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vonDetlef Guertler 04.12.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Gestern kurz vor dem Einschlafen noch bei Kerners „Menschen 2006“ im ZDF vorbeigezappt. Da stand gerade die Klamaukerin Cordula Stratmann mit dem Hacklschorsch und einer Snowboarderin und argwöhnte völlig zu Recht, dass sie jetzt zum Snowboarden verführt werden solle – ausgerechnet sie, die doch so sportophob sei.

Und siehe da: sportophob gab es bislang noch nicht als Wort. Dabei bräuchten wir doch mindestens seit Winston Churchills berühmen „No sports“ ein Adjektiv für diese Geisteshaltung bzw. Lebenseinstellung. Sportophob ist da fast ein bisschen hart, da es eigentlich die Angst (Phobie) vor dem Sport meint, obwohl doch weder Cordula noch Winston im Wortsinne Angst vor der Körperertüchtigung hatten – sie hatten einfach keine Lust drauf.

Falls also jemand da draußen ein etwas sachteres Adjektiv für die Keine-Lust-auf-Sport-Mentalität finden sollte: Immer her damit. Für die Zeit bis dahin ist aber sportophob durchaus brauchbar. Danke, Frau Stratmann.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2006/12/04/sportophob/

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kommentare

  • […] Behandeln wir dieses semantische Foul mit einer Fünfpunkte-Massage: Erstens wird die Wirtschaft nur von neurotisch Naiven mit dem Sport verglichen. Zweitens werden die Spielregeln von eben jenen Firmen, die sich jetzt über entgangene Umsätze beklagen, am liebsten ganz ausgehebelt. Drittens kann von Fouls nur die Rede sein, wenn beide Mannschaften den selben Kodex einhalten – hier sind weder Mannschaften noch Kodizes vorhanden. Viertens gibt es keinesfalls nur Verlierer. Der kindliche, aber echte Spassgewinn, den uns eine Rolex für 20 Dollar beschert, wird wohl bald von Alain de Botton untersucht werden. Fünftens stehen uns die ausgelatschten Sportmetaphern bis zum Hals (Es ist zum Sportophob-Werden). Und die wörtliche Euro ™ 2008 ™ hat noch gar nicht begonnen. […]

  • Eine Verbindung zu Churchill zu ziehen ist abwegig, der war nämlich absolut nicht gegen Sport. Er hat lange Jahre Fechten und Reiten sowie Polo betrieben. Also sollte man seine Aussage »No Sports« im Kontext betrachten.
    Wenn es diese denn überhaupt je gegeben hat, der Zeit-Artikel unten hat einige schlagkräftige Argumente dagegen. Unsere englischen Kollegen haben das Zitat übrigens noch nie gehört.

    Siehe http://www.uni-trier.de/uni/unisport/ws0506/Aktuell/Churchill.htm
    sowie http://www.zeit.de/2005/25/Stimmts_25

  • Das Suffix „-phob“ wird auch im weiteren Sinne für „abstoßend“, z.B. in der Chemie: „hydrophob“ = wasserabweisend (z.B. Fette), benutzt, insofern wäre auch die Verwendung von „sportophob“ im Sinne von „sportscheu“ oder „sportabweisend“ absolut korrekt.
    Mein Alternativvorschlag für „sportophob“ wäre „churchillig“ – eine Mischung aus einer kleinen Verbeugung vor dem geistigen Vater der „No sports“-Haltung und dem jugendsprachlichen „chillig“ (faul rumhängend). Auch wenn das zugegebenerweise ziemlich nach Anglizismus klingt, ist mir die Ironie und das Sprachspielerische dieses Kompositums sehr sympathisch.
    A propos Kerner: Ich fände es auch mal an der Zeit, ein Adjektiv zu finden für die Abneigung gegen Dummschwätzer Johnannes B. Kerner. Wie wäre es dem obigen Beispiel gemäß mit „kernaphob“?
    Für mich persönlich gibt es im deutschen Fernsehen keinen Prominenten, der dermaßen überbewertet ist (wenn man mal von den Volksmusik-Zombies à la Silbereisen oder Carmen Nebel o.ä. absieht, die sich sowieso kein vernunftbegabter Mensch antut) und keinen, der so offensichtlich versucht, mit seinem Yuppie-Jargon die eigene Inkompetenz zu übertünchen – bes. beim Fußball, von dem er leider überhaupt keinen blassen Schimmer hat. [Gottseidank hat das das ZDF mittlerweile auch gemerkt und ihn als Live-Kommentator zurückgezogen und ihm stattdessen als Studio-Moderator mit Klopp und einem Schweizer Schiri gleich zwei Experten als Korrektiv zur Seite gestellt, die bei den gröbsten Schnitzern einschreiten sollen und von diesem Recht auch weidlich Gebrauch machen.]
    Ich muss mich an dieser Stelle mal outen (oder heißt es „wowereiten“?): Ich bin hochgradig kernaphob – und das ist auch gut so.

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