sagte klipp und klar, daß er kein Fan von Barschel sei und alles tun würde, um ihn dranzukriegen.

    Ran, der schon einen fertigen Plan in der Tasche hatte, um Barschel abzusägen, ging die einzelnen Schritte mit dem Mann, den er gerade rekrutiert hatte, bedächtig durch, um ihm das Gefühl zu geben, dieser wäre an dem Planungsprozeß beteiligt. Auch sollte ihm das Gefühl von eigener Wichtigkeit eingeflößt werden, unter anderem für den Fall, daß ihm die Schuld zugeschoben werden mußte, falls etwas schiefging. Ihm wurde darüber hinaus gesagt, daß man sich finanziell großzügig um ihn kümmern werde, falls diese Operation seine politische Zukunft gefährde. Ran gab »Whistler« zu verstehen, daß er zu einer Organisation nach Art der Mafia gehöre und daß es ausgeschlossen sei, daß er seine Meinung (293) ändere oder Geschehenes ungeschehen machen könne. Auch dürfe er über Ran kein einziges Wort verlieren.

    Während dieser ganzen Zeit fütterte der Mossad den Verfassungsschutz des Bundeslandes mit falschen Informationen über Barschels angeblich geheimen Waffengeschäfte und sonstige illegale Transaktionen, an denen sein Bruder beteiligt sei, quasi als Strohmann Barschels.

    Der Plan wurde von Mousa gutgeheißen, der für Operationssicherheit in Europa zuständig war und damals auch als Chef für Europa fungierte. Bei dieser ganzen Sache hielt man den BND draußen. Ran ließ »Whistler« falsche, aber sehr schädigende Informationen über die Führer der Opposition im allgemeinen und den Spitzenmann der Opposition im besonderen in der örtlichen Presse verbreiten, ohne die Quelle der Gerüchte verlauten zu lassen oder aufzudecken, wer scheinbar nicht dichthielt. Als die Wahlen näher rückten, wurden Mossad-Leute aus Belgien ins Land gebracht, um als Privatdetektive aufzutreten, die anzuheuern Ran »Whistler« empfohlen hatte. Sie agierten höchst auffallend, fuhren bei ihrer Überwachung teure Autos und sammelten auf sehr amateurhafte Weise Material über den Oppositionsführer, wodurch sie natürlich die Aufmerksamkeit auf sich lenkten.

    Die Sache wurde auf eine Weise durchgezogen, daß höchstens ein Reporter der »Braille Times« nicht in der Lage gewesen wäre, es als das zu erkennen, was es war: eine Schmutzkampagne. In der letzten Minute, als Dementis von Barschel zu spät gewesen wären, um noch den Wahlausgang zu beeinflussen, gab »Whistler« zu, daß er hinter den schmutzigen Tricks stecken würde. Er gab an, daß er dazu von Barschel beauftragt worden sei, wodurch er endgültig die Karriere eines Politikers beendete, der sich nicht kooperativ zeigte, und einen Mann ans Ruder brachte, der dazu bereit war. Außerdem wurde Kohl dadurch in arge Bedrängnis gebracht. Alle Proteste Barschels, daß er unschuldig sei, wurden als politische Rhetorik beiseite gewischt. (294) …

    Ephraim erklärte, daß noch mehr an der Geschichte dran sei. Er erzählte, daß nach seiner Niederlage bei den Wahlen (eine direkte Folge der Kampagne, die Ran organisiert hatte) Barschel seine BND-Verbindung kontaktierte. Er drohte, das Fehlverhalten des BND in vollem Umfang offenzulegen, wenn der BND nicht alles tun würde, um seinen Namen reinzuwaschen. Der BND, der seine Informationen vom Verfassungsschutz bezog – dieselben Informationen, die dieser vom Mossad erhalten hatte -, zweifelte nicht daran, daß Barschel Dreck am Stecken hatte, und bat den Mossad um Hilfe.

