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vonDetlef Guertler 24.12.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Natürlich handelt es sich hier um kein neues Wort. Zumindest nicht für uns Deutsche. Aber in diesen Tagen habe ich erstmals eine völlig neue Seite an ihm entdeckt: Das Wort Weihnachten enthält keinen Bezug auf den religiösen Ursprung des zugehörigen Festes! Im englischen christmas steckt Christus drin, in den romanischen Weihnachtswörtern noel (Frankreich), navidad (Spanien) oder natale (Italien) jeweils die Geburt – in Weihnachten weder das eine noch das andere. Wir denken uns zwar bei Weihnachten üblicherweise Christi Geburt mit, aber das Wort Weihnachten selbst ist a-christlich. Geweihte Dinge oder Tage gibt es wohl in allen Religionen, eine Weihnacht ist also für Menschen aller Welt und aller Bekenntnisse problemlos feierbar.
Damit können wir dem Rest des Abendlandes eine wunderbare wortistische Lösung für das Problem mit seinen Weihnachtswünschen liefern. Die Engländer und die Amis trauen sich nicht mehr, merry Christmas zu wünschen, sondern verschicken nur noch Postkarten mit season’s greetings? Sollen sie statt dessen doch einfach happy weihnacht verschicken! Die Christen unter den Grußempfängern fühlen sich angesprochen, alle anderen nicht ausgegrenzt.

Als religiös korrektes Wort für die Festivitäten Ende Dezember könnte unserer guten alten Weihnacht damit eine fulminante Weltkarriere bevorstehen. In diesem, und jedem anderen Sinn: Frohe Weihnachten!

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https://blogs.taz.de/wortistik/2006/12/24/weihnachten/

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kommentare

  • Es weihnachtet international – in Zukunft vielleicht Happy Weihnacht?…

    Einen amüsanten Beitrag zum Thema Weihnachten und der Wortwahl für internationale Grußbotschaften habe ich hier gefunden:
    Natürlich handelt es sich hier um kein neues Wort. Zumindest nicht für uns Deutsche. Aber in diesen Tagen habe ich erstmals …

  • Ein letztes Wort zu Pascua.
    In den Wörterbüchern fehlt für Pascua die Bedeutung „Wichtiges Fest der Christenheit“; womit erklärt ist, weshalb die Spanier sagen: Pascua de Navidad (Weihnachten), Pascua de Reyes (Dreikönig), Pascua de Pentecostés (Pfingsten) usw. Im Plural Felices Pascuas mögen die Pascua de Navidad und die Pascua de Reyes gemeint sein. Für merry christmas wird übrigens, wie meine spanischen Bekannten bestätigen, immer mehr Feliz Navidad gesagt/geschrieben.
    Der spanische Neujahrwunsch klingt gar nicht spannend: Feliz Año Nuevo, vereinfacht, z.B. in Mails, auf Feliz Año.
    Es gibt auch die Formel Próspero Año Nuevo, die aber nur in Verbindung mit Felices Pascuas bzw. Feliz Navidad benutzt wird: Felices Pascuas y …
    Eine Freundin aus Madrid verabschiedete sich neulich in einer Mail mit den Worten: ¡Feliz año y hasta la próxima!
    Das sage ich allen in diesem Forum ebenfalls.

  • Servus und Grüß Gott 🙂 Herr Guertler, Sie sollten die neue Rubrik „Spanisch für Anfänger und Fortgeschrittene“ einrichten. Dann würde ich mich bei der VHS anmelden und diese Sprache lernen. Mit Griechisch komme ich eh nicht so recht voran. Wie wünscht man ein gutes neues Jahr auf spanisch?

    P.S.: Pascal bedeutet „an Ostern geborener“.

  • Why nachten? why not. Sollen wir dieses christliche Fest entgöttern? Wollen wir es unterlassen, christlich zu grüßen? Ich habe einen Vorschlag zur Neubewortung für „etwas herunter spielen, einknicken im Sinne von H.M.Broder; kapitulieren bevor der Kampf beginnt“: Ich schlage „Verharmslosen“ vor.

    P.S.: pascua kommt vermutlich von Passa? Im Nordischen gibt es das paske-bröd. Das sind diese süßen Pappbrötchen, die dem Passabrot nachempfunden sind und in denen rote hotdog-Würstchen oder Hamburger gereicht werden.

  • Noch ein letztes Mal Klugscheißerei: „Felices Pascuas“ heißt sowohl „Frohe Ostern“ als auch „Frohe Weihnachten“.

  • Falsches Fest, coulibaly,
    „Felices pasquas“ heißt „Frohe Ostern“! Trotzdem Frohes Fest! Wobei ich mich dieser Tage häufig mit „Frohe Feste“ von den Menschen verabschiedet habe, die ich erst im neuen Jahr wiedersehe. Kommt ja dcoh ganz schön was an Festen zusammen in dieser Zeit…

  • Kleine Klugscheißerei am Rande: Obwohl man bei Weihnachten und Spanien gleich an den Welthit von José Feliciano „Feliz Navidad“ denkt, ist nach meinen Erfahrungen die Wendung „Felices Pascuas“ (was aber freilich ebenso christlich aufgeladen ist wie „Navidad“) in Spanien viel gebräuchlicher. („Feliz Navidad“ dagegen wohl mehr in Hispanoamerika).
    Ihren Vorschlag „happy weihnacht“ (vielleicht auch „happy W-nacht“?) ist mir auch durchaus sympathisch. Im Deutschen dagegen ist mir „Frohes Fest“ am liebsten: kurz, knackig, alliterativ (und zufällig auch ohne ausschließlich christliche Konnotationen).
    Auf der anderen Seite: Wenn sich Moslems zum Ramadan oder Zuckerfest die besten Wünsche austauschen, gehen wir auch nicht auf die Barrikaden, oder? Warum auch?
    Obwohl mir Henryk M. Broder normalerweise viel zu polemisch und läppisch daherkommt, möchte ich in diesem Zusammenhang seinen neuen Buchtitel zitieren: „Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken“ (vor dem Islam)…

  • Und ich wünsche nicht nur frohe Weihnachten, sondenr auch frohes Weihnachten – auch als Verb taugt das Wort alleweil. Do you weihnacht?

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