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vonDetlef Guertler 07.01.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Im Hitlerblog auf dieses Wörtchen gestoßen, das mir zwar seit jeher ausnehmend gut gefällt, aber so geschrieben äußerst fremd vorkam. Das Wort schreibt man doch nicht Bohai, dachte ich mir, sondern … Da merkte ich erst, dass ich dieses Wort offensichtlich noch nie geschrieben, sondern immer nur gesprochen habe.

Ja, wie schreibt man dieses große Aufhebens, Gelärms, das um eine Sache gemacht wird, die das gar nicht wert ist (sonst hieße es ja Debatte oder Konflikt)? Auch der Duden ist sich nicht sicher, sondern lässt sowohl Buhei (Haupteintrag) als auch Bohei zu, weil er meint, dass das Wort wohl irgendwo im rhein- oder münsterländischen aus den beiden Ausrufen Bu und Hei entstanden sei.

Das Hitlerblog’sche Bohai erlaubt der Duden zwar nicht, aber bei so unklarer Herkunft können wir ja auch neben dem Duden noch Google für die real existierenden Verwendungshäufigkeiten der Bohai-Schreibweisen konsultieren. Hier die Rangliste der acht möglichen Schreibweisen (nur Treffer auf deutschsprachigen Seiten):

Bohei: 15.700 Treffer

Bohai: 15.100 Treffer

Buhai: 1.210 Treffer

Buhay: 643 Treffer

Buhei: 601 Treffer

Bohey: 589 Treffer

Bohay: 424 Treffer

Buhey: 5 Treffer

Wobei die große Trefferzahl für Bohai nur zum verschwindenden Teil auf das Gelärms-Wort zurückzuführen ist, sondern in der Regel die gleichnamige Region in Nordchina meint – so wie sich auch hinter den Bohays und Buhays eher Nachnamen als konkurrierende Schreibweisen verbergen.

Dennoch bleibt es bei einem klaren Sieg des Boheis über die vom Duden empfohlene Schreibweise Buhei. Für die nächste Auflage beantrage ich deshalb hiermit die Beförderung des Boheis zum Haupteintrag.

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http://blogs.taz.de/wortistik/2007/01/07/bohai/

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kommentare

  • Aha! Zunächst stelle ich fest: Godwin hat wieder einmal recht. 🙂

    Als Wiener war mir zunächst die „Bahö“ ausgesprochene Version geläufig — siehe: http://www.franzstelzhamer.at/Forum/lesen.php?eintrag=103

    Als ich in Brasilien lebte, wies mich ein aus Deutschland stammender Freund auf die Verwandtschaft des portugiesischen „barulho“ (Lärm) mit diesem Ausdruck hin, der im Spanischen als „barullo“ noch weiter gefasst ist (Lärm, Wirrwarr, Tumult, …).

  • Bohai, Bohei kommt von Keltisch boudi = Sieg, Vorteil, Gewinn. Im altirischen lautet das Wort buaid, was unserem Bohai schon sehr nahe kommt.
    Dieses Wort wurde nicht durch englische- bzw. amerikanische Soldaten nach Deutschland gebracht, sondern war schon immer fester Bestandteil im südwestdeutschen Sprachraum, besonders im Moselfränkischen.
    Was vielleicht nicht bekannt ist, in der Region um Trier und an Mosel wurde noch bis ins 11. Jahrhundert eine Mischsprache (Vulgär) Keltisch und Lateinische mit zunehmendem Anteil Deutsch (Fränkisch) gesprochen.
    Deshalb findet man Bohai dort auch in vielen sehr alten Erzählungen.

    Aber der Bedeutungswandel von Sieg nach Aufhebens, Gelärms ist richtig

  • Die Diskussion hat mir geholfen, das Wort nicht zu verwenden sondern stattdessen mit „Brimborium“ zu ersetzen. Ich hoffe, ich liege damit richtig.
    Trotzdem danke an Chat Atkins für den netten Limerick.
    Gut gefallen hat mir die Erklärung von Frau Dr. Ziegler, weil sie mir am wahrschenlichsten vorkommt. Für eher unwahrscheinlich hingegen halte ich die Bo-Hai-Theorie, und wenn, dann nur auf großen Umwegen, da die Deutschen m.E. eher nicht dazu neigen, Wortspiele aus dem Chinesischen einzudeutschen.

