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vonDetlef Guertler 11.12.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Zwei der sympathischten deutschen Wörter, die Liebe und die Seligkeit, in einer typisch deutschen Zusammensetzung. So wie die Redseligkeit einen besonderes ausgeprägten Redefluss und die Mühseligkeit besonders große Plackerei bezeichnet, würde Liebseligkeit ein besonderes Liebesvermögen bezeichnen. Würde – wenn wir dieses Wort benutzten.

Wir dürften gar wohl. Wir könnten uns dabei auf Robert Musil berufen, der im „Mann ohne Eigenschaften“ schrieb: „Anscheinend ist seine Liebseligkeit mit der Redseligkeit im Wesen verbunden, und das so tief geheimnisvoll, daß es fast an die Alten gemahnt, nach deren Philosophie Gott, Menschen und Dinge aus dem ‚Logos‘ entstanden sind, worunter sie abwechselnd den Heiligen Geist, die Vernunft und das Reden verstanden haben.“

Auch der nicht minder respektable (oder kann man „ehrselige“ sagen?) Burkhard Spinnen verwendete dieses Wochenende die Liebseligkeit in der „Literarischen Welt“: „Die Liebseligkeit, sagt Musil, ist eine Redseligkeit. Wenn wir unsere Kinder lieben, reden wir mit ihnen.“

Aber sonst weit und breit keine Belege für den Gebrauch der Liebseligkeit. Wenn wir uns einmal für einen Moment so fühlen, als möchten wir die ganze Welt umarmen, können wir uns „überglücklich“ nennen. jenen Menschen hingegen, die sich immer so fühlen, bescheinigen wir nicht Liebseligkeit, sondern – Helfersyndrom.

Wie armselig.

Liebseligkeit, w: besonders ausgeprägtes Liebesvermögen

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kommentare

  • Ist es eine deutsche Besonderheit dass man in unserer Sprache gute Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Liebseligkeit, Mitgefühl usw. mit Vokalbeln wie „Gutmenschentum“, „Helfersyndrom“ o.ä. difamiert oder gibt es das in anderen Sprachen auch? Ist diese Art von „negativem Euphemismus“ menschlich oder ist sie deutsch?

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