Slogan

Braucht man das wirklich, liebe Aktion Lebendiges Deutsch: eine Eindeutschung für „Slogan“? Immerhin verwendet nicht nur der notorisch anglizismenverdächtige Deutsche dieses Wort, sondern auch die mindestens genauso notorisch einheimischsprachichen Franzosen und Spanier (letztere lediglich aussprachetechnisch mit einem e- vor dem slogan). Scheint also nicht gar so furchtbar zu sein, dieses Wort für den Werbespruch.

Besonders hübsch ist eine englische Übersetzung für Slogan im LEO-Wörterbuch. Danach wird das deutsche Slogan nicht nur mit Slogan übersetzt, sondern auch mit shibboleth, was wiederum ins Deutsche übersetzt nicht nur Slogan heißt, sondern auch Parole, Plattitüde oder Schlagwort. Alle drei Wörter sind zwar auch durchaus mögliche Eindeutschungen für den Werbeslogan, allerdings hätte keines von ihnen auch nur den Hauch einer Chance, im täglichen Gebrauch oder gar von den hauptberuflichen Slogan-Verwendern verwendet zu werden.

Was dann? Alle sich sofort anbietenden Negativ-Begriffe wie Dummsatz oder Leidspruch leiden unter dem gleichen Problem mangelnder Akzeptanz bei der Kernzielgruppe (Verkäufer, Werber, Journalisten). Die klassischen Slogan-Eindeutschungen wie Werbespruch oder Leitsatz zeichnen sich durch gepflegte Langeweile aus – und wenn sie es bisher nicht geschafft haben, sich gegen den Slogan durchzusetzen, ist auch kein Grund erkennbar, warum sie es ausgerechnet jetzt schaffen sollten.

Einen Vorschlag hätte ich trotzdem – einen multiplen sogar: Anstelle des einen Wortes Slogan verwendet man Wörter, die gleichzeitig auch eine Aussage über die (angestrebte) Qualität des jeweiligen Slogan treffen. Das wären zum Beispiel:

– Brüller
– Verführer
– Reißer

Reißer hätte sogar eine Chance, als Oberbegriff zu dienen, und damit den Slogan zu ersetzen. „Wir brauchen einen neuen Reißer“ ist ein klarer Auftrag an die Werbeagentur, und hätte für das konsumkritische Publikum den Vorteil, ein klein wenig Distanz zu übermitteln. Doch, das ist gut: Den Reißer reiche ich bei den Lebendigen Deutschaktionisten ein.

Kommentare (3)

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  1. Zwei Anmerkungen anläßlich der Wendung „notorisch einheimischsprachige Franzosen und Spanier“:

    Zuerst die Franzosen. Da gilt es nämlich ein häufiges Mißverständnis und eine Fehlwahrnehmung zu korrigieren. In Frankreich ist man ausgesprochen sprachbewußt, das ist richtig. Und auch Schutzinitiativen gegenüber dem Einfluß des Englischen werden aus diesem Land besonders vermeldet. Aber eine Ursache hierfür liegt gerade darin, daß die französische Sprache sich für überbordende Anglizismen als besonders empfänglich erwiesen hat. Und das im Vergleich zum Deutschen sogar recht früh. Vor diesem Hintergrund muß die im französischsprachigen Raum gepflegte Sprachkultur gesehen werden, nämlich als Reaktion auf übermäßige Anglophilie. Bis auf diesen Punkt, ist der französische Fall also mit dem deutschen durchaus vergleichbar.

    Anders beim Spanischen: Die Resistenz gegenüber wahllosem Anglosprech ist dort quasi natürlich und ursprünglich. Eine Beweislastfrage eigentlich: Dem Spanischsprecher kommt es nicht in den Sinn und ist ihm nicht plausibel gemacht worden, daß es normal und richtig wäre, statt für Neologismen aus der eigenen Sprache zu schöpfen, eine Fremdsprache wie das Englische anzuzapfen. Das ist jedenfalls meine subjektive Wahrnehmung als jemand, der in Spanien lebt.

    Natürlich hat das alles nichts mit Slogans zu tun…

  2. Jetzt suche ich nur noch jemanden, der die Zahl-Phase beginnen lässt…

  3. Damit wäre dann anscheinend auch der Wortistik-Blog in seiner Reiß-Phase angelangt 😉