  • Bo-Hai heißt auf chinesisch Nein-Ja. Es hat den Sinn, sich nicht entscheiden zu können, auch ein Hin-und-her oder ein sinnloses Theater zu machen.

  • […] Hart und langezogen wie die langsam und niemals enden wollende Postrock-Gitarren liegt Stress auf mir. Umgibt mich und lässt meinen Körper mit jedem Herzschlag beben, als ob ich direkt neben der Bassdrum stehe. Ich mache die Augen auf, das Licht noch mal an, kritzel was auf einen Zettel, der neben dem Bett liegt. Denk dran! In ruhigen Minuten denke ich sowieso ständig daran. Wer kommt heute? Was haben wir alles? Was haben wir nicht? Was steht auf dem Plan? Wer macht was? Das Handy schellt um 9 Uhr, eine kurze Frage, eine kurze Antwort. Dann noch mal, “Wie geht das und das?” Dazu fünf neue Mails, ich habe erst den zweiten Kaffee getrunken und sitze noch zu Hause am PC. Habe ich mir für eine Sache Routine angeeignet, warten schon zwei neue Dinge. Und ich bin der Einzige, der den Überblick hat. den Überblick über die ganzen Sachen hat. Meinen eigenen Überblick habe ich verloren. Wie bin ich hier hergekommen? Wo bin ich? Was soll das? An einem Tag wie dem vergangenen habe ich definitiv keinen Spaß mehr. Es hat mich schon lange überholt und überrollt, es fehlt nur noch der große Crash, der Fehler, der es ins Wanken bringt. Drohend wie Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, die trotz des großen Boheis dann doch nie explodieren. Irgendwie werde ich mich durchwurschteln, wieder Fuß fassen, Licht sehen. Phrasendrescherei, dazu fällt mir auch gleich die Gegenphrase ein: Das sagt sich so leicht… Und die habe ich heute tatsächlich auch gebracht. Toll. Weiter dröhnden die Gitarren, neverending dank Geigenbogen, der Gesang zerbrechlich. Ironischer Weise handelt der Song, der mir derzeit am meisten in den Ohren liegt, von neuen Batterien, an denen wir uns aufladen. Mal sehen, wie ich das bewerkstelligen will… […]

  • Es dürfte sich bei dem Wort eher um ein über das Englische entlehntes schottisches Wort handeln, das zusammen mit oder im Gefolge von Slogan „Kampfruf“ in die deutsche Sprache eingegangen ist. Buhei, Bohei ist dabei eine annähernde lautliche Wiedergabe von schott. buaidh „Sieg“ (das „dh“ am Ende wird nicht ausgesprochen). Die Bedeutung „viel Lärm um nichts; nutzloses Getue“ hat es erhalten durch die Engländer: Da die Schotten zwar mit viel Kampfgeschrei (eben buaidh „Sieg!“) und viel Mut, aber letztlich wenig Erfolg gegen die Engländer kämpften, wurde – vermutlich aus Spott – dieses Wort im Sinne von „viel Lärm und am Ende kommt doch nichts dabei raus“ in umgangssprachliches Englisch übernommen. Verstärkt hat sich die Benutzung im Deutschen durch die englische Besatzungszone nach dem 2. Weltkrieg, daher auch die häufigere Verwendung in den west- und süddeutschen Dialekten.

  • Vielleicht handelt es sich aber auch um einen der beliebten Anglizismen, daher dann auch die doppelte Duden-Schreibweise. Z. B. um das aus dem Neuseeländischen eingedeutschte „boohai“. Dies ist ein entlegener Platz, ein Ort fern von allen zivilisierten Standards, im übertragenen Sinn also ein „Irrenhaus“ voller Lärm und wirrem Geschrei:

    My grandfather, out in Caracas, Lost his mind and created a fracas. Now they’ve put him away; In the madhouse he’ll stay— He is up the boohai with pukakas.

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