anti-aging

Heiß tobt die Diskussion im Forum des Vereins Deutsche Sprache um die aktuelle Monatsaufgabe der „Aktion Lebendiges Deutsch“: Soll man wirklich ein deutsches Wort für „anti-aging“ suchen, wo es doch so etwas überhaupt nicht gibt? Schließlich macht uns keine der Cremes und Kuren, die dieses Adjektiv im Namen führen, auch nur eine Sekunde jünger:  „Anti-Aging ist kein Begriff, sondern eine Lüge. Das Deutsche bedarf ihrer nicht“, schreibt dort etwa schamane, und schlägt folgerichtig als Eindeutschung „Jüngeraussehvortäuschundpappköppendasgeldausdertascheziehquark“ vor.

Genau wie die ebenfalls im VDS-Forum aufgetauchten Vorschläge Runzelrückstau und Altershemmung hat jedoch auch Jüngeraussehvortäuschundpappköppendasgeldausdertascheziehquark einen entscheidenden Mangel: Es handelt sich um Substantive – anti-aging wird aber in der Regel als Adjektiv gebraucht. Anti-aging beschreibt eine Eigenschaft, die diese Cremes haben sollen (aber natürlich nicht haben), also müsste die Neubewortung nach einem Eigenschaftswort suchen, das ebenfalls verspricht, den Alterungsprozess aufzuhalten, aber dieses Versprechen in der Realität nicht halten kann.

In der Geschichte gibt es dafür zwei Vorbilder: den Jungbrunnen und die Nahrungsmittel der griechischen Götter. Den Jungbrunnen schließe ich aus – er ist so erwiesenermaßen inexistent, dass weder ein Hersteller noch ein Verwender von Anti-Aging-Produkten ihn verwenden würde. Und wenn nur diejenigen, die mit dem Zeug nichts zu tun haben, ein Neuwort verwenden, ist nichts gewonnen, weil die das Wort mangels Gelegenheit nicht verwenden werden.

Also steigen wir auf den Olymp. Zeus, Hera, Athene, Hermes und Konsorten ernährten sich dort von zwei Produkten, die ihnen Unsterblichkeit und ewige Jugend garantierten: dem Göttertrank Nektar und der Götterspeise Ambrosia. Der Nektar wiederum ist unpassend, da schon besetzt, weil unerklärlicherweise Mischungen aus Fruchtsaft und Zuckerwasser sich so nennen dürfen. Also bleibt Ambrosia, und weil wir ein Adjektiv suchen: ambrosisch. Ambrosische Cremes und ambrosische Therapien, die könnte man verkaufen und guten Gewissens konsumieren. Wer dran glaubt, darf sich ein wenig göttlich fühlen – und wer nicht, lächelt leise über jene Menschen, die den Göttern so nah sein wollen wie einstmals Ikarus mit seinen wächsernen Flügeln.

Kommentare (4)

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  1. Es gibt sogar einen Blog ums Anti Aging: http://www.mensvita.de
    Cool, was ?

  2. Die Bilder von Sofia Loren im neuen Pirelli-Kalender werfen Fragen auf. Chemie oder Chirurgie? Um bei Pirelli zu bleiben: Haut so glatt wie abgefahrene Formel1-Slicks. Wie geht das? Normalerweise entwickelt sich menschliche Haut anders als ein Autoreifen. Die Pneus verlieren durch Alter und Benutzung ihr Profil. Bei mir ist es umgekhrt. Mein Motto ist jetzt: „Ich habe keine Falten; ich habe (viel) Profil.“

  3. Da haben wir unterschiedliche Herangehensweisen, werter Monarch. Mein Vorschlag „ambrosisch“ ist in der Tat äußerst euphemistisch. Allerdings habe ich auch nach einem Wort gesucht, das sowohl die Produzenten als auch die Nutzer von solchen Produkten statt anti-aging verwenden könnten – in der ökonomistischen Annahme, dass sich eine solche Neubewortung nur durchsetzen kann, wenn sie von den betreffenden Unternehmen übernommen wird. Ambrosisch hätte dabei sogar den Vorteil, dass der aufgeklärte, Schönheitsversprechen abholde Teil der Menschheit es ebenfalls benutzen könnte, da es sich bei den Geschichten von den Nektar und Ambrosia vertilgenden Göttern auf dem Olymp ja auch nur um Märchen handelt.

  4. „Ambrosisch“ für eine „DNAge“-Pappe? Perlen vor die Säue, lieber Detlef. Dann worte ich schon lieber ein Adjektiv wie „fältchenleugnend“ (authentischer Neologismus mit 0 Google-Treffern). Das kombiniert die Tatsache mit dem Abstreiten derselbigen.