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vonDetlef Guertler 09.11.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Als wir den fensterlosen Besprechungsraum zur Mittagspause verlassen, werden wir vom gleißenden Sonnenlicht geblendet. „Hey, da können wir ja geradezu draußen essen“, sage ich. Corinna wehrt ab: „Bloß nicht! Das ist eine Betrügersonne – die tut so, als sei es warm, und du merkst gar nicht, wie du dich erkältest.“ Wir sind dann doch lieber in die Kantine gegangen.

Man kann zwar behaupten, dass es in der Kommunikation zwischen Mitteleuropäern übertrieben wäre, eine spätherbstliche oder frühfrühlingshafte Sonne als Betrügersonne zu bezeichnen; schließlich wissen alle Beteiligten, in welcher Klimazone sie sich befinden. Für Menschen, die mit unseren Breiten weniger Erfahrung haben, kann diese Bezeichnung allerdings hilfreich sein. Ein Venezolaner schilderte mir einmal als seine eindrücklichste Erinnerung an eine winterliche Deutschlandreise: „Die Sonne scheint, aber sie wärmt nicht.“ In Venezuela unvorstellbar.  Er hätte „Betrügersonne“ sofort verstanden.

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