von Hartmut Bohn:
frankensteinen. Verb. In einer virtuellen Welt (z.B. “Second Life”) einen Avatar aus verschiedenen Teilen zusammensetzen und konfigurieren.
Laut Google gibt es tatsächlich schon ein paar Vorkommen.
von Hartmut Bohn:
frankensteinen. Verb. In einer virtuellen Welt (z.B. “Second Life”) einen Avatar aus verschiedenen Teilen zusammensetzen und konfigurieren.
Laut Google gibt es tatsächlich schon ein paar Vorkommen.
Kurz vor 9, Frühstückshektik, wenn Clemens jetzt nicht einen Zahn zulegt, kommt er zu spät zur Vorschule. Aber Clemens sitzt stillvergnügt im Schlafanzug am Küchentisch und mümmelt sein Erdbeernussnugatbrot. “Los jetzt”, treibe ich ihn an. “Schlafanzug aus, Strümpfe an, Unterhose an…” Weiter komme ich nicht. “Munterhose, Munterhose”, trällert Clemens. “Ich zieh mir meine Munterhose an, ich zieh mir meine Munterhose an”, und immer so weiter.
Natürlich sind wir fünf Minuten zu spät zur Vorschule gekommen. Aber das dafür in bester Laune.
Ein mir bislang nicht bekannter Kinderbuchpreis namens “Luchs des Jahres” wurde in der Zeit an den mir bislang nicht bekannten niederländischen Autor Guus Kuijer für das mir bislang nicht bekannte Buch “Das Buch von allen Dingen” vergeben. Der mir bislang nicht bekannte Autor der zugehörigen Artikels, Konrad Heidkamp, versteckte in seinem Beitrag über die Preisvergabe das hochinteressante Neuwort “Menscharium” (um damit ein noch viel unbekannteres Buch zu loben, das knapp am Luchs des Jahres vorbeigeschlittert sein soll), und wenn die Wortwarte das nicht gemerkt hätte, wäre es mir wahrscheinlich nie aufgefallen.
Menscharium also. Dem Terrarium, Aquarium, Herbarium etc. nachgebildet, also ein Ort, an dem man Menschen wie in freier Wildbahn betrachten kann. Wortistisch korrekt wäre die latinisierte Nachbildung Homorium oder Homarium, aber das eine klingt lächerlich, und das andere nach Margarine, außerdem wäre nicht klar, ob mit dem Homo der Mensch oder der Mann gemeint… weiter lesen
Typisch Politik. Da sind sich Sozi Peter Struck und Christian Wulff von der CDU einig, dass in Zukunft die Arbeitsmarktreformgesetze nicht mehr nach Hartz benannt sein sollten – aber keiner von beiden macht auch nur den geringsten Vorschlag, wie sie sonst heißen könnten. Alles muss man selber machen.
Der Grundgedanke ist dabei durchaus richtig: Der grundlegende Umbau der deutschen Sozialpolitik, der in der faktischen Ersetzung der Sozialhilfe durch “Hartz IV” gipfelte, braucht einen anderen Namen – einen, der nicht auf den Ideengeber, ob vorbestraft oder nicht, sondern auf den Inhalt verweist.
Was also ist Hartz IV? Asozialhilfe? Zwangsarbeitslohn? Armenhilfe? Wer mag mir – und damit der Republik – helfen?
Wer immer noch nicht verstanden hat, warum deutsche Werbung in der Regel so furchtbar fantasielos ist, sollte zur Anschauung mal bei der Werbeagentur mannbeissthund vorbeischauen, die diese Woche auf die genial fantasiefantastische Idee gekommen ist, das Wort Fisimatenten vor dem Exitus retten zu wollen, den es auch sonst gar nicht erleben wird, sondern den ihm nur Bodo Mrozek angedichtet hat.
Hey, liebe Werber: Wie wär’s statt dessen, sich mal um neue Wörter zu kümmern? Es gibt schon so viele Denkmalschützer der deutschen Sprache, einige davon sogar durchaus sympathisch, warum muss sich jetzt auch noch die sogenannte Kreativ-Branche für die Rettung jahrhundertealter Wörter verantwortlich fühlen? Na, weil es sich um ein Unternehmen aus der deutschen Kreativ-Branche handelt, und in Deutschland gilt es eben schon als kreativ, wenn man Fachwerkhäusern ihr Fachwerk bewahrt.
Ich gebe ja zu, ich bin ein reiner Buchstabenmensch. Bilder, ob bewegt oder nicht, interessieren mich nicht die Bohne. Ich weiß, dass man sie braucht, um beispielsweise Zeitschriften oder Fernsehen zu machen, aber ich bin sehr froh, dass die tayloristische Arbeitsteilung dafür gesorgt hat, dass sich andere Menschen darum kümmern: Grafiker, Art Directoren, Bildredakteure.
