Unternehmerbank

Gerade auf einer langen Zugfahrt wieder ein paar Bücher verschlungen. Eines davon, „Der Unternehmer“ von Peter May, bot genau auf Seite 100 zwar keine neue Einsicht, aber dafür ein neues Wort. Der Autor schreibt etwas über eine Studie der „bekannten Unternehmerbank J.P. Morgan“. Meines Wissen hat noch niemand jemals J.P. Morgan als „Unternehmerbank“ bezeichnet, was auch völlig falsch wäre, da J.P. Morgan in erster Linie Investmentbank, meinetwegen auch Handelsbank ist, aber ganz bestimmt keine Unternehmerbank. Wahrscheinlich hat Peter May einfach nur das englische „merchant bank“ falsch übersetzt, was einem deutschen Ökonomieprofessor jederzeit zuzutrauen ist.

Und warum schreibe ich das überhaupt auf, wenn es sich nur um einen Übersetzungsfehler handelt? Weil „Unternehmerbank“ eine hübsche Eindeutschung für „Private Equity“ sein könnte. Private-Equity-Fonds sind ja Finanz-Institutionen, die in Unternehmen Geld investieren, um sich dann unternehmerisch zu betätigen. Also passt Unternehmerbank.

Natürlich, Unternehmerbank klingt reichlich positiv. In vielen Fällen zu positiv. Aber damit teilt das Wort das Problem der bisher einzigen gebräuchlichen Eindeutschung von Private Equity – der Heuschrecke. Nur umgekehrt natürlich. Für das, was Private Equity mit den übernommenen Unternehmen anstellt, ist Heuschrecke reichlich negativ. In vielen Fällen zu negativ.

Wenn der Private-Equity-Branche irgend etwas an einer Akzeptanz in der deutschen Öffentlichkeit läge, sollte sie versuchen, für sich selbst ein Wort wie Unternehmerbank durchzusetzen. Da der Branche diese Akzeptanz jedoch herzlich egal ist, können wir für den Hausgebrauch weiterhin bei den Heuschrecken bleiben.

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