Knubbeltaste

Eines der meistbejubelten Neuwörter im neuen Duden war die „Brötchentaste“, jene, so der Duden, „Taste am Parkscheinautomaten für kostenloses kurzes Parken“. Die Zahl der -tasten im Duden verzeichnete damit eine phänomenale Wachstumsrate von 50 Prozent, denn zuvor waren dort nur die Maus- und die Returntaste anzutreffen.

Nun ist die Taste nicht nur doppelt so klangvoll wie ihr englischer Kollege, der „key“, sie ist auch geradezu der Inbegriff des Haptischen (was ja vom Tastsinn herkommt), wohingegen der Engländer vor einer Tastatur wohl immer noch darüber ins Schwärmen gerät, wie damals Alan Turing im 2. Weltkrieg den deutschen Geheimcode entschlüsselte. Außerdem gibt es in Zeiten von Fern-, Infrarot- und Was-weiß-ich-noch-Bedienungen immer mehr Tasten an Geräten, die eine ganz spezielle Form oder Funktion haben, sich also ihren eigenen Namen verdient haben.

Also: Neue Tasten braucht das Land! Fangen wir heute mal mit der Knubbeltaste an. Die hat die Wortwarte bei Spiegel-Online entdeckt, wo die Datumszeile zwar behauptet, dass die Knubbeltaste schon am 3. Mai von Stefan Schmitt erfunden wurde, aber benutzt hat sie seither offensichtlich noch keiner. Als Wort zumindest – als Taste wird sie jeden Tag millionenfach benutzt, diese bei vielen Handys oder Blackberrys oder Klapps vorhandene Taste, die irgendwie sowas ähnliches bewirkt wie eine Maus: Cursor oder Objekte hin oder her bewegen, und wenn man draufdrückt, mausklickt es manchmal. Noch hat niemand einen Namen für dieses Etwas gefunden, und auch bei Stefan Schmitt klingt es eher so, als ob er schlicht alle Blackberry-Tasten als Knubbeltasten bezeichnen würde. Das wäre natürlich absolut unwortistisch – und ließe uns die Genugtuung, die Knubbeltaste erst so richtig erfunden zu haben.

Kommentare (-8)

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  1. Da ich ein unsterblicher Göttersohn bin, musss ich mit der Zeit gehen und habe mich auch schon an Münzgeld gewöhnt. Mit dem Euro habe ich allerdings noch Probleme. Einen halben Hammel für ein Kalauer-Grillfest? Darüber könnte man reden. Kali Orexi.

  2. Und noch ne Hausaufgabe…
    Hab beim surfen durch die unterschiedlichsten Blogs festgestellt, dass die Meisten ziemlich sinnfrei sind.
    Hier gibt es also doch noch einen Lichtblick, den ich dank Dir (Carolin) gefunden habe.
    Bisher ist mir gar nicht aufgefallen, dass es keinen konkreten Namen für dieses Dings auf meinem Handy gibt.
    Ein Hoch auf die Knubbeltasten!

  3. Hallo,
    dies ist der erste Kommentar überhaupt, den ich in einem Blog schreibe.
    Dies tue ich zwar nur bedingt freiwillig, da er Teil einer Hausaufgabe der Vorlesung eCommerce ist, aber nach langem Suchen habe endlich diese Blog gefunden, der sich dem deutschen Wortschatz widmet und bin damit ganz glücklich.
    Ich kannte zwar bis dato den Begriff „Knubbeltaste“ nicht, stelle jedoch nach der obigen Definition fest, dass ich tatsächlich eine solche am Handy habe. Also, wieder was gelernt und die Hausaufgabe erfüllt.

  4. Mensch, Polyphem, zu Homers Zeiten war das Geld doch noch gar nicht erfunden. Da wurde noch alles in Rindern bezahlt – oder bei dir eher in Schafen?

  5. Knubbeltaste? Ich habe eine Knubbelnase und wenn ich das Wort haptisch lese, muss ich niesen. Wie lautet der alte Spruch aus der Dunkelkammer? „Wenn man nichts sehen kann, ist fühlen keine Schande.“ Und Niemand ist mir entkommen. 🙁

    P.S.: Ich zahle freiwillig fünf Drachmen in die Kalauerkasse.