Archive for Dezember, 2006

31.12.2006 von Detlef Guertler
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Ya está!

von Detlef Guertler

Das ist spanisch, beendet dort jeden zweiten Satz, und heißt so viel wie: “Fertig ist die Laube”, oder “Okay”. Man verwendet es als Tätigkeits- oder Erzählungsabschlusswort, und spricht es üblicherweise etwa “Jastá” aus.

Wir haben so ein Wort nicht. Aber zumindest zu Silvester könnten wir es uns ja mal gönnen. Ya está!

 

30.12.2006 von Detlef Guertler
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Anteilnehmer

von Detlef Guertler

Mit diesem Slogan wirbt die Telefonseelsorge Berlin zu ihrem 50. Geburtstag für sich. Eigentlich ein schönes, noch viel zu selten genutztes Wort. Und eigentlich ein schöner, noch viel zu selten ausgeübter Beruf. Wenn wir uns dazu durchringen könnten, den Beruf des Anteilnehmers offiziell anzuerkennen, könnten wir damit die Arbeitslosigkeit sofort um eine halbe Million reduzieren – und außerdem das Budget des Gesundheitswesens um mehrere Milliarden Euro reduzieren. Schließlich sind Hausärzte in einem großen Teil ihrer Arbeitszeit nicht Ärzte, sondern Anteilnehmer. Von den Pflegekräften ganz zu schweigen.

Und da vermutlich die Stundenlöhne für Anteilnehmer wesentlich niedriger liegen als die für Ärzte, müssten sich auf diese Weise Milliarden sparen und Millionen einstellen lassen.

29.12.2006 von Detlef Guertler
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Schwallkörper

von Detlef Guertler

von Kaishakunin:

Einige Juniorprofessoren hören sich offensichtlich selbst gerne reden und ergehen in sich in wortreichen Ergüssen der langweiligen Art. Etwas was Wolf Schneider in »Deutsch fürs Leben« hinreichend geißelte.

Um nun besagten gockelhaften Typus Professor zu bezeichnen fiel mir einst das Wörtchen »Schwallkörper« ein, da man derartiges Gesülze meist als Schwallen bezeichnet. Ein Beispiel wäre dies: »In kurzen heißen Stößen ergoß der Schwallkörper sein Verbalejakulat in die Gesichter der anwesenden Studenten.«

29.12.2006 von Detlef Guertler
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Klonfleisch

von Detlef Guertler

Schon seit etwa fünf Jahren versuchen ökologisch korrekte Journalisten immer wieder, der Öffentlichkeit das Wort Klonfleisch schmackhaft zu machen. (etwa dort, dort, dort, zuletzt dort und natürlich auch hier). Aber so richtig angebissen haben wir Verbraucher noch nicht. Und das nicht nur deshalb, weil es in Deutschland noch gar kein Fleisch von geklonten Tieren zu kaufen gibt, sondern auch, weil sich dieses Fleisch in nichts, aber auch gar nichts von dem sonst verwendeten Fleisch unterscheidet.
Totes Tier ist totes Tier, egal auf welchem Weg es zur Welt kam. Wer Klonfleisch sagt, müsste deshalb auch Besamungsfleisch und Sexfleisch sagen. Also lassen wir es lieber bleiben und sparen uns die Verwendung von Klonworten für die Fälle, wo es um lebendige Wesen geht.

28.12.2006 von Detlef Guertler
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Unternehmerbank

von Detlef Guertler

Gerade auf einer langen Zugfahrt wieder ein paar Bücher verschlungen. Eines davon, “Der Unternehmer” von Peter May, bot genau auf Seite 100 zwar keine neue Einsicht, aber dafür ein neues Wort. Der Autor schreibt etwas über eine Studie der “bekannten Unternehmerbank J.P. Morgan”. Meines Wissen hat noch niemand jemals J.P. Morgan als “Unternehmerbank” bezeichnet, was auch völlig falsch wäre, da J.P. Morgan in erster Linie Investmentbank, meinetwegen auch Handelsbank ist, aber ganz bestimmt keine Unternehmerbank. Wahrscheinlich hat Peter May einfach nur das englische “merchant bank” falsch übersetzt, was einem deutschen Ökonomieprofessor jederzeit zuzutrauen ist.

Und warum schreibe ich das überhaupt auf, wenn es sich nur um einen Übersetzungsfehler handelt? Weil “Unternehmerbank” eine hübsche Eindeutschung für “Private Equity” sein könnte. Private-Equity-Fonds sind ja Finanz-Institutionen, die in Unternehmen Geld investieren, um sich dann unternehmerisch zu betätigen. Also passt Unternehmerbank.

Natürlich, Unternehmerbank klingt reichlich positiv. In vielen Fällen zu positiv. Aber damit teilt… weiter lesen

27.12.2006 von Detlef Guertler
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Terror-Böller

von Detlef Guertler

Gerade vorhin, beim Brötchenholen, habe ich beim Vorbeilaufen am Zeitungskiosk das Wort “Terror-Böller” aufgeschnappt. Es hätte mich zwar ansatzweise interessiert zu wissen, worum es sich da handeln soll, aber nicht soooo sehr, dass ich mir deswegen das vermutlich eher boulevardeske Druckerzeugnis hätte kaufen wollen, in dem sich dieses Wort aufhält.

Na, schaue ich eben nach dem Frühstück bei Google nach, sagte ich mir. Aber Google findet keine Terror-Böller. Einzig ein Anti-Terror-Böller, laut Indymedia vor vier Jahren in Berlin-Friedrichshain aufgetaucht, ist internetmäßig verzeichnet. Aber die können wohl kaum gemeint sein. Und runter zum Zeitungskiosk komme ich jetzt auch nicht, weil ich erstens einen Sack Kinder hüten muss und es mir zweitens da draußen viel zu kalt ist.

