entnüchtern

Mal wieder bei Sunny zum Grillen gewesen (die treuen Lesern noch von der Oberlippenblondine her bekannt sein wird). Was möchtest du trinken, fragt sie: Wasser, Cola, Wein? (Nein, Bier gibt’s bei Sunny nicht, auch nicht zum Grillen) Wasser, ich muss ja nachher noch fahren. – Nachher, sagt sie, und schüttet mir ein Glas Rotwein ein. Erst mal ein bisschen entnüchtern – oder willst du etwa gleich wieder weg?

Nein, will ich natürlich nicht; schon gar nicht, wenn mir mit dem Wein zugleich ein mir bislang unbekanntes Wort kredenzt wird. Offensichtlich sind den Deutschen mehrere Wörter geläufig, die beschreiben, wie Betrunkene wieder nüchtern werden, ernüchtern und ausnüchtern beispielsweise. Der gegenteilige Vorgang, also das Beenden des nüchternen Zustandes, ist dagegen bislang wortfrei.

Das heißt: nicht ganz wortfrei, wie ich heimgekehrt feststelle: Im Grimmschen Wörterbuch der Deutschen Sprache taucht das Verb entnüchtern auf, und zwar mit gleich zwei entgegengesetzten Bedeutungen, nämlich einmal den Betrunkenen nüchtern machen, und einmal morgens etwas zu sich nehmen. Wobei die Grimms nur für die zweite Bedeutung Belege gefunden haben, die erste also offensichtlich eher behaupten als belegen. Weshalb wir also die Entnüchterung durchaus auf die zweite Bedeutung reduzieren und entsprechend anwenden können.

1 Kommentar

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  1. Vor einiger Zeit wollte ich „entnüchtern“ im Sinn der Nahrungsaufnahme zum Schönen Wort küren und bin dabei auf eine hübsche Quelle gestossen:

    „Der gemeine Mann bedienet sich der Bier-Suppen; Da dann die aus Breyhan, Tuffstein, Kniesenack, Rummeldeiß, und andern dergleichen Bieren gemachet, nicht zu tadeln seyn, und sonderlich der mit Gewürtz und eingschlagenen Eyern zugerichtete und gantz heiß eingetrunckene Kniesenack, welcher so guten Effect als manche warme Wein-Suppe thut, und eine stattliche Stärcke in den Gliedern giebet. Vor feuchte Magen ist ein gut Butter-Brod, oder geröstet Weiß-Brod, in Sect, Malvasier oder Spanischen Wein eingetuncket, das bequehmste. (…) Daß also ein jeder, der sich des Morgens entnüchtern will, untersuchen muß, was hierunter seinem Magen anständig sey.“

    http://www.pierre-marteau.com/library/g-1716-0014.html