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vonDetlef Guertler 19.12.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Der Herrscher des Wortreichs machte mich auf einen Artikel in der Sonntagsausgabe der Neuen Zürcher Zeitung (leider nicht online) aufmerksam: Der Schweizer Schriftsteller Hugo Loetscher erzählt dort über den veränderten Umgang mit Randerscheinungen der deutschen Sprache – wie zum Beispiel dem österreichischen, dem luxemburgischen oder dem Schweizer Deutsch.

Es habe sich, so Loetscher, „die Erkenntnis durchgesetzt, dass Deutsch keine homogene Sprache ist, sondern plurizentrisch“. So dass gerade auch vom Rand des deutschen Sprachraums die Hochsprache bereichert werden könne.

Die wortistische Weltanschauung ist demgegenüber weder mono- noch plurizentrisch, nimmt weder für den Rand noch für den Kern des Sprachraums Stellung, sondern agiert ästhetisch-demokratisch (oder demokrästhetisch?): Wo immer Neuworte herkommen, sind sie eingeladen, sich mit den derzeit gebräuchlichen Worten zu messen. Und nur ein Wort, das genügend Menschen davon überzeugt, es ihrem Wortschatz hinzuzufügen, hat eine Chance, ein vollwertiges Mitglied der deutschen Sprache zu werden.

Ja, solche Worte können sogar aus der Schweiz kommen. Loetscher erwähnt beispielsweise das nur in der Schweiz gebräuchliche „Hick“ für „kleine Beschädigung an einem Gegenstand“: „Wenn man zum Beispiel unsorgfältig hobelt, können Hicks entstehen, die nichts zu tun haben mit Kerben – Kerben werden bewusst gesetzt, Hicks aber nicht.“

In der Tat: Dafür gibt es in der deutschen Kernsprache bislang kein eigenes Wort. Also spräche nichts dagegen, den Hick vom schweizerdeutschen zum deutschen Wort zu befördern.

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http://blogs.taz.de/wortistik/2006/12/19/hick/

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kommentare

  • Im amerikanischen (englischen?) bedeutet ‚Hick‘ Hinterwäldler, oder Saubauer, das ‚Hick-girl‘ hingegen ist der Bauerntrampel, im Gelischen bedeutet Hick, ‚Richards Sohn‘. In Österreich ist es z. B. mein Familienname. Wenn die Schweizer ihre Bedeutung für Hick in Deutschland und Österreich einbringen wollen, so täten die Schweizer gut daran, sich vorher selbst anzupassen und z. B. das ‚Eszett‘ wieder einzuführen bzw. zu übernehmen. Um sich dann erst Gedanken zu machen dem Hick ausserhalb ihres Landes eine Bedeutung zu geben!

  • Kenn ich, Hausi!

    Ein Hick kann sich sowohl auf einer Tischplatte, Schank(-tür) aus Holz etc. in Form von kleinen Dellen befinden als auch in einem Keramiklavabo oder am Spiegel (hier sind es dann eher kleine Abschlagungen).

  • Ein Hick ist keine Schramme. Letzteres ist eine Schürfwunde, den Hick finde ich dagegen im Tisch, genau dort, wo mein dreijähriger Sohn sitzt.

  • Kann es sein, dass der Schweizer, wenn er zum Beispiel unsorgfältig trinkt „hickst“?? Also dass er an sich unbewußte Kerben setzt, die Beschädigungen aber am nächsten Morgen gegenstandslos sind? Hick war schon immer auch ein autochton deutscher Ausdruck, pluri- und sogar über das „Deutsche“ hinaus global-zentrisch, zumindest indogermanisch. Prost!

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