    Der Grund, warum der BND den Mossad benutzen mußte, um mit dieser Situation fertig zu werden, bestand darin, daß sich die Drohung Barschels gegen die mittleren Chargen des BND richtete. Diese hielten entgegen den direkten Befehlen ihrer Vorgesetzten Kontakt mir dem Mossad. Der BND konnte sich also nicht mit einem Hilfegesuch an seine eigenen Leute wenden.

    Der BND-Kontaktmann sagte dem Mossad-Verbindungsoffizier, daß innerhalb weniger Tage einige Anhörungen vor einem Untersuchungssausschuß stattfinden würden, und würde Barschel vorher nicht Genüge getan, würde er auspacken. Der Zeitrahmen war zu knapp für den Mossad, um die Operation auf den beiden Flugfeldern abzubrechen und die israelischen Mannschaften mitsamt ihrem Material rechtzeitig herauszuholen. Barschel mußte gestoppt werden, bevor er als Zeuge aussagen konnte.

    Der BND gab dem Mossad-Verbindungsmann den Ort bekannt, an dem Barschel auf den Kanarischen Inseln Urlaub machte, sowie seine Telefonnummer. Er wohnte in einem Haus, das ihm von einem Freund zur Verfügung gestellt worden war.

    Ran rief Barschel an. Beim ersten Anruf meldete sich niemand. Eine Stunde später versuchte er es wieder, und jemand antwortete, daß Barschel im Moment nicht erreichbar sei. Beim dritten Versuch (295) hatte er Barschel am Apparat und sagte ihm, daß er Informationen besitze, die helfen könnten, seinen Namen reinzuwaschen. Er stellte sich als Robert Oleff vor.

    Er bestand darauf, daß Barschel nach Genf kommen solle. Er, Oleff, werde ihm am Flughafen abholen. Barschel verlangte mehr Informationen, bevor er sich festlegte, und Ran sagte, daß vielleicht einige interessante Iraner anwesend sein würden, die in das Geschäft verwickelt seien. Das machte Barschel glauben, daß die Angelegenheit seriös war. Der Mann am Telefon zeigte sich gut informiert, Barschel war einverstanden, und sie legten die Details der Reise fest.

    Das Kidon-Team, das direkt von Brüssel geschickt worden war, wartete bereits in Genf. Nachdem es die Lage in Genf genau untersucht hatte, kam es zu dem Ergebnis, daß das Hotel Beau-Rivage am besten seinen Zwecken dienen würde. Ein Stück weiter gab es eine riesige Baustelle. So etwas war immer gut, um das, was man in der Eile loswerden wollte, verschwinden zu lassen. Zwei Einsatz-Paare quartierten sich im Hotel ein: das eine im vierten Stock, nahe beim Ausgang zum Dach, und das andere, das am selben Tag wie Barschel ankam, im dritten Stock neben dem Zimmer, das Ran für Barschel reserviert hatte.

    Die übrigen Leute des Teams deckten das Umfeld ab und hielten sich in der Nähe auf, um nötigenfalls eingreifen zu können. Ran traf Barschel in dessen Zimmer am Nachmittag des 10. Oktober [1987]. Nachdem er eine Flasche Wein für den von ihm mitgebrachten Käse bestellt hatte, machte er Barschel zuerst ein Angebot. Barschel sollte überredet werden, seinen Sturz zu akzeptieren. Ran versprach ihm, daß man ihn großzügig entschädigen werde. Er versuchte ihm zu suggerieren, daß das, was er angeblich getan habe, im Bereich der Politik keine so große Sache darstelle und daß es besser für ihn sei, die Dinge laufen zu lassen und das Geld zu nehmen. Ran benutzte den üblichen Satz, den der Mossad so liebte, daß Geld keine Rolle spiele.

