Paarpotenzial

von Detlef Guertler

Ein schnuckliger Artikel von Parvin Sadigh über die Wissenschaft des Verliebens in Zeit Online (komisch: die unendliche Länge des typischen Zeit-Artikels kommt mir im Netz längst nicht so arrogant-pastoral vor wie in der gedruckten Ausgabe). Computer- und Biotechnologie haben es demnach möglich gemacht, schon vor dem Kennenlernen kalkulieren zu können, ob Fisch zu Fahrrad passt. Da zählen die Single-Börsen dann Matchingpunkte und errechnen daraus das Paarpotenzial, für das es bisher aufgrund fehlender wissenschaftlicher Grundlage noch kein eigenes Wort gab. Bestimmt werden demnächst Denalysen oder ein pheromonischer Schweißvergleich diese Potenzial-Rechnung noch komfortabler und treffsicherer machen.

Am Ende schaffen wir es dann mit megamoderner Technik, wieder genau da anzukommen, wo wir vor Erfindung der Liebesheirat schon standen: Damals entschieden die Eltern oder die Zünfte oder der Thronrat über das Paarpotenzial der windelpupsenden Sprösslinge, und weil damals Liebe und Ehe noch nichts miteinander zu tun hatten, kamen dabei definitionsgemäß nur ideale Ehepaare heraus.

Und wenn wir diesen Zyklus vollendet haben, hat sich damit die bürgerliche Liebe als ein Irrweg der Evolution herausgestellt.


Ein Kommentar zu "Paarpotenzial"

  1. Manager(un)sprache in der Liebe? Dann ist der Ofen wohl bald aus. Ich denke mit Grauen an die Neubewortung vieler Schöner Wörter: Potenzialanalyse statt Kennenlernen, Analysanden-Kick-Off statt Rendezvous, synergetisch optimierte Zusammenlegung der Geschäftsaktivitäten statt Zusammen-Wohnen und und.
    Doch wer “Partner” sagt, muss auch “Beziehungsaktivitäten” sagen.

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