Gluff

Gerade in der WELT auf die von Peter Stein verwendeten „Gedankenfürze“ gestoßen, die er „diesen relativ dummen Leuten, die sich zurzeit Regisseure nennen“, seinen Kollegen also, unterstellt. Und dabei auf die Frage gekommen, wie man denn wertneutral einen kleinen Gedanken nennen kann.

Ein Gedankenfurz ist zwar sicherlich ein eher kleinformatiges Denkerzeugnis, aber natürlich eindeutig negativ belegt. Genau umgekehrt verhält es sich beim Gedankenblitz, der sehr nahe am Geistesblitz liegt (siehe auch das Geistesblitzen) und deshalb nur für positiv behaftete Kleingedanken verwortbar ist.

Die klassischen deutschen Verkleinerungsformen sind für den Gedanken allesamt unbrauchbar. Weder Gedankchen noch Gedänkchen, weder Gedanklein noch Gedänklein haben eine Chance, sich durchzusetzen.

Also müsste ein neues Wort her, also frage ich meine Kinder: Wie könnte man einen kleinen Gedanken nennen? Geddi, schlägt Leonie vor, sozusagen die Koseform des Gedankens. Ein zwar interessanter Ansatz, aber leider klingt Geddi wie die sächsische Fassung eines Golfballjungen, und irgendwie auch, na ja, zu niedlich. Der kleine Gedanke soll nicht so etwas sein wie der Chihuahua unter den Gedanken, sondern einfach nur ein kleiner Gedanke.

Wie könnte das Wort für einen kleinen Gedanken heißen, frage ich Clemens. Der schaut für ein paar Sekunden aus seinem Donald-Duck-Buch hoch, und sagt „Gluff“. – Gluff? – „Ein kleiner Gedanke ist ein Gluff“, bestätigt er noch einmal, und versenkt sich dann wieder in seine Lektüre.

Ich steige kopfschüttelnd von Clemens‘ Hochbett herunter. Gluff, das ist doch gar nichts, das sagt doch bestimmt keiner: Ich habe einen Gluff, oder: Das ist mir zu gluffig, da musst du noch mal drüber nachdenken. Aber je öfter ich den Gluff vor mich hermurmle, desto besser gefällt er mir: Kurz, knackig, ein bisschen hirnig, weder positiv noch negativ besetzt, Gluff ist das ideale Wort für einen kleinen Gedanken.

Oder ist das jetzt doch zu gluffig?

Kommentare (2)

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  1. zu „kleine gedanken fassen“ hätte ich ja ne idee: denkeln; aber leider bietet das keine substantivische lösung.
    vielleicht kommt die auf diesem wege: die vorsilbe „ge“ legt ja nahe, dass es vieles von einem teil gibt (gebirge = viele berge). in analogie dazu wäre ein kleiner, einsamer gedanke vielleicht ein denk ?!

  2. die Diskussion um den Gluff finde ich grundsätzlich fragwürdig. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Wertigkeit. Gibt es kleine Gedanken? Gibt es grosse Gedanken? Wohl ebensowenig bzw. ebensosehr wie es Grosse Menschen und die kleinen Leute gibt.