    Barschel war sehr ungehalten. Er bestand darauf, daß Ran ihm die Beweise liefere, die seinen Namen reinwaschen könnten, oder zu verschwinden. Er war nicht daran interessiert, einen Profit aus der Sache zu schlagen, sondern er wollte es allen zeigen, die ihn verleumdet hatten. (296)

    Da wurde Ran klar, daß es keine Möglichkeit gab, den Mann umzustimmen. Die Operation mußte in ihre zweite Phase treten, was die Beseitigung dieses Mannes bedeutete. Er war jetzt zu einer Gefahr für die Sicherheit der beteiligten Mossad-Leute geworden. Es gab aus diesem Grund keine Notwendigkeit, die Zustimmung zu seiner Eliminierung außerhalb des Mossad einzuholen. Das wäre bei einer Exekution aus politischen Gründen der Fall gewesen; hier hätte der Premierminister seine Zustimmung geben müssen. Ran wollte jedoch das Einverständnis des Mossad-Chefs haben, den man ständig auf dem laufenden hielt und der am selben Tag wie Barschel nach Genf gekommen war. Er wohnte im Hotel Des Bergues am Ende derselben Straße, in der Barschel untergebracht war. Er hatte sich unter den Namen P. Marshon eingetragen.

    Bis der Wein in Barschels Zimmer ankam, war er schon von einem Kidon-Mitglied präpariert worden, entweder in der Küche oder auf dem Weg nach oben. Andere Team-Mitglieder schafften in Vorbereitung auf den letzten Akt Eisbeutel auf ihre Zimmer. Ran erzählte Barschel, daß es nur seine Absicht gewesen sei, seine Standfestigkeit zu prüfen. Da er es offenbar mit einem ehrenwerten Mann zu tun habe, wolle er ihm helfen. Barschel war immer noch aufgebracht und weigerte sich weiterzureden, wenn Ran ihm nicht sofort einen Beweis liefern würde, daß er wirklich seinen Namen reinwaschen könnte.

    Ran rief den Mossad-Verbindungsmann an, der in einem sicheren Haus wartete. Er bat ihn, seinen BND-Kontaktmann anzurufen, der Barschel in seinem Hotelzimmer zurückrufen solle, um ihm zu sagen, daß alles gutgehen würde. Der Verbindungsmann war darauf vorbereitet, er hatte mit Ran im Vorfeld alle Optionen abgesprochen. Der BND-Mann stand in Wartestellung bereit; er war schon im voraus angerufen worden – unter dem Vorwand, etwas Wichtiges würde sich tun.

    Einige Minuten später rief der BND-Mann Barschel an und sagte ihm, daß man die Dinge zurechtrücken werde. Barschel entspannte sich und trank von dem Wein. Ran täuschte Magenbeschwerden vor und lehnte ab; er nahm nur etwas von seinem Käse zu sich.

    Ran wußte, daß Barschel in etwa einer Stunde ohnmächtig werden würde, und wollte die direkte Zustimmung des Mossad-Chefs, um den Job zu beenden. Er sagte Barschel, daß er einige (297) Papiere holen wolle, die ihn entlasten würden, und daß er in einer Stunde wieder da sei.

    Ran traf den Mossad-Chef in dessen Hotelzimmer. Er gab ihm eine kurze Zusammenfassung des Vorgefallenen und sagte, daß Barschel innerhalb weniger Tage vor einem Untersuchungsausschuß aussagen werde, der Behauptungen über Unregelmäßigkeiten im Vorfeld der Wahlen prüfen solle. Es gebe keine Möglichkeit, Barschel davon abzubringen, vor diesem Gremium alles auszusagen, was er wußte. Ran konnte nicht garantieren, daß alle Beweisstücke, die Israel belasteten, in der kurzen verbliebenen Zeit von den Flugfeldern beseitigt wären. Das Risiko einer Entlarvung war für den Mossad hier viel zu groß, und deswegen gab der Mossad-Chef sein Einverständnis, den Mann zu eliminieren.

