Luxoflation

Auf ein bislang weitgehend unbeachtetes Problem hat Leonhard Fischer in der „Welt am Sonntag“ hingewiesen. „Die Besserverdienenden sehen sich heute einer sehr hohen Inflationsrate ausgesetzt“, verriet der künftige Europa-Chef der Bank Credit Suisse, und zitierte, leider ohne Quellenangabe, Berechnungen, wonach diese sich auf „bis zu acht Prozent jährlich“ belaufe.

Die Abzocke an der Laden- und Restaurantkasse durch diese „unglaubliche Verschiebung der relativen Preise“ scheint in ihrer Wirkung alles zu übertreffen, was sich linke Sozialdemokraten an Reichen-Folterwerkzeugen einfallen lassen: „Klassische Massenware steigt kaum oder fällt sogar im Preis. Luxusgüter, Wohnungen, Privatschulen und Gesundheitskosten steigen hingegen extrem stark an.“

Da Leonhard Fischer kein grinsender Kapitalknecht, sondern ein äußerst kluger Banker ist, unterstelle ich der Einfachheit halber, dass seine Behauptung stimmt (wobei ich für jeden Hinweis auf Quellen dieser Berechnungen dankbar wäre). Dann gäbe es in der Tat eine so hohe Differenz zwischen der vom Statistischen Bundesamt berechneten Inflationsrate und der Inflationsrate für Besserverdiener, dass letztere geradezu danach schreit, sie erstens regelmäßig zu ermitteln und zweitens ein neues Wort dafür zu erfinden.

Für letzteres wiederum sehe ich mich in der Pflicht, da Fischer uns kein zum Befund passendes Wort mitgeliefert hat. Ich plädiere für die „Luxoflation“. Sie ist nicht nur klar und unmissverständlich, sondern hat auch den im real existierenden Deutschland wichtigen Vorzug, sowohl Deutsch als auch Englisch sein zu können.

Tatsächlich ist auch bereits ein einziger dementsprechender Gebrauch des Wortes Luxoflation nachweisbar: im „Luxuryletter“ vom Oktober 2006 (pdf). In diesem Rundbrief des New Yorker Wohnungsmaklers Luxuryloft heißt es:

Have you noticed how in recent years the price of super-luxury products (and real estate) has risen dramatically? A good townhouse in the Village cost under $ 4 million a few, short years ago…..now they are going in the teens…. In the East 60’s what was $ 10 million is now $20 and 30 million. A top-of-the-line Rolls Royce used to cost $ 250,000.00 about 3 years ago…..now the Phantom costs about $ 350,000.00! The same inflationary trends can be seen in Loft penthouses, Hermes ties, and hotel rooms. We call this trend….the indiscriminate, sometimes irrational raising of prices to the super-rich…LUXOFLATION.

Diese Argumentation ist zwar reichlich fragwürdig: Die Immobilienblase hat sich in den USA quer durch alle Preisklassen aufgepustet, und der fürchterliche Preisanstieg für Rolls-Royce und Hermes hat eher mit dem schwachen Dollar als mit besonderer Schröpfung der Reichen zu tun. Aber deshalb wäre es umso begrüßenswerter, Herr Fischer, wenn Sie uns nachprüfbare Berechnungen zur Luxoflation vorlegen würden – damit wir guten Gewissens dieses neue Wort verwenden können.

Kommentare (-2)

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  1. Dann braucht die Luxoflation auch ein Formelzeichen und eine Formel. Wie wäre es mit einem aufgeblasenen €-Symbol?