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vonDetlef Guertler 24.01.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Ich gebe ja zu, ich bin ein reiner Buchstabenmensch. Bilder, ob bewegt oder nicht, interessieren mich nicht die Bohne. Ich weiß, dass man sie braucht, um beispielsweise Zeitschriften oder Fernsehen zu machen, aber ich bin sehr froh, dass die tayloristische Arbeitsteilung dafür gesorgt hat, dass sich andere Menschen darum kümmern: Grafiker, Art Directoren, Bildredakteure.

Ich weiß, viele Menschen da draußen sind anders. Weshalb sich wohl zu jeder beliebigen Sekunde, die der Herrgott wachsen lässt, mehr Menschen bei youtube oder flickr rumtreiben als bei der Wortistik. Ich trage dieses Schicksal mit Demut.

Leider kann ich deshalb nicht so genau sagen, ob nur mir das Verb „flickern“ so merkwürdig vorkommt, das Felix Schwenzel bei wirres.net so selbstverständlich verwendet. Natürlich kann es die Kommunikation unter Bildverwendern und -betrachtern erleichtern, wenn durch dieses Verb nicht nur klar ist, dass sich irgendwelche Bilder, auf die nicht die Welt, aber vielleicht der Kommunikationspartner gewartet hat, im Internet befinden, sondern man auch gleich weiß, wie und wo sie zu finden sind. Aber macht es wirklich einen so großen Unterschied, ob man seine Bildchen auf flickr.com oder auf wirres.net publiziert? Groß genug, um dafür ein neues Wort zu rechtfertigen?

Und dann auch noch so eins? Immerhin ist das Flickern bereits irgendwie in der Elektrotechnik und/oder der Astronomie belegt, und wird dort wohl verwendet, wenn Ströme oder andere Wellen so flackern wie Kerzen.

Und außerdem ist es ja, wie OliWer?! neulich bemerkte, auf absehbare Zeit noch mit Gefahren für Leib und Leben verbunden, wenn man Menschen fragt, deren Fotos man ins Internet stellen möchte, ob man sie mal eben flickern darf.

Aber weil ich mit Bildern jeglicher Art nix am Hut habe, beobachte ich völlig unparteiisch, ob sich flickern tatsächlich neben googeln als zweites Webseiten-Verb in die deutsche Sprache einschleicht.

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http://blogs.taz.de/wortistik/2007/01/24/flickern/

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kommentare

  • @Chat Atkins:
    Dann bekommst du wahrscheinlich genau die Probleme, die ich ja bereits in meinem Blog ansprach.

    @Detlef:
    Danke für die Verlinkung in deinem Text. Damit hatte ich an meinem Geburtstag doch tatsächlich den besucherstärksten Tag in diesem Jahr, nettes Geschenk also; danke 😉

  • Geht doch auch alles miteinander. Etwa so:
    mit Akkusativ: Bilder hochladen – Ich habe die Wortistik-Fotos geflickert.
    mit Dativ: Bilder runterladen – Ich habe mir die Wortistik-Fotos geflickert.
    mit weder noch: bei Flickr rumhängen – Ich habe in der Mittagspause noch ein bisschen geflickert.

  • Jaja, Verben 2.0: „Skypen“ scheint mir vernünftig, „Voipen“ dudentypisch doof und „Flickern“ überzeugt mich nicht.

    Heisst „flickern“ nun, dass man seine Bilder bei Flickr reinstellt, sie sich von dort kostenlos beschafft (vgl. MAX) – oder dass man ganz einfach bei Flickr und anderen Portalen ein wenig herumhängt? Dann wäre „Flickern“ lediglich Synonym für Online-Zeittotschlag.

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