Ich weiß, viele Menschen da draußen sind anders. Weshalb sich wohl zu jeder beliebigen Sekunde, die der Herrgott wachsen lässt, mehr Menschen bei youtube oder flickr rumtreiben als bei der Wortistik. Ich trage dieses Schicksal mit Demut.
Leider kann ich deshalb nicht so genau sagen, ob nur mir das Verb “flickern” so merkwürdig vorkommt, das Felix Schwenzel bei wirres.net so selbstverständlich verwendet. Natürlich kann es die Kommunikation unter Bildverwendern und -betrachtern erleichtern, wenn durch dieses Verb nicht nur klar ist, dass sich irgendwelche Bilder, auf die nicht die Welt, aber vielleicht der… weiter lesen
von Kaishakunin:
Im heutigen Schandmaennchen.de gibt es ein nettes Wortspiel:
Roofschädigung
Die Pannenserie am neuen Berliner Hauptbahnhof reißt nicht ab. Nachdem durch den Orkan “Kyrill” bekannt geworden war, dass die Stahlträger in der Dachkonstruktion nicht befestigt wurden, sondern lediglich lose aufliegen, …
Architekten sprechen in dem Zusammenhang auch von der sogenannten “Jenga-Bauweise”.”
Roofschädigung finde ich richtig geil ![]()
Die Wortwarte hat ein besonders prägnantes Exemplar der Serie “Kulturen, die die Welt nicht braucht” entdeckt. Zumindest wortistisch nicht braucht. Eine Stadt, ein Platz, sogar ein Kaufhaus kann schön sein, kann zum Bummeln, zum Schlendern, zum Verweilen einladen. Aber der ganze heimelige Eindruck wird mit dem Hintern wieder eingerissen, wenn man vom “süßen Hauch arabischer Wohn- und Verweilkultur” schreibt.
Aber wie kann man das sonst nennen, dieses anheimelnde, zum Verweilen einladende? Bummel-Ambiente? Mußigung? Weder noch. Am besten vermeidet man jede Substantivierung und verwendet ein schlichtes “schön” oder gleich einen ganzen Blumenstrauß voller hübscher Adjektive. Die heißen ja nicht umsonst Eigenschaftsworte.
Auf ein bislang weitgehend unbeachtetes Problem hat Leonhard Fischer in der “Welt am Sonntag” hingewiesen. “Die Besserverdienenden sehen sich heute einer sehr hohen Inflationsrate ausgesetzt”, verriet der künftige Europa-Chef der Bank Credit Suisse, und zitierte, leider ohne Quellenangabe, Berechnungen, wonach diese sich auf “bis zu acht Prozent jährlich” belaufe.
Die Abzocke an der Laden- und Restaurantkasse durch diese “unglaubliche Verschiebung der relativen Preise” scheint in ihrer Wirkung alles zu übertreffen, was sich linke Sozialdemokraten an Reichen-Folterwerkzeugen einfallen lassen: “Klassische Massenware steigt kaum oder fällt sogar im Preis. Luxusgüter, Wohnungen, Privatschulen und Gesundheitskosten steigen hingegen extrem stark an.”
Da Leonhard Fischer kein grinsender Kapitalknecht, sondern ein äußerst kluger Banker ist, unterstelle ich der Einfachheit halber, dass seine Behauptung stimmt (wobei ich für jeden Hinweis auf Quellen dieser Berechnungen dankbar wäre). Dann gäbe es in der Tat eine so hohe Differenz zwischen der vom Statistischen Bundesamt berechneten Inflationsrate und der Inflationsrate für… weiter lesen
Vielerorts machen sich die Zeitungen derzeit Gedanken, was denn bleiben wird von der Ära des Edmund Stoiber. Dass es sich dabei um ein Thema nicht nur für Historiker und Politologen, sondern auch für einen Wortisten handeln könnte, hätte selbiger allerdings nicht gedacht. Bis ihn Gerhard Polt in der heutigen WELT eines besseren belehrte: “Was bleiben wird”, so Polt, “ist der Begriff des Sommer-Stoibers. Das ist dieser Sommer-Trachten-Janker, den er immer anhat. Der Sommer-Stoiber wird auch weiterhin getragen werden und wird auch so heißen.”
Sommer-Stoiber? Das wäre ja das erste Mal seit Gustav Stresemann (1878 – 1929), dass ein deutscher Politiker einem Kleidungsstück einen Namen gibt! Mir war der Begriff neu. Wenn Polt ihn aber als bereits eingeführt bezeichnet, muss er ja wohl zumindest vereinzelt im Gebrauch sein, und muss ihn ja wohl irgendwann mal irgend jemand erfunden haben.
Also frisch ans Werk auf der Suche nach den Ursprüngen… weiter lesen