    Ran rief die zwei Männer im vierten Stock von Barschels Hotel an und gab ihnen grünes Licht für die Operation. Sie warteten die Zeit ab, bis Barschel von dem Mittel im Wein eingeschlafen war. Sie riefen außerdem noch bei ihm an, um sicherzugehen, daß er nicht wach war. Dann drangen sie in sein Zimmer ein.

    Barschel lag auf dem Boden rechts neben dem Bett. Er war offenbar ohnmächtig geworden und aus dem Bett gefallen. Das Team zog ein Plastiktuch über das Bett und legte den Bewußtlosen darauf, mit den Beinen zum Kopfende, damit die nächsten Schritte einfacher wären. Ein zusammengerolltes Handtuch wurde ihm unter den Nacken gelegt, als ob er eine Mund-zu-Mund-Beatmung bekommen sollte. Fünf Leute befanden sich zu dem Zeitpunkt im Raum. Vier kümmerten sich um das Opfer, und einer füllte die Badewanne mit Wasser und Eis; das Geräusch würde jedes andere übertönen. Ein langer, gut geölter Gummischlauch wurde dem schlafenden Mann in den Hals geschoben, langsam und vorsichtig, um ihn nicht zu ersticken. Einer schob den Schlauch, während ihn die anderen Männer für den Fall einer plötzlichen Konvulsion festhielten. Sie alle hatten so etwas schon vorher gemacht.

    Sobald der Schlauch den Magen erreicht hatte, brachten sie am oberen Schlauchende einen kleinen Trichter an, durch den sie nun verschiedene Pillen einführten, dazu ab und zu etwas Wasser, damit sie auch tatsächlich den Magen erreichten.

    Danach wurden dem Mann die Hosen heruntergezogen. Zwei Männer hielten seine Beine hoch, und ein Dritter führte ihm rektal (298) Zäpfchen mit einem starken Sedativ und einem fiebererzeugenden Mittel ein. Die Hosen wurden ihm wieder hochgezogen, und die Leute warteten auf die Wirkung der Medikamente; sie legten ihm ein Thermometer auf die Stirn, um seine Temperatur zu beobachten.

    Nach einer Stunde hatte er hohes Fieber bekommen. Er wurde dann in das Eisbad gelegt. Der Schock rief starke Körperzuckungen hervor. Der plötzliche Temperaturwechsel im Verein mit der Wirkung der Medikamente erzeugte so etwas, was wie eine Herzattacke aussah. Nach ein paar Minuten stellte das Team fest, daß er wirklich tot war, und begann das Zimmer aufzuräumen, um keine Spuren zu hinterlassen. Sie merkten, daß sie den Fehler gemacht hatten, dem Mann nicht die Kleider auszuziehen, bevor sie ihn in die Wanne legten. Aber es war zu spät, das noch zu ändern. Sie merkten auch, daß die Ersatzweinflasche, die sie mitgebracht hatten, zwar ein Beaujolais war, aber nicht die richtige Marke, so daß sie keine Flasche hatten, um sie dazulassen.

    Die Lage war gespannt. Sie hatten mehrere Stunden in dem Raum zugebracht, und einige von ihnen waren mehrmals hinausgegangen und wiedergekommen. Daß sie neben einer toten oder sterbenden Person Wache hielten, wäre wohl kaum zu erklären gewesen.

    Nachdem sie das Zimmer verlassen und das Schild »Bitte nicht stören« angebracht hatten, ging jeder seiner Wege. Zwei Leute verließen das Hotel noch am selben Abend, das zweite Paar erst am folgenden Morgen. Die übrigen Mitglieder des Teams hatten die Stadt schon in derselben Nacht mit dem Wagen verlassen und fuhren zurück nach Belgien in die Sicherheit des Mossad-Hauptquartiers in Europa. Ran wurde informiert, daß die Mission erfüllt war, ebenso der Mossad-Chef, dem ein Team-Mitglied ein Polaroidfoto von dem Toten brachte.

    Ende Kapitel 25 (Geheimakte Mossad):

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