Vielleicht kann ja jemand der geschätzten Leser helfen: Was sind Terror-Böller? Wie wirken sie? Und wo kann man sie kaufen?

24.12.2006 von Detlef Guertler
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Weihnachten

von Detlef Guertler

Natürlich handelt es sich hier um kein neues Wort. Zumindest nicht für uns Deutsche. Aber in diesen Tagen habe ich erstmals eine völlig neue Seite an ihm entdeckt: Das Wort Weihnachten enthält keinen Bezug auf den religiösen Ursprung des zugehörigen Festes! Im englischen christmas steckt Christus drin, in den romanischen Weihnachtswörtern noel (Frankreich), navidad (Spanien) oder natale (Italien) jeweils die Geburt – in Weihnachten weder das eine noch das andere. Wir denken uns zwar bei Weihnachten üblicherweise Christi Geburt mit, aber das Wort Weihnachten selbst ist a-christlich. Geweihte Dinge oder Tage gibt es wohl in allen Religionen, eine Weihnacht ist also für Menschen aller Welt und aller Bekenntnisse problemlos feierbar.
Damit können wir dem Rest des Abendlandes eine wunderbare wortistische Lösung für das Problem mit seinen Weihnachtswünschen liefern. Die Engländer und die Amis trauen sich nicht mehr, merry Christmas zu wünschen, sondern verschicken nur noch Postkarten mit season’s greetings?… weiter lesen

22.12.2006 von Detlef Guertler
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gastgeben

von Detlef Guertler

Dieses bislang allenfalls in Anführungs- oder Ironiezeichen gesetzte Verb erlebt gerade seinen Durchbruch. Die neue Innervierwändigkeit (okay, man darf auch Cocooning sagen) wirft nicht nur Kochbücher und -sendungen im Dutzendpack unter die Leute, sondern auch den einen oder anderen Ratgeber, wie man neben dem Essen auch noch dessen Umfeld hübsch gestaltet.

Dabei ist offensichtlich gleich mehrfach aufgefallen, dass es der deutschen Sprache bislang an einem Tätigkeitswort für das fehlte, was ein Gastgeber tut. Gastgeben nämlich. Immer wurde uns nur erklärt, wie man ein guter Gastgeber wird – aber nicht, wie man gut Gast gibt. Als dann noch die verlagseigene Frauenbeauftragte entdeckte, dass gastgeben viel geschlechtsneutraler ist als GastgeberIn, war das Verb nicht mehr zu stoppen.

Aktuell begegnet es uns im soeben erschienenen und bereits ordentlich verkaufenden Buch “Gastgeben. 101 kreative Ideen” von Eva Neisser. Und in wenigen Wochen gesellt mein Eichborn-Verlag zu ihr noch die beiden Knalltüten Jürgen von der Lippe und Ingo Oschmann… weiter lesen

21.12.2006 von Detlef Guertler
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entgöttern

von Detlef Guertler

Ganze 48 Treffer findet Google für dieses Verb – gerade mal ein Tausendstel dessen, was für die gegenteilige Aktivität, das Vergöttern also, gefunden wird. So selten ist das Entgöttern, dass Google zweifelnd fragt: Meinten Sie: entgittern? Was es denn auch tatsächlich wesentlich häufiger findet als entgöttern.

Sind wir denn nicht schon seit Jahrhunderten im Zeitalter der Aufklärung angelangt? Haben wir es uns nicht zur lustvollen Angewohnheit gemacht, alle und jede Autorität, jeden Gott, jeden Kaiser, jeden Ideologen, von seinem Thron zu stoßen? Wie konnte es uns da passieren, dass die Vergötterung so meilenweit beliebter als die Entgötterung ist?

Und wenn alles das, was da so vergöttert wird, nicht auch wieder entgöttert wird, dann wird der Götterhimmel von Tag zu Tag voller und voller, lauter und lauter, bunter und bunter. Dann schmaust Fußballgott Toni Turek Nektar und Ambrosia mit Sex-Göttin Marilyn Monroe, und Katzengöttin Bastet aus dem alten Ägypten schnurrt zu… weiter lesen

20.12.2006 von Detlef Guertler
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bemautet

von Detlef Guertler

In der verkehrspolitischen Fachsprache ist dieses (jetzt in der Wortwarte aufgetauchte) Wort schon länger gebräuchlich, in den Grundwortschatz will es aber nicht so recht einsickern. Aber spätestens wenn hierzulande die Pkw-Maut auf den Autobahnen eingeführt wird, ist es soweit: Die bislang verwendete Alternative “mautpflichtig” ist so umständlich-gestelzt, dass sie sich nur so lange halten kann, wie kaum jemand diese Eigenschaft beim Namen nennt.

Und eigentlich könnte dem Wort-Dreiklang bemauten, bemautet und Bemautung eine noch viel größere Bedeutung zukommen. Das Wort Maut wird zwar nur in Zusammenhang mit Wege-Gebühren verwendet, aber das für andere Arten von Gebühren verwendete Wort (Gebühr) hat den großen Nachteil, dass sich dazu weder Verb noch Partizip bilden lassen: gebühren und gebührt heißt eben etwas ganz anderes, und die Notlösung “vergebühren”, “vergebührt” und “Vergebührung” sind nun wirklich eher Not als Lösung.

Da könnte man doch eigentlich der an sich ja ganz brauchbaren “Gebühr” das Verb… weiter lesen