Plauderwelsch

Lob und Preis sei dem Herrscher des Wortreichs, der dieses Wort im schier undurchdringlichen Dickicht des Wortwarts entdeckte. Denn während die wortwärtlichen Wortschöpfungen meist eher eine kindlich-pubertäre Freude an der Subversion denn eine Prüfung auf Verständlich- oder Nützlichkeit verraten, macht sich Wortreich-Macher Michael Staub immer auch Gedanken darüber, wie Neuschöpfungen tatsächlich produktiv werden können.

Das Plauderwelsch zeigt diesen Unterschied sehr deutlich. Beim Wortwart wird es definiert als „Aussenstehenden unverständliches Gemurmele, welches meist in hysterische Lachanfälle übergeht“. Als solches wäre das Plauderwelsch allenfalls in wenigen Fällen verwendbar. Das Wortreich denkt weiter: „Schöner als das neudeutsche Smalltalk, netter als Gefasel und Gesülze, aber nicht gleich so hochgestochen wie das Kommunizieren oder Ausdiskutieren“, heißt es dort.

Und als Ersatz für den Small-Talk könnte dem Plauderwelsch tatsächlich eine brilliante (und charmante) Karriere bevorstehen. Denn auf diesem Platz klingt es wesentlich wohler als alles, was der Verein Deutsche Sprache in seinem Anglizismenindex als Smalltalk-Übersetzung anbietet.

Wessen geistige Leistung ist nun höher zu schätzen? Die des Wortwarts, der das Plauderwelsch in die Welt setzte, oder die des Wortreichs, das ihm den Sinn seines Lebens erklärte?

Kommentare (10)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

  1. Pingback: Wortistik » Blog Archive » Happy Hour

  2. Pingback: Wortistik » Blog Archive » Humorkrepierer

  3. Plauderwelsch trifft das unverbindliche Kollektivplappern, vulgo Smalltak, aufs Schönste – zumal es von Plapperstörchen in die Welt gesetzt wird.

  4. Bisweilen ist es wohl besser, ein Missverständnis bestehen zu lassen, als sich mit weiteren Erklärungen um Kopf und Kragen zu schreiben…. Nur soviel: Ich wollte natürlich nicht von Frau Moser erwarten und schon gar nicht verlangen, dass Sie weblogs darauf prüft, ob sie dort schon mal zitiert wurde.

  5. Eine weise Entscheidung, werter Zyklop. Denn in der Tat war genau dieses Zitat hier schon einmal auf Sendung, nämlich als Kommentar zur Überwandlung,
    http://taz.de/blogs/wortistik/2006/11/28/ueberwandlung/
    aber damals eben nicht von Frau Moser persönlich eingestellt.
    Ich finde, man darf von Edda Moser nicht verlangen, dass sie jedes Weblog, das sie liest, daraufhin überprüft, ob dort schon mal jemand etwas von ihr zitiert hat.
    Aber wer immer dieses Zitat jetzt noch einmal als Kommentar anbringen möchte, wird gnadenlos gelöscht!

  6. Edda Moser jetzt persönlich? Kann es sein, dass ich ihren obigen Kommentar schon einmal als Zitat in diesem Blog gelesen habe? Da ich die gnädige Frau Professor und ihre Kunst bewundere, habe ich mich bezwungen und ein Wortspiel, das mir in den Sinn kam, unterdrückt.

  7. ist nicht das eigentlich schöne das ergebnis, das aus den so unterschiedlicheden anteilen der beiden entsteht? ist es nicht irrelevant, welchen beitrag man höher einschätzt, wenn das resultat so bestechend ist?

  8. Diese schrecklichen Anglizismen! Ich habe einmal ein Fernsehinterview gegeben, da fragte mich eine Reporterin: ‚Was ist denn eigentlich Ihre Message?‘ Ich sagte: ‚Wie bitte?‘ Und sie sagte wieder: ‚Message‘. Ich antwortete ihr, daß ich nicht wisse, wovon sie spricht. Ich habe sie gebeten, das Wort ‚Message‘ zu übersetzen, und das konnte sie nicht. Stellen Sie sich das einmal vor! Furchtbar, wie unsere kostbare, wunderbare Sprache verunstaltet wird… Unsere Sprache ist im Begriff, wie ein krankes Tier zu verenden – auch auf Deutschlands Bühnen. Das Publikum dürfte sich das nicht bieten lassen, doch man schüttelt nur den Kopf, sagt ‚Schweinerei‘, und das war’s… Wir müssen unsere Sprache durch einen klugen und liebevollen Gebrauch schützen. Die Franzosen sind da ganz anders hinterher. Daß sie ihre Sprache pflegen, finde ich fabelhaft.

  9. Ist es nicht politisch inkorrekt? Schließlich ließ ja die wackere Lea R. das Niedersachsenlied eben u.a. wegen „welsch“ aus dem Programm nehmen.

  10. Danke für die Blumen! 🙂