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vonDetlef Guertler 04.01.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Das Jahr 2006 brachte uns nicht nur Internet 2.0., sondern offenbar auch Demokratie 2.0. Denn sowohl bei den Bild-Volksreportern als auch beim Saddam-Hussein-Hinrichtungsvideo  machten bzw. machen sich hochwohllöbliche Medien- und sonstige Philosophen Gedanken über die volksherrschaftlichen Abgründe moderner Technik (zum Beispiel dort und dort und dort).

Besonders schön auf den Punkt gebracht hat das diffuse Anti-Orwell-Gefühl  Andrian Kreye in der Süddeutschen: „Es zeichnet sich eine mit den Mitteln der digitalen Medien bewerkstelligte Umkehrung der Machtverhältnisse ab, die dem totalen Überwachungsstaat des digitalen Zeitalters eine totale Überwachung von unten entgegensetzt.“

Jetzt muss man das nur noch vom Punkt auf das Wort bringen. Wie heißt denn die Umkehrung des totalen Überwachungsstaats?

Überwachungsvolk?

Spitzelstaat?

Denunziantokratie?

Oder brauchen wir gar kein Wort, weil der uralte Transparenz-Anspruch der Demokratie nunmehr eingelöst wird, und die Umkehrung des totalen Überwachungsstaats einfach nur Staat heißt?

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kommentare

  • In der Szene, deren größter organisierter Vertreter ja dereinst in den Redaktionsräumen der taz gegründet wurde, wird das meist mit »schöne neue Welt[tm]« bezeichnet. SNW ist die Übersetzung von Huxleys »brave new world« und das TM-Zeichen gilt allgemeinhin als Ironieindikator, quasi als Zynismus-Smiley.

  • So hatte ich mir das mit dem Verlinken eigentlich nicht gedacht. „Dort“ ist zwar richtiger als „hier“ aber nicht benutzerfreudlich. Wenn ich mir zum neuen Jahr was wünschen darf wären das sprechende Links: „… Abgründe moderner Technik (zum Beispiel Handelsblatt-Blog und Stefan-Niggemeier-Blog und Süddeutsche).“ Da sieht man gleich, wo man hingeschickt werden soll und muss nicht die Mauszeiger-Statuszeilen-Akrobatik ausführen.

  • Die neue mediale Wacht über ihr Schreiben und Treiben gefällt den Medienwächtern begreiflicherweise nicht: «Demokratie ist, was wir darüber schreiben …»

    😉

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